
Die Einbildung einer zivilisierten, auf der Anerkenntnis einer für alle gültigen Konfliktbeilegung souveräner Staaten, wie sie zuerst im Völkerbund und dann in den Vereinten Nationen begründet sein sollte, ist erledigt. Es verbleibt die Frage, ob dies jemals mehr als nur eine Einbildung gewesen ist.
„Das Völkerrecht umfaßt die Gesamtheit der Rechtsregeln, Normen und Standards, die zwischen souveränen Staaten und anderen rechtlich als internationale Akteure anerkannten Einheiten gelten. Der Begriff wurde von dem englischen Philosophen Jeremy Bentham (1748–1832) geprägt.“
(https://www.britannica.com/topic/international-law)
Die Attacke, die die USA zu Beginn des Jahres gegen Venezuela geritten haben, dürfte auch dem allerletzten Illusionisten den wahren Charakter der geltenden internationalen Beziehungen offenbart haben.
Denn anstatt nun die „Weltgemeinschaft“ zu aktivieren, das Völkerrecht durchzusetzen und den legalen Status-quo ante notfalls auch militärisch wiederherzustellen, wird die Aggression lediglich durch laue diplomatische Noten quittiert. Das Schweigen aus Moskau, wo, nach Angabe gewisser westlicher Analysten, der heldenhafte Vorkämpfer einer gerechten, multipolaren Weltordnung residiert, ist angesichts des Überfalls auf einen angeblichen Verbündeten (https://syrianews.cc/us-military-operation-in-caracas-trumps-venezuela-move/) geradezu ohrenbetäubend.
Diese angebliche „Weltgemeinschaft“, vertreten durch die UNO, hat Venezuela zu den Akten gelegt und den USA erlaubt, diese einstmals angeblich souveräne Nation zu übernehmen. Von dem glaubwürdigen Vorhaben der Verwirklichung einer echten Gemeinschaft von friedlich und auf Basis von allgemein gültigen und durchsetzbaren Vereinbarungen in Frieden kooperierender Völker sind wir heute genauso weit entfernt wie zum Zeitpunkt der Gründung der UNO nach dem Zweiten Weltkrieg.
Ein Skandal, gewiß, aber der wievielte in einer endlosen Reihe von Skandalen, an denen speziell die USA die Hauptschuld tragen, ist dies nun? Das sind die USA, die seit mehr als zweihundert Jahren Völkermord, Krieg, Plünderung über die Erde bringen und, die ihre Anteilnahme am Schicksal anderer Volker mittels Bomben und Raketen mitteilen. Das sind die USA, die – eingeimpft durch den Gründergeist der Puritaner und mit dem Blut von Millionen ausgelöschter indigener Amerikaner besiegelt – auf dem Vorrecht als „Gottes Eigenes Land“ bestehen. Das sind die USA, die in ihrer gesamten Existenz nichts anderes getan haben, als von der Schaffenskraft anderer durch Totschlag und Raub zu profitieren.
Dies schreibt ein Deutscher, dem die USA, gegen die Deutschland zu keiner Zeit kriegerisch aktiv geworden war, mit einer bis dahin einzigartigen Terrorkampagne das Land zerbombt und dadurch nicht nur unwiederbringliche Kulturgüter wie die mittelalterlichen Städte, gezielt zerstört, sondern auch planvoll Millionen Frauen und Kinder umgebracht haben. Man möge mir meine Sicht auf diesen Totschläger nachsehen. Daß die Briten, die der Familie des Verfassers in einer kalten Oktobernacht 1943 das Haus zerbombt und seine Großmutter und ihre drei Kinder obdachlos gemacht hatten, um keinen Deut besser sind, allenfalls raffinierter, sei lediglich der (angeblich typisch englischen) Fairneß halber erwähnt.
Mit Venezuela als aktueller Lehreinheit in Realpolitik könnten wir, der Rest der Welt, uns nun aus dem kuscheligen Traum einer angeblich zivilisierten Welt, geleitet von Recht und Gesetz, verabschieden. Die angebliche Weltgemeinschaft ist eine Seifenblase.
Die UNO selbst verhindert diese Weltgemeinschaft durch ihre Struktur als Vorherrschaftsorgan der im Sicherheitsrat (UNSC) zusammengefaßten Mächte USA, Rußland (in der Nachfolge der Sowjetunion), die Volksrepublik China (in der Nachfolge der Republik China), Großbritannien und Frankreich. Der Rest vom Ganzen, also die 188 praktisch machtlosen Nationen, darf einmal im Jahr in der Generalversammlung (UNGA) poetisch titulierte Visionen oder flammende Appelle abgeben.
Die zeitlich befristete Zuwahl von nicht zum UNSC gehörenden Nationen aus dem Pool der Generalversammlung ist vielleicht guter Wille, ändert nichts an den realen Macht- und Entscheidungsmechanismen und ist daher Augenwischerei. Oder wie Carl Schmitt 1932 schrieb: „Wer Menschheit sagt, will betrügen“ („Der Begriff des Politischen“, 1932, S. 55; vgl. https://archive.org/details/carl-schmitt-der-begriff-des-politischen-1932_202512/mode/2up).
Daß diese Vereinten Nationen es wert seien, für sie zu kämpfen, behauptet mittlerweile nur noch das übliche Duo aus Verblendeten und Bezahlten (https://news.un.org/en/story/2026/01/1166763).
In der 64. Sitzung der UNGA (2009) führte Libyen den Vorsitz. Der libysche Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi faßte die Realität der UNO im Gegensatz zu ihrer Gründungsurkunde von 1945 zusammen:
„Die Einführung ist attraktiv und niemand hat Einwände dagegen. Die darauf folgenden Artikel jedoch widersprechen der Einführung grundsätzlich. […] Die Einführung sagt, daß alle Länder, groß oder klein, gleichberechtigt sind. Besteht diese Gleichberechtigung, wenn es um die permanenten Sitze im Sicherheitsrat geht? Nein, wir sind nicht gleichberechtigt. Die Einführung sagt wörtlich, daß alle Länder, groß oder klein, gleichberechtigt sind. Haben wir das Vetorecht? Sind wir gleichberechtigt? Die Einführung sagt, daß wir die gleichen Rechte haben, egal ob groß oder klein. Das ist, was die Einführung sagt und was vereinbart wurde. Somit widersprechen das Vetorecht und die permanenten Sitze dem Sinn der Gründungsurkunde. Wir akzeptieren und anerkennen das Vetorecht nicht.“
(http://cms.omepra.de/download.php?cat=02_Downloads&file=Muammar_Gaddafi-Rede_vor_der_UNO.pdf)
Gaddfi nannte den Sicherheitsrat „Terrorrat“ und „feudalistisch organisiert“ und bezeichnete die Generalversammlung als eine „reine Dekoration ohne Substanz“. Er erinnerte daran, daß die UNO seit ihrer Gründung Dutzende Kriege, die wesentlichen zählte er auf, geduldet habe, anstatt das in der Charta implementierte Gewaltverbot durchzusetzen. Er setzte sich für eine Übertragung der Mandate des Sicherheitsrates auf die Generalversammlung ein. Er schloß: „Libyen würde es begrüßen, wenn ihr alle den Übergang von einer Welt voller Schwierigkeiten und Spannungen zu einer Welt der Menschlichkeit, des Friedens und der Toleranz ermöglichen würdet.“
Die libyschen Vorschläge zur Reform der UNO wurden vereitelt. Zwei Jahre nach dieser Rede wurde Libyen mit einem von außen inszenierten „Bürgerkrieg“ überzogen, Gaddafi wurde bestialisch gefoltert und ermordet. Das wohlhabende und sichere Libyen wurde in das Höllenloch eines ‚failed state‘ verwandelt. Die Hauptverantwortlichen, der französische Präsident Sarkozy und der US-Präsident Obama mit seiner psychopathischen Außenministerin, sind nie für die an Libyen begangenen Verbrechen zur Verantwortung gezogen worden. Sie konnten sich ungehindert an den nächsten War by Terror machen. Diesen Terrorkrieg des Westens gegen Syrien hat die UNO ebenfalls weder verhindert noch beendet.
Die Erkenntnis, daß Großmächte stets die Vertretung ihrer tatsächlichen oder angemaßten Interessen notfalls mit allen verfügbaren Mitteln vertreten, ist nicht neu, spätestens die Neuzeit mit dem Aufkommen des europäischen Imperalismus lehrt uns diese simple Wahrheit. Im Zwanzigsten Jahrhundert gefiel es den Supermächten, nachdem sie ihre Einflußzonen abgesteckt und gegenseitig akzeptiert hatten (ohne die dort lebenden Völker zu fragen, versteht sich), Leitwerte wie Menschenrechte, Freiheit, Demokratie als billige aber wirksame Fassaden vor ihren Imperialismus zu stellen, um die Naiven zu täuschen und dem Gegner die Möglichkeiten der propagandistischen Gegenwehr zu nehmen. Denn der Gegner, der sich gegen die Durchsetzung von Menschenrechten stellt, muß bekanntlich als Feind der Menschheit angesehen werden.
Eine kleine Kostprobe?
- Deutsche in der englischen Kriegspropaganda als „Hunnen“, die Kinder schlachten (“Rape of Belgium“),
- ein national agierender Präsident des Iran als „Der Irre von Teheran“, siehe: ,https://www.bild.de/politik/iran-der-irre-von-teheran-will-zurueck-die-macht-665c156a4a339d1adfa787a7,
- Syriens Präsident Assad, der während es westlichen Terrorkrieges seine eigene Hauptstadt vergiftet (https://snhr.org/blog/2025/08/21/the-twelfth-anniversary-of-the-largest-chemical-attack-in-syria-justice-and-accountability-are-priorities-in-the-transitional-process/), wenn es tatsächlich die CIA-gesteuerten Terroristen gewesen warn (https://syrianews.cc/syria-mother-agnes-chemical-attack-damascus/).
Daß ausgerechnet die schlimmsten Verbrecher zur Kriegspropaganda mit den edelsten Worten um sich werfen, sollten wir endlich als Tatsache hinnehmen.
Die Plünderer und Mörder vom Potomac wußten das schon immer. Zu begrüßen ist daher, daß sie ihre ekelhafte Attitüde abgelegt haben, ihren völkermörderischen Imperialismus in betrügerischer Absicht mit süßen aber bedeutungslosen Phrasen zu verkitschen.
Präsident Trump scheint nun die Masken fallenlassen zu wollen. Er will Zeit und Aufwand sparen, anstatt die wahren Intentionen der USA noch länger mit Kitsch und Lüge zu verschleiern.
Im Falle Venezuelas wurde zuerst auch mächtig Schaum geschlagen, um dann die schlichte Wahrheit zumindest einmal kurz aus dem Hut zu zaubern. Nach einer anfänglichen Vernebelungskampagne, als im „Kampf gegen den Drogenhandel“ irgendwelche Boote in der Karibik samt ihrer Besatzung versenkt worden sind, wurde Präsident Maduro als Kopf einer Drogenmafia verleumdet, um die anstehenden Maßnahmen den offenkundig hirntoten Jüngern des MAGA-Kultes hinwerfen zu können, während Trump seine Kriegsschiffe vor die Küste des Landes legte und Öltanker kaperte. Wäre es Trump wirklich um die Vernichtung des Drogenhandels gegangen, hätte er dessen Zentrale in Langley ausnehmen können, die zudem nicht so weit vom Weißen Haus entfernt liegt wie Caracas. Um die Befreiung der USA von der Drogenflut ist es nie gegangen. Und so offenbaren sich die Anwürfe gegen Maduro als propagandistische Vorbereitung des Geplanten.
Schließlich gab Trump offen zu, daß er die Souveränität des ölreichsten Landes der Erde nicht länger zu ertragen gewillt war – mit der logisch wirklich abenteuerlichen Erklärung, Venezuela habe das im Boden Venezuelas steckende Öl den USA gestohlen.
Venezuela ist die Monroe-Doktrin (https://www.britannica.com/event/Monroe-Doctrine) in Anwendung. Bei deren Einführung 1823 betrachteten die USA den ihr anhängenden Süden als ihre natürliche Einflußsphäre, in der sie allein nach Gutdünken zu herrschen gedachten. Das hervorstechendste Ergebnis ihres Wirkens war die Umwandlung einst selbständiger Nationen in servile, korrupte und ausgeplünderte „Bananenrepubliken“. Die heutige Welt kennt diesen Begriff nur noch als Modemarke (https://www.gapinc.com/de-de/about/banana-republic).
Später sind die USA großzügig geworden und haben gleich die ganze Welt eingemeindet (vgl.: “Full Spectrum Dominance“, https://www.researchgate.net/publication/329677589_Full_Spectrum_Dominance_US_National_Security_Doctrine_in_the_New_Global_Security_Environment) und: “Project for the New American Century“, https://militarist-monitor.org/profile/project_for_the_new_american_century/) .
Nun ist es selbst den allmächtigen, von Gott gesegneten USA jedoch nicht auf Dauer möglich, die ganze Welt von Washington aus militärisch zu dominieren, pardon: zu beglücken. Das sehen wohl mittlerweile auch die MAGA-Freaks ein. Ihr Held, oder seine Strippenzieher, wußte das schon längst, und so hat er im November 2025 eine neue US-Sicherheitsdoktrin erlassen, die bündig, und natürlich mit dem unverzichtbaren pompösen DJT-Eigenlob, die Prinzipien der US-Sicherheitspolitik in der Welt beschreibt. Das Dokument ist lesenswert und hier zu finden: https://www.whitehouse.gov/wp-content/uploads/2025/12/2025-National-Security-Strategy.pdf
Unumwunden wird hierin festgestellt, daß die USA sich nicht weiterhin um jeden Schnupfen jedes Fellachen oder Jakuten kümmern kann:
„Die Vereinigten Staaten sind in jeder Hinsicht die großzügigste Nation der Geschichte – dennoch können wir es uns nicht leisten, jeder Region und jedem Problem der Welt die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken.“ (S. 15)
Nach dieser, jene weniger wichtigen Regionen und ihre Probleme gewiß frustrierenden, Offenbarung lesen wir dann, was sich Gottes Eigenes Land für die Welt vorgenommen hat, und zwar hübsch aufgegliedert nach „Regionen“.
Oh Maduro! Hättest Du dieses Papierchen bloß gelesen…
„Nach Jahren der Vernachlässigung werden die Vereinigten Staaten die Monroe-Doktrin wieder in Kraft setzen und durchsetzen, um die amerikanische Vorherrschaft in der westlichen Hemisphäre wiederherzustellen und unser Heimatland sowie unseren Zugang zu Schlüsselregionen in der gesamten Region zu schützen. Wir werden es nicht-hemisphärischen Konkurrenten verwehren, Streitkräfte oder andere bedrohliche Fähigkeiten in unserer Hemisphäre zu stationieren oder strategisch wichtige Güter zu besitzen oder zu kontrollieren.“ (S. 15)
Na bitte.
Die Ernsthaftigkeit, mit der die Trump-Regierung das verlogene pseudohumanitäre Gewäsch der vergangenen Jahrzehnte beiseite fegt und deutlich zum alten hegemonialen Duktus zurückkehrt, ist positiv. Denn schließlich ist es so den Heerscharen der bestbezahlten Propagandisten nicht mehr gegeben, die allerschlimmsten Verbrechen gegen Gottes Schöpfung mit wohlklingenden Wortmarken zu rechtfertigen.
Folgen wir der Chronologie, ist Venezuela also der Auftakt für ein neues außenpolitisches Engagement der USA zum „Schutz“ der USA und zur Sicherung ihrer Interessen gewesen. Es geht um „Vorherrschaft“.
Darum ist es den Mächten immer gegangen, solange es Staaten gibt. Rom wäre kein Imperium geworden, hätte es mit Galliern oder Karthagern Tee getrunken. Ägyptens Pharao Ramses II. kämpfte in der Schlacht von Kadesch am Orontes gegen die kleinasiatischen Hethiter. Will man erfolgreiche Eroberungen, insbesondere mittels Kriegslisten, Diplomatie und Taktik, verstehen, empfiehlt sich die Lektüre „Der Gallische Krieg“ von Gaius I. Caesar.
Die USA sind durch geschickte Politik und brutale Kriegsführung als Profiteure des Ersten und Zweiten Weltkriegs Weltmacht geworden, haben das britische Weltreich beerbt und sind bis heute diejenige Nation, gegen die niemand eigene Interessen wirksam durchsetzen kann.
Was nun aus Venezuela unter der Fuchtel von „Daddy“ Trump (https://abcnews.go.com/Politics/nato-secretary-general-calls-trump-daddy/story?id=123197665) werden wird, vermag niemand mit absoluter Gewißheit vorherzusagen. Die Nachfolgerin Maduros, Vizepräsidentin Delcy Rodriguez, hatte zuerst versprochen, daß Venezuela nie wieder eine Kolonie werden würde (https://www.tagesschau.de/ausland/venezuela-rodriguez-100.html). Jetzt freut sie sich bescheiden über 300 Millionen Dollar aus einem von den USA gelenkten Verkauf gekaperten Öls, während die USA sich selbst 200 Millionen Dollar für diese Hehlerei einbehalten haben (https://www.msn.com/de-de/finanzen/top-stories/delcy-rodr%C3%ADguez-venezuela-meldet-einnahmen-von-300-millionen-dollar-durch-us-%C3%B6lverkauf/ar-AA1UCPlD). Frau Rodriguez, die unter Chavez in die Politik kam, möchte keine SMO nach Art Washingtons erleben und scheint sich um Kooperation zu bemühen. Sie könnte wissen, daß alle, die sich durch die USA benutzen lassen, bei passender Gelegenheit von den USA fallengelassen werden. Sollte sie mehr erfahren wollen, könnte sie die Kurden im Irak und in Syrien fragen.
Ob nach Venezuela nun der Knüppel gegen den Iran gezogen wird, ob Trump zuerst Grönland übernehmen (https://www.reuters.com/business/davos/determined-seize-greenland-trump-faces-tough-reception-davos-2026-01-21/) und die militärische Besetzung ausbauen, Mexiko regimechangen oder Kuba einverleiben wird, bleibt letztlich, bei aller Sympathie für die betroffenen Völker, unerheblich. Gegen keine der kommenden amerikanischen Aggressionen wird es einen durchschlagenden Widerstand geben. Die BRICS sind ein reiner Debattierklub; Rußland, das von den selben Trupps wie die USA gesteuert wird, Indien und schließlich China, das stets sein eigenes Spiel spielt, haben die BRICS eben nicht zu einer antiimperialistischen Organisation aufgebaut (vgl. https://tkp.at/2026/01/17/brics-ist-eine-diskussionsplattform-keine-organisation/).
Daß hingegen ausgerechnet Daddy’s Boy Rutte den Egomanen in Davos von seinen Grönland-Ambitionen zu einem jener neuerdings Staats- und Völkerrecht durch Handelsrecht ersetzenden „Deals“ hat bewegen können (https://www.bbc.com/news/articles/cgezx40r7d7o), glauben nur jene, die beim Verteilen von Intelligenz gerade abwesend gewesen waren.
Nach Venezuela beweist sich das substanzlose Getöse von der multipolaren Weltordnung nur noch als Gekläffe zahnloser Pinscher im Angesicht der Bulldogge – oder als dreiste Lüge augenzwinkernder Vasallen des bösen Imperiums. Die Reaktion Putins auf den Rutte-Trump-Deal über Grönland erscheint als Indiz dafür, daß die Puppenspieler in Washington und jene in Moskau entweder identisch sind oder zumindest die selben Ziele teilen (https://www.msn.com/en-us/news/world/putin-reacts-to-trump-nato-greenland-fight/ar-AA1UIL5G ).
Die geplante massive Aufrüstung der Arktis zielt eindeutig gegen Rußland, aber das scheint den kleinen Petersburger nicht zu stören – wie ihn in der Vergangenheit viele Schritte des bösen Imperiums gegen Rußland nicht gestört hatten.
Iran wäre gut beraten, von Nordkorea zu lernen und sich sehr rasch um Atomwaffen zu bemühen.
Aufgrund Trumps großartigen und erfolgreichen Bemühungen im Nahen Osten wird Amerika seinen Fokus dort verändern können (S. 27). Der Iran als angeblicher Bösewicht der Region (S. 28) wird weiterhin in der Aufmerksamkeit von „Daddy“ bleiben, schließlich geht es darum, die zentralen Öl- und Handelsschiffahrtsrouten für die USA zu sichern und Israels Existenz gewährleisten.
Israel, das weiß jedes Kind, ist ein illegales, terroristisches Gebilde auf dem geraubten Boden eines anderen Volkes. Die von ihm reklamierten Grenzen werden nicht einmal von den USA anerkannt. OHNE Anerkenntnis der Rechtsverhältnisse und die Erfüllung der berechtigten Forderungen der Palästinenser ist ein echter Frieden unmöglich. Aber Frieden zählt nichts gegen Trumps Real Estate Dreams für den Nahen Osten (S. 28), von deren Umsetzung zuerst sein zionistischer Schwiegersohn profitieren dürfte,
Die Volksrepublik China ist unzweifelhaft der Hauptrivale der USA – schon Obama hatte einen Wechsel der außenpolitischen Schwerpunkte nach Asien begonnen.
Zutreffend schreibt das Strategiepapier:
„Der Indopazifik erwirtschaftet bereits fast die Hälfte des weltweiten BIP gemessen an der Kaufkraftparität, KKP) und ein Drittel gemessen am nominalen BIP. Dieser Anteil wird im 21. Jahrhundert mit Sicherheit weiter steigen. Das bedeutet, daß der Indopazifik bereits jetzt zu den wichtigsten wirtschaftlichen und geopolitischen Schlachtfeldern des nächsten Jahrhunderts zählt und dies auch in Zukunft tun wird. Um im Inland erfolgreich zu sein, müssen wir uns dort im Wettbewerb behaupten – und das tun wir auch.“ (S. 19)
Ob die Bedeutung des Wortes „Schlachtfeld“ für einen den Nobelpreis erstrebenden Friedenspräsidenten wohl irgendeine Problematik darstellen könnte?
In Asien will Washington „durch Stärke führen“ (S. 19), entscheidend dabei ist der wirtschaftliche Faktor, denn Trump will die Wirtschaftsbeziehungen mit China „neu ausbalancieren“: „Gegenseitigkeit und Fairneß haben Vorrang, um die wirtschaftliche Unabhängigkeit Amerikas wiederherzustellen.“ (S. 20)
Die Frage, wann genau jemals Amerika „Fairneß“ in bilateralen Beziehungen geübt haben will, sparen wir uns.
Um die Chinesen zu der für diese Neuausrichtung notwendigen Kooperation zu motivieren, ist auch militärische Stärke (im Papier nennt man sie „Abwehr“) und die diesbezüglich enge Kooperation mit Washingtons regionalen „Alliierten“ (was wohl Washingtons Begriff für tributpflichtige Vasallen sein wird) notwendig: Japan und Südkorea müssen mehr tun (vgl. S. 24) für den Ausbau der Verteidigungsmaßnahmen, die Washington als unabdingbar für die „Abwehr“ chinesischen Einflusses in China und dessen Umgebung (s. S. 23) ansieht: „Wichtig ist, daß dies mit einem starken und kontinuierlichen Fokus auf Abschreckung einhergehen muss, um Kriege im Indopazifik zu verhindern.“ (S. 20). Das schreibt nun der Präsident jener Nation, die Vietnam, Laos und Kambodscha verwüstet und Millionen ziviler Toter hinterlassen hat. Die Frage, welche Nationen OHNE das Einwirken der USA Kriege im Indopazifik führen würden, bleibt vom Strategiepapier unbeantwortet.
Aber auch ohne Krieg, den Washington natürlich niemals will, bleibt es interessant im indopazifischen Raum:
„Die Vereinigten Staaten müssen mit ihren Bündnispartnern und Partnern zusammenarbeiten […], um räuberischen Wirtschaftspraktiken entgegenzuwirken und unsere gebündelte Wirtschaftskraft zu nutzen, um unsere führende Position in der Weltwirtschaft zu sichern und zu gewährleisten, daß die Volkswirtschaften der Verbündeten keiner konkurrierenden Macht untergeordnet werden. […] Daher hat die Verhinderung eines Konflikts […], idealerweise durch die Aufrechterhaltung der militärischen Überlegenheit, Priorität.“
Übersetzen wir das einmal aus der Whitehouse-Sprache in klares Deutsch:
- „um räuberischen Wirtschaftspraktiken entgegenzuwirken“ – da spricht der Dieb vom Stehlen, er ist der Experte. Natürlich empört es den Dieb, wenn jemand anderes die fette Beute zieht. Aus diesem Grund mag kein Staat Mörder und Diebe…
- „zu gewährleisten, daß die Volkswirtschaften der Verbündeten keiner konkurrierenden Macht untergeordnet werden“ – denn sie sind ja den USA, ihrer Militär- und Wirtschaftsmacht untergeordnet, und das soll auch so bleiben.
- „die Aufrechterhaltung der militärischen Überlegenheit“ – einem Deutschen muß man in dieser Hinsicht nichts mehr erzählen, und ich gehe davon aus, daß dies auch für die Japaner und Koreaner gilt, die, wie wir, die Party ihres Besatzers auf ihrem eigenen Boden voll finanzieren dürfen.
Für Europa sieht das Strategiepapier nichts Geringeres als die „Wiederherstellung europäischer Größe“ vor (S. 25). Washingtons sieht die Staaten des alten Kontinents auf dem falschen Weg, der den wirtschaftlichen Niedergang beschleunigen und damit die militärischen Fähigkeiten der europäischen Staaten weiter vermindern wird:
„Sollten sich die gegenwärtigen Trends fortsetzen, wird der Kontinent in 20 Jahren oder weniger unkenntlich sein. Es ist daher alles andere als sicher, ob bestimmte europäische Länder über ausreichend starke Wirtschaften und Streitkräfte verfügen werden, um verlässliche Verbündete zu bleiben.“ (ebd.).
Allerdings können sich die USA nicht leisten, Europa „abzuschreiben“ (S. 26), denn das würde den Zielen der neuen Strategie entgegenlaufen. Schließlich geht es auch um die „Öffnung der europäischen Märkte“ für Waren und Dienstleistungen aus Amerika (S. 27).
Um diese Neuausrichtung zu fördern, will die Trump-Administration vor allem Einfluß auf die Politik der europäischen Nationen nehmen:
„Unser Ziel sollte es sein, Europa dabei zu helfen, seinen derzeitigen Kurs zu korrigieren. Wir brauchen ein starkes Europa, das uns hilft, erfolgreich im Wettbewerb zu bestehen und mit uns zusammenzuarbeiten, um zu verhindern, dass ein Gegner Europa dominiert. […] Wir wollen mit verbündeten Ländern zusammenarbeiten, die ihre frühere Größe wiedererlangen wollen.“ (S. 27).
Dazu plant die USA, gezielt jene Parteien in Europa zu fördern, die der gegenwärtig führenden Ideologie Europas entgegenstehen, und die im Papier als „patriotische europäische Parteien“ bezeichnet werden.
Die Trump-Administration hat diese Parteien und ihr Führungspersonal bereits erfolgreich an Washington angebunden. Der Umstand, daß Vertreter dieser Parteien wie Orban, Meloni, Wilders, Le Pen, Weidel selbst entschiedene Unterstützer des Terrorgebildes Israel sind (https://www.haaretz.com/israel-news/2025-03-17/ty-article-magazine/.premium/israels-lost-taboo-how-netanyahus-party-is-embracing-europes-far-right-extremists/00000195-9e70-d865-ad95-9f7df0170000; https://www.timesofisrael.com/saar-officially-opens-dialogue-with-european-far-right-parties/; https://foreignpolicy.com/2019/02/24/why-benjamin-netanyahu-loves-the-european-far-right-orban-kaczynski-pis-fidesz-visegrad-likud-antisemitism-hungary-poland-illiberalism/) und sogar enge freundschaftliche Beziehungen zum Totschläger Netanyahu pflegen, sollte uns Patrioten und Nationalisten bewußt sein und zu Zweifeln an der Wahrhaftigkeit dieser angeblichen Patrioten großen Anlaß geben.
Mit den von Washington und Tel Aviv Umgarnten in der Führung Europas wird es vielleicht keinen Green Deal mehr geben, aber eine erdrückende ‚Freundschaft‘ zu Personen und Staaten, deren Nähe nicht ungefährlich ist.
Und die USA selbst? Trump ist optimistisch:
„Was Amerika vom Rest der Welt unterscheidet – unsere Offenheit, Transparenz, Vertrauenswürdigkeit, unser Bekenntnis zu Freiheit und Innovation sowie unser freier Marktkapitalismus – wird uns auch weiterhin zum globalen Partner erster Wahl machen.“ (S. 22)
Daß die von den USA umworbenen Nationen sowie die lieben „Alliierten“ dieses Ziel mit eigenen Kräften ganz im Sinne der USA uneigennützig unterstützen werden, davon geht Washington sicher aus. Und tun sie es nicht aus Überzeugung, hat der Hegemon eben seine Mittel.
Vermutlich hatte auch Al Capone seine Schutzgeldangebote auf ähnlich motivierende Weise beworben…
Stefan H. Heuer, M.A.
Historiker, geb. 1964, hat als Dozent in der Erwachsenenbildung sowie in der Personalentwicklung u.a. eines international tätigen VS-amerikanischen Dienstleistungsunternehmens gearbeitet.