Iurie Roșca: Professor Dugins Avatare (Teile 1 bis 17) (18.07.2026)

Soft Power à la russe und die vom Kreml-Kraken kontrollierte Dissidenz

Dieser Artikel ist das Ergebnis von Überlegungen und Beobachtungen, die ich über viele Jahre hinweg gesammelt habe. In dieser Zeit habe ich versucht, die Figur des russischen Philosophen Aleksandr Dugin besser zu verstehen – sowohl durch die Auseinandersetzung mit seinem Werk als auch durch die Untersuchung der Art seiner Beziehungen zum Putin-Regime und zu dissidenten Intellektuellenkreisen im Westen. Persönlich stehe ich seit 2023 weder mit ihm noch mit seinem engsten Kreis in Moskau noch mit den Persönlichkeiten des internationalen Netzwerks, das dieser Strömung angehört, in Kontakt. Tatsächlich habe ich die Wendungen und Wechselfälle meiner Beziehung zu dieser ikonischen russischen Figur der letzten Jahrzehnte in einem vor einiger Zeit veröffentlichten Artikel skizziert:
https://arcaluinoe.info/en/blog/2025-01-22-n1hfgger/

Ich halte es für an der Zeit gekommen, Licht auf Dugin zu werfen, der von einigen systemkritischen Kreisen als eine Art Leuchtturm des antiglobalistischen Widerstands angesehen wird. Mit anderen Worten: Es ist an der Zeit, dem Mann die Maske der Seriosität zu entreißen, den auch ich einst nicht nur als einen herausragenden Autor, sondern auch als einen integren Menschen angesehen habe, der sich voll und ganz der Sache seines eigenen Volkes und den Idealen der jahrtausendealten christlichen Tradition verschrieben. .
Da meine ehemaligen Freunde in Frankreich in den letzten Jahren abrupt jeglichen Kontakt zu mir abgebrochen haben und weder einen meiner Artikel auf ihren Medienplattformen veröffentlicht noch meinen Namen jemals in ihren Artikeln oder Videokonferenzen erwähnt haben, habe ich nach Kontakten in anderen Kreisen dieses Landes gesucht, die dieselbe Sichtweise auf die globalen geopolitischen Realitäten und die aktuelle politische Lage in Rußland teilen. Dies ist erst kürzlich geschehen. Gerade dank meiner neuen Freunde in Frankreich schreibe ich diesen Artikel. Ich werde eine Reihe von Ereignissen, die sich von 2013 bis heute zugetragen haben, detailliert und methodisch aufbereitet skizzieren, um uns im „Dugin-Labyrinth“ zurechtzufinden. Denn ich betrachte den Ausbau dieses Netzwerks als die vielleicht erfolgreichste Durchdringung jener der US-Hegemonie und dem Globalismus  entgegenstehenden Intellektuellenkreise Frankreichs (und natürlich auch derjenigen in anderen Ländern). Wir werden untersuchen, wie „Soft Power“ im Fall des russischen „Tiefen Staates“ funktioniert. Aber gehen wir Schritt für Schritt vor und folgen dabei der Chronologie der Ereignisse.

2. Mai 2013. In Chișinău, der Hauptstadt meines Landes, der Republik Moldau, findet die Buchvorstellung meines Werks „Moldau – Der Teil, der zum Ganzen wurde: Über die nationale Idee als einigende Kraft“ statt. Sehen Sie sich ein Video der Veranstaltung an: https://www.privesc.eu/arhiva/16479/Prezentarea-cartii-lui-Iurie-Rosca—-Moldova—partea-care-a-devenit-intreg–Despre-Ideea-Nationala-ca-forta-unificatoare-. Das Buch wurde auf Rumänisch und Russisch veröffentlicht (siehe PDF-Version: https://arcaluinoe.info/ro/carti/moldova-parte-care-a-devenit-intreg/). Die Veranstaltung fand im Freien vor  vor dem Hauptsitz der Volksuniversität, die als Thinktank, Schule für nationale Pädagogik und Verlag fungiert – eine Einrichtung, die ich nach 2009 gegründet hatte, vor einem ausgewählten und zahlreichen Publikum statt. An ihr nahmen Redner aus akademischen, politischen und fachlichen Kreisen teil.

3. Mai 2013. Ich erhielt einen Anruf von Victor Odolsky, einem ehemaligen Oberst des Geheimdienstes, der seit etwa 20 Jahren im Ruhestand war und regelmäßig an allen von uns organisierten öffentlichen Veranstaltungen teilnahm: Buchvorstellungen, Gespräche am Runden Tisch und Pressekonferenzen. Ich kannte ihn als einen meiner Unterstützer und dachte mir nichts weiter über seine Vergangenheit als KGB-Offizier. Victor sagte mir, er wolle mich zusammen mit einem in Moskau lebenden Landsmann von uns besuchen, der um einige Exemplare des am Vortag vorgestellten Buches bitten wolle. Ich willigte ohne zu zögern ein, zumal alle Bücher, die ich veröffentlicht hatte, jedem, der sie haben wollte, kostenlos zur Verfügung standen.

4. Mai 2013. Victor Odolsky erschien in meinem Büro in Begleitung eines etwa 45-jährigen Mannes namens Roman Răileanu (der Familienname kann auch Railean geschrieben werden). Er bat mich um einige Exemplare meines Buches, darunter ein signiertes Exemplar für Aleksandr Dugin. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits mehrere Bücher dieses Autors gelesen. Ich fragte ihn, ob er Dugin persönlich kenne, und er sagte mir, daß dies nicht der Fall sei, er jedoch mit einem von Dugins Beratern namens Aleksandr Bovdunov befreundet sei. Von ihm erfuhr ich außerdem, daß dieser Berater des russischen Philosophen mit der rumänischen Sprache und Kultur sehr vertraut sei.

Ein paar Tage später erhielt ich einen Anruf von Roman Răileanu, der sich bereits in Moskau befand. Er erzählte mir, daß Professor Dugin mein Buch gelesen habe, das ihm sehr gut gefallen habe, und daß er mich gerne persönlich kennenlernen wolle. Roman schlug mir vor, nach Moskau zu kommen, was ich dann auch tat.

So kam ich also in Moskau an; Roman Răileanu quartierte mich in seiner Wohnung ein – oder vielleicht war es die seiner Schwester (eine übrigens recht luxuriöse) –, und am Abend trafen wir uns mit Professor Aleksandr Dugin, der von Alexandr Bovdunov begleitet wurde.
Zu dieser Zeit war ich auf der Suche nach alternativen konzeptionellen Ansätzen zur amerikanischen imperialistischen Hegemonie. Seit der Sowjetzeit war ich ein überzeugter Antikommunist gewesen, der sich voll und ganz der Bewegung für nationale Emanzipation und die Auflösung der UdSSR verschrieben hatte.

Der konkrete Kontext dieses historischen Moments war folgender: Jeder, der das totalitäre sowjetische Regime in Frage stellte, galt automatisch als Anhänger des westlichen Modells mit all seinen Freiheiten, die jenseits des Eisernen Vorhangs so attraktiv erschienen. Und erst etwa zwei Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der UdSSR und der Erlangung der Unabhängigkeit begann ich, das wahre Wesen des Westens zu erkennen – wie wir in zivilisatorischer, politischer, rechtlicher, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht kolonialisiert und in einen Raum verwandelt worden waren, der dazu bestimmt war, dasselbe düstere Schicksal wie die Dritte Welt zu erleiden. Ich habe zahlreiche Artikel zu diesem Phänomen verfaßt und eine Reihe von Büchern veröffentlicht; ich bin unzählige Male im Fernsehen und auf wissenschaftlichen Konferenzen aufgetreten.

Aus heutiger Sicht wird deutlich, daß ich genau aus diesem Grund für die Machtzentren in Moskau von Interesse wurde. Da ich zu einem radikalen Gegner aller Formen der Expansion geworden war, die uns vom Westen aufgezwungen wurden – durch das Vordringen der Korporatokratie und die Vasallisierung sowie durch Strategien zur Zerstörung nationaler Traditionen, die von den USA und der EU durchgesetzt wurden –, beschloß jemand in der russischen Hauptstadt, daß ich in ihr System der Konfrontation mit dem Westen eingebunden werden sollte.

Mein erstes Gespräch mit Dugin verlief sehr herzlich. Ich stellte fest, daß wir dieselben Werke gelesen hatten, dieselben konservativen Werte teilten und gleichermaßen gegen die amerikanische Hegemonie eingestellt waren. Ich möchte hier einige Autoren aufzählen, auf die wir uns während unserer damaligen Diskussion bezogen haben. Wir erwähnten René Guénon und Julius Evola, die sich durch ihre Kritik an der westlichen Moderne, der kommerziellen Zivilisation, dem kartesischen Rationalismus und dem undurchsichtigen, autarken Anthropozentrismus auszeichneten. Wir gingen auf die führenden Persönlichkeiten der Konservativen Revolution ein: Moeller van den Bruck, Carl Schmitt, Werner Sombart, Oswald Spengler, Martin Heidegger, Karl Haushofer, Ernst Jünger und andere. Wir waren uns einig, daß die neoliberale Politik, die von globalistischen Institutionen wie dem IWF, der Weltbank und der WTO aufgezwungen wurde, die Volkswirtschaften unserer Länder zerstört hat. In diesem Sinne war die Hinwendung zur protektionistischen Denkschule eine natürliche Reaktion auf den Zustrom von ausländischem Kapital und Waren, der den ehemaligen kommunistischen Block ruinierte und ihn in eine Konsumwirtschaft verwandelte, die natürliche Ressourcen und billige Arbeitskräfte lieferte. Ich hatte gerade sein hervorragendes Buch „The End of Economics“ (https://www.labirint.ru/books/254079/) gelesen, das weitgehend von dem von Friedrich List, Alexander Hamilton und anderen theoretisierten Wirtschaftsnationalismus inspiriert war.

Im Gegensatz zu Dugin hatte ich erhebliche Vorbehalte gegenüber der von ihm vorgeschlagenen Lösung zur Überwindung der Unterordnung postkommunistischer Volkswirtschaften unter westliche Wirtschaftsmächte. Er stützte sich auf die Theorie von Karl Haushofer, die, grob gesagt, Folgendes postuliert. Die vom General und Geographen Karl Haushofer formulierte Theorie der „großen Räume“ (oder des Panregionalismus) ist eine geopolitische Doktrin der Zwischenkriegszeit. Sie besagt, daß sich Staaten, um der globalen wirtschaftlichen Vorherrschaft zu entkommen, zu autarken wirtschaftlichen und politischen Blöcken unter der Führung der Großmächte zusammenschließen müssen. Daher Dugins Pan-Eurasismus. Ich suchte jedoch nach Lösungen, um die Wirtschaft eines kleinen Landes innerhalb eines riesigen Raums zu schützen, der mein kleines Land vollständig verschlungen und es erneut in eine Peripherie verwandelt hätte. Tatsächlich habe ich meine Vision für die Wirtschaft in einem akademischen Vortrag vor der Moldauischen Akademie der Wissenschaften am 23. Juli 2013 unter dem Titel „Die Republik Moldau: Von der politischen Unabhängigkeit zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit“ dargelegt. (Siehe das Video und den Text dieses Vortrags: https://www.privesc.eu/arhiva/17615/Prelegerea-publica-sustinuta-de-Iurie-Rosca-cu-tema—Republica-Moldova–de-la-independenta-politica-spre-independenta-economica-).

Der aufschlussreichste Teil meines Gesprächs mit Dugin im Mai 2013 betraf jedoch die rumänische Kultur. Ich war sehr beeindruckt, als ich feststellte, daß der Moskauer Professor mit dem Werk des Philosophen Lucian Blaga, des Religionshistorikers Mircea Eliade, einer Reihe von Denkern und Schriftstellern sowie mit der Figur von Corneliu Zelea Codreanu und der Rolle der Legionärsbewegung im Kontext der rechten Bewegungen jener Zeit bestens vertraut war.
Das Gespräch mit Professor Dugin bereitete mir eine besondere Befriedigung. Ich saß einem hochkarätigen Intellektuellen gegenüber, mit dem ich stundenlang auf sehr hohem intellektuellem Niveau diskutieren konnte. Und genau das war es, was mir in jenem Moment fehlte. In Chișinău konnte ich keinen Gesprächspartner von gleichem intellektuellem Kaliber finden.

Genau bei diesem Treffen schlug ich Dugin vor, sein Werk „Die vierte politische Theorie“ zu übersetzen, das ich für die Debatte über die Identifizierung politischer Theorien, die über die kommunistischen und liberalen Paradigmen hinausgehen, sehr interessant fand. So begann unsere Zusammenarbeit, die ein Jahrzehnt andauerte.

Auf Anregung von Roman Răileanu lud ich Dugin zu einer Reihe öffentlicher Veranstaltungen nach Chișinău ein.

(Fortsetzung folgt)

                       
PROFESSOR DUGINS AVATARE (2)

„Soft Power“ à la russe und vom Kreml-Kraken kontrollierte Dissidenz



Nach mehreren Jahren der Zusammenarbeit mit Aleksandr Dugin machte mir einer meiner ehemaligen Studenten, Octavian Racu – ein Soziologe und Journalist, der in den sozialen Medien sehr aktiv war –, ein Geständnis, das möglicherweise entscheidendes Licht auf die Angelegenheit werfen könnte. Es war ihm gelungen, eine Reihe von Kontakten zu konservativ orientierten Intellektuellen sowohl in Rußland als auch in Rumänien zu knüpfen. Und dann fragte ihn Aleksandr Bovdunov irgendwann, mit welchen moldauischen Intellektuellen ihre Gruppe in Moskau eine Zusammenarbeit anstreben solle. Octavian Racu antwortete, daß Iurie Roșca die einzige Person mit einem soliden Hintergrund sei, die die konservative Vision vertrete. Daraus lässt sich ableiten, daß Roman Răileanus Kontakt zu mir selbst eine Infiltrationsoperation war, die darauf abzielte, mich in den Einflußbereich von Kreisen in Moskau hineinzuziehen.

17. Juni 2013. Aleksandr Dugins erster Besuch in Chișinău. Damals organisierte ich zwei öffentliche Veranstaltungen – eine an der Volksuniversität und eine im Hauptquartier der Christlich-Demokratischen Volkspartei (zusammen mit deren Jugendorganisation) – sowie zwei Fernsehsendungen. Der Professor aus Moskau wurde überall von Roman Răileanu begleitet.

Nachstehend finden Sie das vollständige Video dieser Veranstaltung:
https://www.youtube.com/watch?v=qkFiG-kQTVQ).
Derjenige, der sich links von Dugin positionierte und darauf bestand, ins Bild zu kommen, ist Roman Răileanu (siehe auch die Pressemitteilung zu diesem Besuch: https://moldova-suverana.md/article/am-primit-la-redacie_1768).

Nachdem mein Gast nach Moskau aufgebrochen war, bat mich Roman Răileanu, ihn mit meinem Auto nach Hause zu fahren. Dabei stellte ich fest, daß er irgendwo im Stadtteil Ciocana wohnte. Zu meiner großen Überraschung stellte ich jedoch fest, daß er – rein zufällig – in einer Wohnung in einem Gebäude wohnte, das den Mitarbeitern des Geheimdienstes und Sicherheitsdienstes (dem ehemaligen KGB) vorbehalten war. Natürlich war das nur ein Zufall.
Also machte ich mich daran, das Buch „Die vierte politische Theorie“ zu übersetzen. Nach etwa zwei Monaten war die Übersetzung fertig. Außerdem verfasste ich ein ausführliches Vorwort für das Buch. Ich bereitete sowohl die russische als auch die rumänische Fassung für den Druck vor. Doch irgendwann begannen seltsame Dinge zu geschehen. Zunächst war ich etwas verblüfft darüber, daß Roman Răileanu darauf bestand, daß ich nicht direkt mit Dugin korrespondieren sollte, da der Professor sehr beschäftigt sei. Alle meine Nachrichten sollten an ihn und gleichzeitig an Dugins Berater, Aleksandr Bovdunov, gesendet werden. Obwohl mir die Art dieses Mannes, dem jegliches Allgemeinwissen fehlte, nicht gefiel, habe ich mir damals nicht viel aus diesem Vorfall gemacht. Ab einem bestimmten Punkt war ich jedoch regelrecht empört: Nachdem ich den beiden das Vorwort zu dem betreffenden Buch geschickt hatte, erhielt ich eine stark zensierte Fassung zurück. Alle Passagen, die eine kritische Haltung gegenüber dem sowjetischen Regime, dem Staatsstreich von 1917, dem Lenin-Kult usw. offenbarten, waren herausgestrichen worden. Ich verlangte eine Erklärung, doch Roman Răileanu und sein Komplize Aleksandr Bovdunov versicherten mir, daß dies genau dem Wunsch des Professors entspreche. Obwohl mir das nicht gefiel, schickte ich die zensierte Fassung ganz im perfekt neosowjetischen Geist, der für Putins Rußland so charakteristisch ist, in den Druck. Nachstehend finden Sie den Text meines Vorworts, veröffentlicht von Claudio Mutti aus Italien, der die Website „The Fourth Political Theory“ betreibt: https://www.4pt.su/ro/content/patra-teorie-politica-la-chisinau.

Nachdem sich dieser bedauerliche Vorfall mit der Zensur meines Vorworts ereignet hatte, beschloss ich, Dugin eine lange E-Mail – etwa acht Seiten lang – zu schicken, in der ich auf alle Passagen hinwies, die von diesem Duo gestrichen worden waren. Ich fragte ihn, ob er selbst die Verstümmelung meines Textes genehmigt habe. Am nächsten Morgen rief mich Dugin an und behauptete, von dem Vorfall überhaupt nichts gewusst zu haben. Er entschuldigte sich mehrmals und bestand darauf, das Vorwort in seiner Originalfassung zu veröffentlichen. Ich sagte ihm, daß mir das wenig ausmache, daß ich aber nicht verstehe, wie einige junge Leute – die eigentlich seine Untergebenen sein sollten – es sich anmaßen könnten, seine Korrespondenz zu filtern und einen Text zu verstümmeln, der von jemandem verfaßt wurde, der dies sein ganzes Leben lang getan hat. Mein Hauptberuf ist der eines Lektors; seit den 1980er Jahren verfasse ich für einen Verlag interne Rezensionen literarischer Werke sowie Vorworte und Rezensionen für verschiedene Bücher. Genau deshalb war ich von der Arroganz dieser beiden Personen so schockiert.
Es schien, als würde Professor Dugin von der unsichtbaren Hand mächtiger Kräfte, die sich seiner Kontrolle entzogen, streng überwacht. Jemand hielt ihn gefangen, lenkte und überwachte jede seiner Bewegungen und jeden seiner Kontakte. Ich schlug Herrn Dugin vor, jeglichen Kontakt zu Roman Răileanu abzubrechen, vor allem aber sehr gründlich zu untersuchen, wer dieser Aleksandr Bovdunov wirklich ist – der Mann, der stets an seiner Seite ist – und für wen er arbeitet.

Im Laufe der Zeit stellte ich jedoch fest, daß zwar R. Răileanu von der Bildfläche verschwunden war, A. Bovdunov jedoch weiterhin Dugins Schatten war. Und mein Professor hat mir nie verraten, wer diese beiden Männer wirklich sind und für wen sie arbeiten.
Einige Tage nach meinem Telefongespräch mit Professor Dugin tauchte derselbe Roman Răileanu unangekündigt in meinem Büro auf. Der Mann war wütend und drohte, vor Zorn zu explodieren. Er hatte einige Tage (auf einer Mission?) in Rumänien verbracht und war gerade zurückgekehrt. Auf unverblümte und äußerst unhöfliche Weise verlangte er eine Erklärung dafür, wie ich es hatte wagen können, Professor Dugin DIREKT und ohne seine Erlaubnis zu kontaktieren. Das war der Gipfel der Unverschämtheit. Ich wies ihn so zurückhaltend wie möglich zurecht und bat ihn, mich nicht mehr zu belästigen.

Ich nahm erneut Kontakt zu Dugin auf und schilderte ihm diesen Wortwechsel.

Dann entstand eine seltsame Pause, in der ich versuchte, den Professor aus Moskau davon zu überzeugen, nach Chișinău zu kommen, um an der Vorstellung des bereits in zwei Sprachen erschienen Buches teilzunehmen. Doch Dugin fand keine Zeit dafür. Dann vertraute er mir irgendwann an, daß Roman Răileanu ihn selbst zwei- oder dreimal besucht und ihn gewarnt habe, nicht nach Moldawien zu kommen, da die politische Lage sehr angespannt sei, was für seine Sicherheit gefährlich sein könnte. Das war natürlich reine Desinformation, die darauf abzielte, meine Zusammenarbeit mit Dugin zu stören. Letztendlich hat die Buchvorstellung unter Beteiligung des Autors stattgefunden.

Aber auch dieses Mal konnte ich diesem hyperaktiven Typen namens Roman Răileanu nicht entkommen. Am Vorabend von Dugins Ankunft rief er mich an und sagte mir, ich solle nicht zum Flughafen fahren, um ihn abzuholen, da der russische Botschafter ihn persönlich empfangen würde. Ich stimmte zu, bat ihn aber, Dugin mindestens 30 Minuten vor 15:00 Uhr zur Volksuniversität zu bringen, wo die Veranstaltung stattfinden sollte. Doch zu dieser Zeit tauchte dieser seltsame Typ nicht auf. Weder er noch Professor Dugin gingen ans Telefon. Unterdessen füllte sich der Konferenzsaal mit der Crème de la Crème der moldauischen Gesellschaft: Universitätsdozenten, Forscher der Akademie der Wissenschaften, Schriftsteller, Journalisten und so weiter. Also rief ich die russische Botschaft an. Dort teilte man mir mit, daß Dugin nicht vorbeigekommen sei, sondern stattdessen dem Russischen Zentrum für Kultur und Wissenschaft einen unangekündigten Besuch abgestattet habe. Von dort aus habe er einen Anruf getätigt. Der Leiter dieser Einrichtung erzählte mir, daß Dugin in Begleitung eines seltsamen Mannes aufgetaucht sei, ohne daß dieser Besuch vorher angekündigt worden wäre. Als ich fragte, wohin die beiden gegangen seien, sagte mir der Diplomat, sie hätten sich mit dem russischsprachigen Journalisten Dmitri Ciubashenko getroffen. Daraufhin rief ich in Moskau an und sprach mit dem Berater Aleksandr Bovdunov, der behauptete, nichts davon zu wissen, mir aber versprach, der Sache nachzugehen und sich bei mir zu melden. Das tat er jedoch nie. Im Gegenteil, er sperrte meine Nummer, und ich konnte ihn nicht mehr anrufen.

Ich stand unter großer psychischer Belastung. Vor allem, da die Veranstaltung pünktlich um 15:00 Uhr live übertragen werden sollte. Immer wieder trat ich vor das Publikum, um mich für die Verspätung zu entschuldigen. Schließlich traf das Auto mit den beiden Männern, Răileanu und Dugin, mit etwa 30 bis 40 Minuten Verspätung im Innenhof der Volksuniversität ein. Ich hatte sogar ein Mittagessen für ihn vorbereitet, aber dafür war nun keine Zeit mehr. Dugin hatte gerade begonnen, sein Tischgebet zu sprechen, doch ich sagte ihm, daß wir das jetzt nicht tun könnten. Da wurde mir klar, daß er seit dem Morgen nichts mehr gegessen hatte und nicht einmal auf die Toilette gehen konnte. Ich begleitete ihn zur Toilette, und dann gingen wir sofort vor das Publikum. Der Mann war gestreßt und erschöpft.

(Fortsetzung folgt)

PROFESSOR DUGINS AVATARE (3)

„Soft Power“ à la russe und vom Kreml-Kraken kontrollierte Dissidenz

16. Januar 2014. Buchvorstellung von „Die vierte politische Theorie“.

https://www.privesc.eu/arhiva/19496/Lansarea-cartii-lui-Aleksandr-Dughin–A-Patra-teorie-politica–in-traducerea-lui-Iurie-Rosca.

Nach der Veranstaltung blieb derselbe verdächtige Mann ganz in Dugins Nähe, beobachtete jede seiner Bewegungen und hinderte uns daran, unter vier Augen zu sprechen. Erst an jenem Abend, am Flughafen, bat ich meinen Bruder Jacob, den lästigen Begleiter für ein paar Minuten abzulenken, damit ich dem sichtlich in Panik geratenen Professor ein paar Worte zuflüstern konnte. Ich sagte ihm kurz, er solle sich von diesem Mann fernhalten, aber auch nicht vergessen, herauszufinden, was mit seinem Betreuer Bovdunov los sei.

Nach der Reihe unangenehmer Vorfälle mit dem zwielichtigen Roman Răileanu versuchte ich, mehr über ihn herauszufinden. Derjenige, der ihn mir vorgestellt hatte, Victor Odolsky, erzählte mir nichts Relevantes und vermied jede Information, die auch nur im Entferntesten konkret war. Also wandte ich mich an einen Kollegen aus der Branche, einen erfahrenen russischsprachigen Journalisten, den ich seit Jahrzehnten kannte: Vladimir Novosadiuk. Er ist inzwischen verstorben, sodass ich ihn durch die Veröffentlichung dieser Enthüllungen nicht mehr in Gefahr bringe. Zu dieser Zeit leitete er die russische Nachrichtenagentur „RIA Novosti“, aus der später „Sputnik-Moldova“ hervorging. Ich hatte erfahren, daß dieser Mann auch bei ihm ungebeten hereingestürmt war, sich als sehr wichtiger Sonderbeauftragter aus Moskau ausgegeben und einem der dienstältesten und erfahrensten Journalisten Moldawiens Anweisungen erteilt hatte.

Novosadiuk gestand mir, daß er über die Unverschämtheit dieser Person zutiefst empört war, aber nicht wußte, wer diese Person eigentlich war. Doch dann kam ihm plötzlich eine Idee. „Moment mal! Ich rufe sofort jemanden an und finde alles heraus. Bleib einfach ruhig – ich werde über die Freisprechanlage telefonieren.“ Und direkt vor meinen Augen wählte er die Handynummer eines ehemaligen Leiters des Geheimdienstes und Sicherheitsdienstes mit umfangreichen Verbindungen nach Moskau. Ich werde seinen Namen nicht nennen – er weiß warum. Hier ist das Gespräch:

– Hör mal, mein Lieber, wer ist dieser Roman Răileanu, der sich überall ungebeten einmischt, sich aufspielt, als wäre er der Chef, und Ideen hat, die entweder verrückt oder provokativ sind?

Nach einer angespannten Pause antwortete die Person am anderen Ende mit gedämpfter, verschwörerischer Stimme:

– Volodea, sei vorsichtig mit diesem Typen. Er infiltriert Projekte und untergräbt sie dann von innen heraus. Aber das ist nichts, was man am Telefon besprechen sollte. Ich erzähle dir mehr, wenn wir uns treffen.

Das ist alles, was ich über den rätselhaften Mann herausfinden konnte, der mich zunächst mit Dugin in Kontakt gebracht und dann alles getan hat, um diese Beziehung zu untergraben. Ich habe den Eindruck, daß diejenigen, die Dugin koordinierten, ihm eine ganz andere Rolle für Moldawien zugedacht hatten, aber ich habe ihren Plan gewissermaßen durchkreuzt, indem ich diese Beziehung in eine andere ideologische Richtung gelenkt habe als die, die vom Regime in Moskau gefördert wurde.

18.–23. Februar 2014. Der von den Amerikanern inszenierte Staatsstreich in Kiew. Dugin ist ein vehementer Kritiker dieser Einmischung der USA in der Ukraine.

6. Mai 2014. Nach den blutigen Ereignissen in Odessa, bei denen Dutzende Menschen ums Leben kamen, forderte Dugin in einem Moment emotionaler Erregung in einem Interview mit der Website anna-news.info, daß Ukrainer „getötet, getötet, getötet“ werden müssten. Infolge dieser Äußerungen wurde Dugin von der Staatlichen Universität Moskau entlassen, wo er als Lehrstuhlinhaber und Professor am Institut für Soziologie tätig war. Offensichtlich hatten liberale Kreise – und allen voran Putins Berater Wladislaw Surkow – auf den richtigen Moment gewartet, um mit Dugin abzurechnen, der zu lautstark geworden war und eine deutlich härtere Linie vertrat als der engste Kreis des Präsidenten.

Unmittelbar nach seiner Entlassung rief mich Dugin in einem Zustand völliger emotionaler Verzweiflung an. Er erzählte mir, daß er sich schrecklich fühle, daß er nicht mehr schreiben könne, daß er ins Krankenhaus gehen werde und daß ihn nichts mehr interessiere. Ich machte ihm so gut ich konnte Mut und sagte ihm, daß dieses antinationale und verräterische Regime, wenn es ihn schon von der Universität verwiesen habe, damit eigentlich seine Verdienste als Intellektueller mit einer festen patriotischen Haltung anerkenne – im Gegensatz zu den Verrätern im Kreml.

Kurz nach seiner Entlassung wurde Aleksandr Dugin vom Oligarchen Konstantin Malofeev eingeladen, die Rolle des Chefredakteurs des neuen Fernsehsenders „Tsargrad“ zu übernehmen. Wie die von Dugin angeführte eurasische Bewegung befindet sich auch das Studio dieses Fernsehsenders im Gebäude des Ministeriums für Telekommunikation, einem riesigen Bauwerk im Zentrum Moskaus. Zumindest war das der Fall, als ich dort war. Die beiden gingen eine Partnerschaft ein, die bis heute andauert. Ihre Rhetorik ist konservativ, radikal antiliberal und antiwestlich sowie durch und durch pro-Putin.

In der Zwischenzeit hatte ich Dugin vorgeschlagen, daß es nach „Die vierte politische Theorie“ angebracht wäre, auch „Die Theorie der multipolaren Welt“ auf Rumänisch zu veröffentlichen, da ich dieses Werk als Ergänzung zum ersten betrachtete. Ich schlug jedoch vor, eine gekürzte Fassung zu veröffentlichen, da das Buch eigentlich den Inhalt eines zuvor erschienenen Lehrbuchs für Hochschulen mit dem Titel „Internationale Beziehungen“ umfasste. Mich interessierte nur der Abschnitt, der sich mit der Konzeptualisierung der Multipolarität befasste.

Damals erschien mir dies als ein vollkommen stichhaltiges Konzept – eine geopolitische Vision, die der Vorherrschaft des amerikanischen Imperiums und der internationalen Finanzwelt über die Länder der Welt ein Ende setzen würde. Ich betrachtete diese Theorie als echte Alternative zum unipolaren Globalismus. Ich wußte damals noch nichts davon, daß die wahren Architekten der Multipolarität finstere Gestalten wie Henry Kissinger sind, und mir war auch die Karte der zehn Makroregionen oder regionalen Blöcke auf globaler Ebene nicht bekannt, die 1974 von dem einflussreichen globalistischen Thinktank „Der Club of Rome“ (1968 von David Rockefeller gegründet) ins Leben gerufen wurde.

Als Vorwand für diese umfassende Neuordnung der Welt beriefen sich Experten aus dem Umfeld der globalistischen Plutokratie auf die Mythen von Überbevölkerung, Umweltzerstörung und wirtschaftlicher Instabilität. Regionale Zusammenarbeit, globale Governance und nachhaltige Entwicklung waren die Schlüsselelemente dieser Strategie. Ich wußte damals noch nicht einmal etwas über die Ursprünge des geopolitischen Zusammenschlusses BRIC(S), der innerhalb einer der mächtigsten globalistischen Finanzinstitutionen der USA, der Goldman Sachs Group, Inc. – einer amerikanischen multinationalen Investmentbank und Finanzdienstleistungsgesellschaft – konzipiert wurde, wobei das Projekt von Baron Jim O’Neill entwickelt wurde. All dies erfuhr ich erst später, als mir bewußt wurde, daß die BRICS-Staaten tatsächlich darauf ausgelegt sind, die Neue Weltordnung auf globaler Ebene durchzusetzen.

Ich habe keine Ahnung, ob Professor Dugin sich der wahren Ursprünge der Multipolarität bewußt war, als er seine Abhandlung verfasste. Auf jeden Fall unterscheidet sich seine Argumentation von der des oben erwähnten globalistischen Netzwerks. Professor Dugin konzentrierte sich darauf, den eurozentrischen Rassismus zurückzuweisen, der für sich beansprucht, die einzig überlegene Zivilisation zu sein, und plädierte stattdessen für einen Pluralismus der Zivilisationen und eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen allen „großen Räumen“, die zivilisatorische Identitäten bilden, die auf religiösen Grundlagen und einem gemeinsamen historischen Schicksal beruhen. Das in diesem Werk skizzierte Konzept wurde als Plattform des Widerstands gegen den alles auflösenden Globalismus, die Dominanz der internationalen Finanzwelt und die Aushöhlung der Souveränität präsentiert und plädierte für die Bewahrung aller Formen kollektiver Identität: religiöser, zivilisatorischer, ethnolinguistischer, kultureller und sexueller. Die Vision glich einer Symphonie der Nationen, einer Apotheose des Gleichgewichts zwischen mehreren regionalen Machtzentren. Die Theorie wirkte harmonisch und gut durchdacht.

Ich gebe zu, daß Dugin, als er sein Werk verfasste, in dem er sich für Multipolarität einsetzte, möglicherweise von den edelsten Absichten geleitet wurde. Ich kann jedoch keine ehrenhafte Erklärung dafür finden, warum eine Persönlichkeit von solch akademischem Rang wie dieser Moskauer Professor, nachdem die Widersprüchlichkeit der Multipolarität eklatant offensichtlich geworden war, weiterhin für eine Sache eintritt, die eindeutig fehlerhaft ist. Es bleibt dem Leser überlassen, zu entscheiden, ob Professor Dugin von Anfang an Teil einer groß angelegten Operation zur Manipulation der öffentlichen Meinung auf globaler Ebene war oder ob er aus Angst vor der Unterdrückungsmaschinerie des Putin-Regimes den Globalisten einfach in die Hände spielt.

Ich habe meine Arbeit akribisch erledigt: Ich habe übersetzt, das Vorwort verfaßt, das Buch auf Russisch und Rumänisch lektoriert und es für das Publikum in Moldawien und Rumänien vorgestellt. Ich bestand darauf, daß der Autor bei der Buchvorstellung anwesend sein sollte, doch Dugin zog es vor, in Moskau zu bleiben und per Skype an der Veranstaltung teilzunehmen.


25. Juli 2014. Buchvorstellung „Die Theorie der multipolaren Welt“.

Siehe die untenstehenden Links zu dieser Veranstaltung.
https://www.privesc.eu/arhiva/45263/Prezentarea-cartii-lui-Alexandr-Dughin–Teoria-Lumii-Multipolare–in-traducerea-lui-Iurie-Rosca
https://www.youtube.com/watch?v=DrHrWlpLzZE
https://www.4pt.su/ro/content/teoria-lumii-multipolare
https://ava.md/ru/stati/analitika_i_kommentarii/prezentatsiya_knigi_aleksandra_dugina_teoriya__mnogopolyarnogo__mira__v__kishineve/ 
https://noi.md/md/news_id/44649 .
(Fortsetzung folgt)

PROFESSOR DUGINS AVATARE (4)

„Soft Power“ à la russe und vom Kreml-Kraken kontrollierte Dissidenz

Im Sommer 2014 besuchte ich Moskau auf Einladung von Konstantin Malofeev. Ich wurde im prunkvollen Hauptsitz seines Unternehmens „Marshall Capital Partners“ empfangen. Ich überreichte ihm ein Exemplar meines Buches in russischer Sprache, und der Oligarch sagte, er habe viel Gutes über mich gehört. Bei dem Gespräch waren noch mehrere andere Personen anwesend; sie kamen und gingen unauffällig und musterten mich dabei genau. Ich fühlte mich, als wäre ich im US-Außenministerium, wo ich schon mehrmals gewesen war. Ich hatte den Eindruck, wie ein Insekt unter einer Lupe untersucht zu werden; jede Geste, jede Nuance meiner Stimme wurde akribisch beobachtet. Ich hingegen war vollkommen entspannt, denn ich hatte nichts zu verlangen und nichts zu verbergen. Mein Interesse galt ausschließlich dem Gedankenaustausch und der Zusammenarbeit mit den akademischen und kulturellen Kreisen verschiedener Länder, die dieselben traditionellen und systemkritischen Werte teilten. Das Gespräch verlief elegant und angenehm, war aber letztendlich völlig ergebnislos und ohne jeglichen Ausgang.

28. Februar – 1. März 2015. Das Jean-Parvulesco-Kolloquium in Bukarest. Es war die erste Veranstaltung, die dem französischsprachigen rumänischen Mystiker und Philosophen gewidmet war, der in Rumänien so gut wie unbekannt ist. Derjenige, der mich über diese Veranstaltung informierte, war der Italiener Claudio Mutti, der meine Artikel und Übersetzungen regelmäßig auf einer von ihm betreuten mehrsprachigen Website veröffentlicht hatte. Ich kannte ihn zudem dank einer Reihe von Büchern, die auf Rumänisch erschienen waren und sich mit symbolträchtigen Persönlichkeiten der rumänischen Rechten in der Zwischenkriegszeit befassten. Bei dieser Veranstaltung traf ich unter anderem Natalia Melentyieva, die Ehefrau von Professor Dugin, die einen Doktortitel in Philosophie besitzt; Constantin Parvulesco, einen Schriftsteller und Journalisten von europäischem Rang und Sohn des mystischen Denkers, dessen man bei der Veranstaltung gedachte; dessen Sohn Stanislas Parvulesco; sowie Laurent James, einen Physikforscher und großen Kenner von Parvulescos Werk. Ich habe alle auf dieser Kulturveranstaltung auf Französisch gehaltenen Reden transkribiert und sie vollständig auf der Website www.flux.md veröffentlicht, die 2022 auf Anordnung des Direktors des moldauischen Informations- und Sicherheitsdienstes gesperrt wurde. Auf Wunsch von Natalia Melentyieva habe ich alle Reden ins Französische übersetzt, da sie nur Englisch beherrschte.

22. März 2015. In Sankt Petersburg findet im Luxushotel “Holiday Inn Moskovskie Vorota“, eine internationale Konferenz hinter verschlossenen Türen statt, bei der weder Presse noch Mobiltelefone zugelassen sind. Die Veranstaltung wurde zum Gedenken an den 200. Jahrestag des Heiligen Bündnisses von 1815 organisiert, das von Zar Nikolaus I. initiiert wurde und Rußland, Preußen und Österreich zusammenführte. Ich gehörte zu den mehreren Dutzend Gästen, Intellektuellen aus verschiedenen Ländern. Die Kosten wurden vom Oligarchen Konstantin Malofeev übernommen, der die Veranstaltung gemeinsam mit Aleksandr Dugin moderierte. Im Mittelpunkt der Reden standen traditionelle Werte, die Idee einer gemeinsamen christlichen Zivilisation sowie die Ablehnung der amerikanischen Hegemonie und der Einmischung der USA in europäische Angelegenheiten, insbesondere in die der Ukraine.

Während dieser Veranstaltung lernte ich Professor Dugins Tochter Daria kennen, mit der ich eine aufrichtige Freundschaft schloß. Außerdem hatte ich die Ehre, beim offiziellen Abendessen am selben Tisch zu sitzen wie der renommierte Professor Valentin Katasonov, Doktor der Wirtschaftswissenschaften und orthodoxer Denker, Autor Dutzender Bücher, sowie mit Oleg Platonov, einem Forscher der russischen und westlichen Zivilisationen, Spezialisten für die Ideologie des Judentums und der Freimaurerei, Doktor der Wirtschaftswissenschaften und Autor einer beeindruckenden Anzahl von Büchern.

Von allen Reden stach für mich die kurze Ansprache des französischen Rechtsanwalts Elie Hatem besonders hervor, der über eine Promotion in internationalem öffentlichem Recht und Verfassungsrecht verfügt, Mitglied des Exekutivkomitees der „Action Française“ ist, zu den führenden Persönlichkeiten des Nationalen Front in seiner früheren Form gehörte und ein enger Vertrauter von Jean-Marie Le Pen ist. Der entscheidende Satz, der die beiden Moderatoren der Veranstaltung, Malofeev und Dugin, sprachlos machte, lautete wie folgt: ”Liebe Freunde, alles, was hier gesagt wird, ist absolut wahr. Aber um erfolgreich zu sein, müssen wir wissen, wer unser Feind ist, wie Sun Tzu in „Die Kunst des Krieges“ sagte. Und unser Feind ist die jüdische Mafia. Um dies zu verstehen, genügt es, drei Bücher zu lesen: ‚Die Protokolle der Weisen von Zion‘, ‚Der internationale Jude: Das größte Problem der Welt‘ von Henry Ford und ‚Die Kontroverse um Zion‘ von Douglas Reed.“

Konstantin Malofeev, sichtlich beunruhigt durch Elie Hatems Einwurf, bestand darauf, die Diskussion wieder auf eine gemäßigtere und vageere Ebene zu lenken: “Liebe Freunde, ich würde vorschlagen, daß wir solche Formulierungen vermeiden. Es wäre besser, allgemeine Begriffe wie ‚Feinde‘ oder ‚Gegner‘ zu verwenden. Das wäre für uns viel klüger und angemessener.”
Während der Pause ging ich auf Elie Hatem zu, schüttelte ihm die Hand und sagte ihm, daß ich seine Sichtweise voll und ganz teile. Seitdem sind wir befreundet.

Bei diesem Treffen lernte ich auch den georgischen Geschäftsmann Levan Vasadze kennen, einen Mann von wahrhaft bemerkenswerter Gelehrsamkeit, Vater von acht Kindern und ein großer georgischer Patriot. Er war zudem einer der führenden Köpfe des Weltkongresses der Familien. Er stand Malofeev und Dugin nahe und hatte zahlreiche geschäftliche Interessen in Rußland. Mehrere Jahre lang glaubte ich, einen weiteren wahren Freund gewonnen zu haben. Doch auch er war gezwungen, jeglichen Kontakt zu mir abzubrechen, wie im Folgenden deutlich werden wird.

April 2016. Ich reiste als Journalist nach Moskau. Mit Hilfe des Teams von Tsargrad nahm ich eine Reihe von TV-Beiträgen für meine Sendung „MegaFon“ auf. Dugin ist dort Chefredakteur und wies das technische Team des Senders an, mich zu unterstützen. Im Laufe weniger Tage gelang es mir, Interviews mit den folgenden prominenten Persönlichkeiten des russischen öffentlichen Lebens aufzunehmen: den Ökonomen Valentin Katasonov, Michail Chasin und Michail Deleaghin, dem Journalisten Maxim Schewtschenko, Alexej Komow, Vertreter des Weltkongresses der Familien und Experte für Heimunterricht; dem Soziologen Alexandr Bovdunow sowie natürlich Alexandr Dugin. Die Sendungen wurden auf NTV Moldawien ausgestrahlt.

16.–17. Mai 2016. Tiflis. Der 10. Weltkongress der Familien. Eine großartige Veranstaltung, an der Tausende von Delegierten aus verschiedenen Ländern teilnahmen und die mit Unterstützung der Georgisch-Orthodoxen Kirche stattfand. Hauptorganisator war der konservative Geschäftsmann Levan Vasadze. Der Kongress diente als dynamische internationale Plattform für traditionalistische Kräfte, die sich gegen die Sodomisierung der Gesellschaft, den Kulturmarxismus und die Perversion der öffentlichen Moral wehren. Während dieser Veranstaltung traf ich den französischen traditionalistischen Aktivisten Fabrice Sorlin, den ich zuvor bereits beim Treffen 2015 in St. Petersburg kennengelernt hatte. Seine Rede beeindruckte mich, und seitdem verbindet uns eine enge und herzliche Freundschaft. Er hatte sich mit seiner Familie in Moskau niedergelassen, nachdem er Frankreich aufgrund der Verfolgung durch die antinationalen Behörden des Landes verlassen hatte. Mehrere Jahre lang führten wir einen regen Briefwechsel; ich schickte ihm meine Artikel auf Französisch, die er auf der vom Oligarchen Konstantin Malofeev finanzierten Website veröffentlichte. Am 16. und 17. September nahm er am 12. Weltkongress der Familien teil, der unter der Schirmherrschaft des damaligen Präsidenten Igor Dodon in Chișinău stattfand. Ich hatte mich geweigert, an der Organisation dieser Veranstaltung mitzuwirken, doch Fabrice besuchte mich zu Hause, und wir führten ein wahrhaft brüderliches Gespräch. Einige Jahre später trafen wir uns dann in Moskau, wohin ich auf Einladung eines Studienkollegen mit meiner Frau gereist war. Doch irgendwann brach auch er jeglichen Kontakt zu mir ab.

Fabrice ist Vater von zehn Kindern; ich habe auch seine Eltern in Paris kennengelernt. Es sind bewundernswerte Menschen, traditionalistische Katholiken. Ich verurteile ihn nicht dafür, daß er sich dem Lobgesang auf Putins Regime anschließen muß. Vielleicht hat er keine Wahl, vielleicht glaubt er aber auch aufrichtig an den Mythos von Putin als Retter traditioneller Werte und Bollwerk gegen den satanischen Globalismus. Mir bleibt nur zu bedauern, daß ich einen Freund verloren habe, der mir sehr am Herzen lag. Ich empfinde ein Gefühl der Verlegenheit, wenn ich ihn zusammen mit anderen französischen Auswanderern in Moskau sehe, wie er Propaganda für ein Regime verbreitet, das durch und durch antinational und den okkulten Kräften der globalen Governance völlig unterworfen ist.

7. Juni 2016. Moskau. Russia Today organisiert ein internationales Forum für alternative Medien. An diesem Morgen traf ich Alain Soral, einen französischen Soziologen, Schriftsteller und Journalisten. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits mehrere seiner Bücher gelesen und verfolgte schon seit geraumer Zeit seine Videoauftritte im Internet. Ich stieg in den Bus ein, der alle Teilnehmer abholte, die in verschiedenen Hotels untergebracht waren, und sah Alain Soral auf dem Rücksitz sitzen, flankiert von einem jungen Mann und einer jungen Frau, die ihm zur Seite standen und aus dem Russischen übersetzten. Ich stellte mich ihm vor und erwähnte, daß ich wußte, daß er das Vorwort zu Dugins Buch „Die vierte politische Theorie“ geschrieben hatte. Außerdem erzählte ich ihm, daß ich dasselbe Buch ins Rumänische übersetzt und das Vorwort dazu verfaßt hatte. Und so unterhielten wir uns den ganzen Tag lang. Wir tauschten unsere Kontaktdaten aus und vereinbarten, daß ich ihn in Paris besuchen würde. Er lud mich zur Vorstellung seines ins Russische übersetzten Buches „Understanding the Empire“ ein, die in drei Tagen in der „Dostojewski“-Bibliothek stattfinden sollte. Ich konnte die Einladung jedoch nicht annehmen, da ich für den nächsten Tag ein Rückflugticket nach Chișinău hatte.

(Fortsetzung folgt)

PROFESSOR DUGINS AVATARE (5)

„Soft Power“ à la russe und vom Kreml-Kraken kontrollierte Dissidenz

12. November 2016. Câmpulung Muscel, Rumänien. Ein weiteres Symposium zu Ehren von Jean Parvulesco. Damals wurde das Jean-Parvulesco-Komitee gegründet. Zu diesem Zeitpunkt lernte ich auch andere französische Staatsangehörige kennen, mit denen ich später zusammenarbeiten sollte: Emmanuel Leroy und Hauptmann Pierre Plas, mit denen ich später an der Gründung des internationalen Thinktanks „Chișinău Forum“ arbeiten sollte. Hier ist der Text meiner Rede von dieser Veranstaltung: https://blogs.noi.md/ru/post/2933/.

Dezember 2016. Venedig. Wie wir im Vorfeld vereinbart hatten, versammelte sich die Kerngruppe des zukünftigen metapolitischen Projekts, des Chișinău-Forums: Constantin Parvulesco, Emmanuel Leroy, Hauptmann Pierre Plas und ich. Mehrere Tage lang trafen wir uns im Haus des orthodoxen Priesters Marcello/Nicola Madaro und an verschiedenen Orten in der Stadt. (Pater Nicola ist inzwischen verstorben.) Im Mittelpunkt der Diskussionen stand die Idee, eine antiglobalistische konzeptionelle Plattform zu schaffen, um Intellektuelle aus verschiedenen Ländern zusammenzubringen. Ich schlug vor, unsere Treffen in Chișinău, der Hauptstadt der Republik Moldau, abzuhalten. Ich nahm persönlich Kontakt zu Dugin auf und lud ihn ein, sich dieser Initiative anzuschließen. Er nahm ohne zu zögern an.

Am 13. November 2016 wurde Igor Dodon, der Favorit des Kremls, zum Präsidenten der Republik Moldau gewählt. Da ich ihn bereits seit mehreren Jahren persönlich kannte – schon seit seiner Zeit als Wirtschaftsminister –, glaubte ich, einen positiven Einfluß auf ihn ausüben zu können. Dabei ging es mir insbesondere um die Lösung des Transnistrien-Konflikts – also darum, die von Rußland kontrollierte abtrünnige Region im Osten des Landes wieder unter die Hoheitsgewalt der Republik Moldau zu bringen. Gleichzeitig hoffte ich, bestimmte wirtschaftliche Vorteile in unseren Beziehungen zu Rußland zu sichern (Gas zu angemessenen Preisen, Öffnung des Marktes für moldauische Produkte usw.). Gemeinsam entwarfen wir auch ein Höflichkeitsschreiben an das neue Staatsoberhaupt, das von Constantin Parvulesco unterzeichnet wurde. Doch letztendlich entpuppte sich der Mann, der zum Staatsoberhaupt aufstieg, als ein Niemand, der nur von seiner eigenen Karriere, seinem öffentlichen Image und dem Anhäufen von Reichtum besessen war.

5. April 2017. Bukarest. Vorstellung der Anthologie „Eurasianist Destiny“ von Aleksandr Dugin, die „Die vierte politische Theorie“, „Die Theorie der multipolaren Welt“, „Die eurasianistische Mission“, „Das Manifest der globalen revolutionären Allianz“ sowie eine Reihe von Artikeln enthält. Das Buch wurde gleichzeitig vom Verlag „Popular University Press“ in Chișinău und vom Verlag „Mica Valahie“ in Bukarest herausgegeben. Die Veranstaltung findet im Konferenzsaal der Volksuniversität „Ioan Dalles“ im Zentrum der rumänischen Hauptstadt statt. Der Saal ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Auf der Bühne stehen der Autor des Buches, Alexandr Dugin; dessen Übersetzer und Verfasser des Vorworts, Iurie Roșca; der französische Schriftsteller Constantin Parvulesco, Sohn des mystischen Philosophen Jean Parvulesco; sowie die Leiterin des Verlags „Mica Valahie“, Mariana Heroiu. Die atlantistisch orientierte Presse und die von Soros unterstützten Netzwerke gerieten in Aufruhr; die staatliche Verwaltung und die Geheimdienste wurden überrascht und konnten die Veranstaltung nicht verhindern. Der Leiter der Einrichtung, in der die Veranstaltung stattfand, versuchte, uns die Nutzung der Räumlichkeiten zu verweigern, doch man wies ihn darauf hin, daß er mit schwerwiegenden rechtlichen Konsequenzen zu rechnen hätte, da wir über einen Mietvertrag für den Saal verfügten, den er unterzeichnet und abgestempelt hatte und der im Voraus bezahlt worden war.

Dugin beeindruckte das Publikum mit seinem umfassenden Wissen über rumänische Geschichte, Kultur, Philosophie und Literatur.

Alle meine Bemühungen, Rußland und Rumänien durch einen kulturellen Dialog einander näherzubringen, stießen auf die undurchdringliche Mauer der Mainstream-Medien, die einen totalen Krieg gegen Rußland führen. Ich war der Überzeugung, daß die Republik Moldau, da sie kulturell und geopolitisch zwischen Rußland und Rumänien liegt, als goldene Brücke zwischen den beiden Ländern und Völkern dienen könnte. Zumal beide ihre religiösen und zivilisatorischen Wurzeln im östlichen Christentum, in der byzantinischen Tradition, haben. Große geopolitische Machtspiele haben jedoch zu anderen Entwicklungen in unserer Region geführt.

Sehen Sie sich die Videoversion dieser Veranstaltung an:  https://www.youtube.com/watch?v=rtf5qgkstU8.

6. April 2017. Chișinău. Buchvorstellung von „Destin eurasianist“.
Sehen Sie sich das Video an und schauen Sie sich die Fotos an:
https://www.privesc.eu/arhiva/75245/Lansarea-la-Chisinau-a-cartii-lui-Aleksandr-Dughin –Destin-Eurasianist—an-anthology-translated-by-Iurie-Rosca%20%E2%80%93%20in%20Chișinău; https://noi.md/md/news_id/216224 . https://noi.md/md/news_id/216224.

26.–27. Mai 2017, Chișinău. Das erste internationale Treffen des Thinktanks „Chisinau Forum“. Zu den Teilnehmern gehörten Alexandr Dugin, seine Tochter Daria Dugin, Hervé Juvin, Emmanuel Leroy (Frankreich), Levan Vasadze (Georgien), Pater Nicola Madaro (Italien), Kapitän Pierre Plas (Frankreich), Cristi Pantelimon (Rumänien) u. a. Auf Wunsch von Präsident Igor Dodon statteten wir ihm einen Höflichkeitsbesuch ab. Das erste Treffen gipfelte in der Verabschiedung eines Manifests mit dem Titel „Europa Maxima: Das Chișinău-Manifest“. Das Dokument konzentrierte sich auf eine traditionelle, konservative, kontinentalistische Vision und plädierte für die Entkolonialisierung Europas von der Dominanz angloamerikanischer Modelle.

4. Dezember 2017, Chișinău. Die Buchvorstellung von Hervé Juvins Werk „Die Westmauer ist nicht gefallen“ in Anwesenheit des Autors. Die Veranstaltung fand am Vorabend des internationalen Treffens im Rahmen des Chișinău-Forums statt. Redner: Igor Dodon, Präsident der Republik; Alexandr Dugin; Iurie Roșca; Hervé Juvin; Valérie Bugault; Lucien Cerise; Emmanuel Leroy.

(Sehen Sie das Video: https://www.youtube.com/watch?v=1GyHY5wQJsM)

15.–16. Dezember 2017. Die zweite Ausgabe des Chisinau-Forums. Thema: „Finanzkapitalismus und seine Alternativen im 21. Jahrhundert. Beiträge zur Vierten Wirtschaftstheorie“.
Es nahm ein breites Spektrum an Intellektuellen aus verschiedenen Ländern teil, darunter die französischen Autoren Hervé Juvin, Valérie Bugault, Ivan Blot, Emmanuel Leroy, Modeste Schwartz, Marion Sigaut, Youssef Hindi, Pierre-Antoine Plaquevent, Lucien Cerise, Slobodan Despot (Schweiz), Chris Poll (Großbritannien), Jan Myrdal (Schweden), Dimitrios Konstantakopoulos (Griechenland), Levan Vasadze (Georgien), Manuel Ochsenreiter (Deutschland), Irnerio Seminatore (Belgien), Natalia Melentyieva, Dugins Ehefrau, usw.
Sehen Sie sich das Video an: https://www.youtube.com/watch?v=Gifuba0gyJE.

2017. Einige Besuche in Paris. Dank Emmanuel Leroy und Kapitän Pierre Plas traf ich an der Volksuniversität in Chișinău eine Reihe von Autoren, deren Werke ich übersetzt hatte: Hervé Juvin, Jean-Michel Vernochet, Marion Sigaut, Ivan Blot, Lucien Cerise usw. In den folgenden Jahren kehrte ich mehrmals nach Paris zurück und knüpfte Kontakte zu den Autoren und Verlegern, die mich interessierten.

Hier ist die Liste der Bücher französischer Autoren, die vom Verfasser dieser Zeilen übersetzt, herausgegeben, mit einem Vorwort versehen und beworben wurden:

Hervé Juvin, „Die westliche Mauer ist nicht gefallen“ – 2017,

• Valérie Bugault und Jean Rémy, „Killing Plutocracy“ – 2017,

• Jean-Michel Vernochet, „Der kalte Bürgerkrieg: Republikanische Theogonie, von Robespierre bis Macron“ – 2017,

• Jean Parvulesco, „Wladimir Putin und Eurasien“ – 2017,

• Ivan Blot, „Das kolonisierte Europa“ – 2018,

• Youssef Hindi, „Die Mystik des Säkularismus“ – 2018,

• Hervé Juvin, „Die Steuerung des Begehrens“ – 2018,

• Lucien Cerise, „Neuro-Piraten“ – 2019,

• Pierre-Antoine Plaquevent, „Soros und die offene Gesellschaft“ – 2020,

• Pierre-Antoine Plaquevent, „Globalismus und Bevölkerungsrückgang“ – 2023,

• Youssef Hindi, „Covidismus und Messianismus“ – 2023,

• Valérie Bugault, „Die verborgenen Ursachen der Weltunordnung“, Band 1 und 2 – 2023.

Alle diese Bücher wurden ausschließlich von der Volksuniversität Chișinău herausgegeben. Die überwiegende Mehrheit dieser Bücher wurde in der Republik Moldau und in Rumänien kostenlos an Interessierte verteilt. Tausende von Lesern können dies bezeugen. Alle Bücher wurden öffentlich in Chișinău vorgestellt. Und nur ein kleiner Teil wurde in einigen wenigen Buchhandlungen in der Republik Moldau platziert. Die gesamte finanzielle Last trugen ich und einige enge Freunde. Mir ging es nicht um kommerziellen Erfolg, sondern um die Verbreitung von Ideen und Werten in unserem Umfeld.

Anfang 2018 hatte ich weitere Bücher in Vorbereitung, die von französischen Autoren wie Alain Soral, Marion Sigaut, Pierre Hillard und Claire Sévérac verfaßt worden waren. Doch am 28. Februar desselben Jahres erschienen 25 Staatsanwälte und Ermittler bei mir zu Hause, durchsuchten meine Wohnung und beschlagnahmten etwa 11.000 Euro, die für zukünftige Verlagsprojekte bestimmt waren. Ich wurde vom damaligen kriminellen Regime wegen meiner scharfen Kritik als Journalist exemplarisch bestraft. Das hat mich finanziell ruiniert und meine redaktionelle Arbeit für einige Jahre zum Erliegen gebracht.

Nachfolgend sind die Cover dieser Bücher zu sehen, die ich meinem Blog entnommen habe:
https://arcaluinoe.info/ro/carti/universitatea-populara/. Außerdem zeige ich die Cover der Bücher der drei Autoren, die 2023 erschienen sind und teilweise in einer Buchhandlung ausliegen:
https://librarius.md/ro/book/globalismul-si-depopularea-730416, https://librarius.md/en/book/covidism-si-mesianism-730419,
https://librarius.md/ro/esearch?search=bugault.

(Fortsetzung folgt)

PROFESSOR DUGINS AVATARE (6)

„Soft Power“ à la russe und vom Kreml-Kraken kontrollierte Dissidenz

28. Februar 2018. Hausdurchsuchung und ein neues Strafverfahren.

Am Morgen dieses Tages drangen fünfundzwanzig Staatsanwälte und Ermittler der Anti-Korruptions-Staatsanwaltschaft in meine Wohnung ein, um sie aufgrund falscher Vorwürfe der Einflussnahme zu durchsuchen. An diesem Tag erfuhr ich, daß ich den Status eines Verdächtigen hatte, der sich sehr schnell in den eines Angeklagten wandelte.

Ich beginne mit einer kurzen Einleitung. Nach einer Pressemitteilung, die Anfang März 2018 veröffentlicht wurde und die ich in mehreren Sprachen verbreitete und im Ausland veröffentlichte, erfuhren konservative Kreise, daß ich zur Zielscheibe einer strafrechtlichen Verfolgung durch das kriminelle Regime in meinem Land geworden war. Mehrere Intellektuelle aus verschiedenen Ländern gaben öffentliche Erklärungen zu meiner Unterstützung ab. Unter ihnen waren Claudio Mutti und Giulietto Chiesa (Italien), Levan Vasadze (Georgien), Aleksandr Dugin (Rußland) und einige andere. Die Informationen erreichten auch meine französischen Freunde.

Nun stelle ich fest, daß die Videoerklärung von Herrn Dugin von der Website geopolitika.ru   gelöscht wurde, sowohl die englische als auch die russische Version: https://www.geopolitika.ru/en/studio/alexander-dugin-freedom-iurie-rosca; https://www.geopolitika.ru/studio/aleksandr-dugin-svobodu-yuriyu-roshka
Die Stellungnahme von Levan Vasadze ist jedoch erhalten geblieben:
https://www.geopolitika.ru/en/article/levan-vasadze-message-moldovan-authorities-about-rosca-case.

Ich sehe, daß der Wortlaut meiner Stellungnahme ebenfalls vollständig auf derselben Website erhalten geblieben ist: https://www.geopolitika.ru/en/article/iurie-rosca-regime-preparing-send-me-prison-or-it-just-simple-error-procedure. Dort ist auch ein Interview erhalten geblieben: https://www.geopolitika.ru/en/article/interview-who-decided-jail-moldovan-opposition-journalist-and-civic-activist-iurie-rosca.

Aber alles, was mit meinem Namen zu tun hat, von den Plattformen der „Dugin-Konstellation“ zu löschen, wäre zu aufwendig und zu skandalös. Ich habe dort genügend Spuren hinterlassen. Und meine französischen Freunde haben sich damals solidarisch mit mir gezeigt.

Als pikantes Detail, das das Bild vom Rückzug von Dugins Team aus jeglicher Beziehung zu mir vervollständigt, möchte ich Folgendes anmerken: Frau Sofia Metelkina, die Assistentin des Professors, mit der ich mehrere Jahre lang sehr gut zusammengearbeitet habe und zu der ich ein freundschaftliches Verhältnis pflegte, hat mich aus ihrer Kontaktliste gelöscht. Das ging aus der Benachrichtigung hervor, die ich über Telegram erhielt.

August 2018. Ich reiste nach Moskau, um mich mit Professor Aleksandr Dugin zu treffen und gemeinsam das Programm sowie die grundlegenden Einladungen für die diesjährige Ausgabe des Chisinau-Forums abzustimmen. Ich hatte bereits seit mehreren Monaten bemerkt, daß er es vermied, mit mir zu sprechen, und nicht bereit war, sich weiter an unserem gemeinsamen Projekt zu beteiligen. Nach einigen Tagen des Wartens traf ich mich mit ihm im Hauptquartier der Eurasianistischen Bewegung in seinem Büro. Der Professor zögerte und suchte nach Ausreden, um eine weitere Beteiligung an der Arbeit des Chisinau-Forums zu vermeiden. Er fragte mich nach meinen Beziehungen zu Igor Dodon, Putins Handlanger als Staatsoberhaupt, der jedoch in Wirklichkeit unter der Kontrolle des moldauischen Oligarchen Vladimir Pahotniuc steht.

Ich sagte ihm, daß ich keine Beziehungen mehr zu ihm habe, da er sich als korrupt und unseren nationalen Interessen feindlich gesinnt erwiesen habe. Dugin meinte, daß in diesem Fall die Delegierten, die bei den vorherigen Treffen anwesend waren, nicht kommen wollten, da sie nicht von der Aufmerksamkeit des Staatsoberhaupts profitieren würden. Danach fragte er mich, wie die gegen mich als Angeklagten gerichtete strafrechtliche Untersuchung voranschreite. Ich sagte ihm, daß die Lage sehr schwierig sei und ich höchstwahrscheinlich verurteilt werden würde. Daraufhin meinte der Professor, daß ein mögliches Großereignis meine Situation verschlimmern könnte. Gerede. Das war mir egal. Und diese Tatsache diente ihm als Vorwand, sich aus unserer gemeinsamen Tätigkeit zurückzuziehen. So verpasste ich die Organisation der Ausgabe 2018 des Chisinau-Forums.

Nachdem ich also begonnen hatte, Putins Vertreter im Amt des Präsidenten der Republik Moldau, Igor Dodon, scharf zu kritisieren – der sich als korrupter Mann und Untergebener der wichtigsten Mafia unseres Landes, Vladimir Plahotniuc, entpuppte –, wagte Professor Dugin es nicht mehr, persönlich an den folgenden Treffen des Chisinau-Forums teilzunehmen. Er schickte seine Tochter Daria, die zwar eine bemerkenswerte Persönlichkeit ist, aber die Abwesenheit ihres Vaters nicht ausgleichen konnte. Und diese Situation bestätigt einmal mehr, daß Dugin gezwungen war und ist, den staatlichen Behörden eine gewisse Art von Gehorsam zu erweisen. Vielleicht ist eine solche Haltung im heutigen Rußland verständlich. Gehorsam im Austausch für persönliche Sicherheit – darum könnte es gehen.

(Fortsetzung folgt)

PROFESSOR DUGINS AVATARE (7)

„Soft Power“ à la russe und vom Kreml-Kraken kontrollierte Dissidenz

28. Februar – 6. März 2019. Besuch in Syrien als Teil einer Delegation europäischer Intellektueller.

Irgendwann erhalte ich eine E-Mail von einer mir unbekannten Person, die sich als Arno Develay vorstellt, ein französischer Anwalt, der in den USA studiert hat. Er teilt mir mit, daß er mich gegen ein Honorar von mehreren tausend Euro als Strafverteidiger vor Gericht vertreten möchte. Ich bedankte mich höflich bei ihm, lehnte jedoch ab, da meine finanzielle Lage zu dieser Zeit erbärmlich war. Doch kurz darauf erhalte ich eine zweite Nachricht von derselben Person, in der er mir mitteilt, daß er bereit sei, auf eigene Kosten nach Chișinău zu kommen, um mich fachlich zu unterstützen. Und so kam es auch. Arno Develay traf in Chisinau ein, nahm an einer Gerichtsverhandlung teil, und am Abend desselben Tages organisierte ich eine öffentliche Veranstaltung, bei der mein Anwalt aus Moldawien, Iulian Rusanovschi, und der Anwalt aus Paris, Arno Develay, als „schwere Artillerie“ das Wort ergreifen sollten, um zu zeigen, daß es sich um ein auf politischen Befehl des Regimes hin gefälschtes Verfahren handelte. Doch zu meiner Überraschung und der des Publikums hielt der moldauische Anwalt zwar eine brillante Rede, während mein neuer französischer Verteidiger völlig blockiert wirkte, in Gedanken versunken und unfähig, irgendetwas Kohärentes zu formulieren. Als hätte ihn jemand vor dieser Veranstaltung eingeschüchtert.

Nach einer Weile kam Arno Develay erneut aus Chișinău, diesmal mit einem völlig überraschenden Vorschlag. Er schlug vor, daß wir eine Gruppe von Intellektuellen organisieren sollten, um eine Reise nach Syrien zu unternehmen – als Zeichen der Solidarität mit dem Kampf der Bevölkerung dieses Landes gegen die zionistischen Aggressoren. Ich stimmte sofort zu. Dann wurde mir klar, daß Arno niemanden aus den französischen Dissidentenkreisen kannte. Ich kontaktierte eine Reihe von Freunden in Paris sowie Aleksandr Dugin. Der Professor aus Moskau lehnte ab, entsandte jedoch stattdessen seine Tochter Daria, die gerade dabei war, nach Paris zu ziehen. Einige Tage später trafen sich Arno und Daria sowie mehrere Autoren aus der französischen Dissidentenbewegung in Paris. Dabei kam auch eine für mich neue Person ins Spiel, namens Adnan Azzam, ein syrischer Schriftsteller, der seit etwa 30 Jahren in Frankreich lebte. So kam unsere Delegation zustande. Zu den Franzosen, die an dieser Reise teilnahmen, gehörten Jean-Michel Vernochet, Youssef Hindi, Lucien Cerise, Emmanuel Leroy, sein Sohn Eric, Arno Develay sowie Adnan Azzam als Teamleiter und Reiseführer, ein italienischer Journalist, dessen Name mir gerade nicht einfällt, Daria Dugin und ich.

Wir trafen uns alle in Beirut, wo wir an einer Fernsehsendung teilnahmen, die von einem berühmten libanesischen Journalisten und Schriftsteller organisiert wurde, dessen Name mir gerade nicht einfällt. Obwohl wir täglich sehr ausführliche Berichte verfaßten, habe ich keinen Zugriff auf das Archiv unserer Website www.flux.md, auf der wir alle Materialien zu diesem Besuch veröffentlicht hatten, da diese zusammen mit meinem Blog www.iurierosca.md im Jahr 2022 auf Anordnung des Direktors des moldauischen Geheimdienstes gesperrt wurde.

Es folgte die Grenzüberquerung nach Syrien in einem Kleinbus und anschließend die Unterbringung in Damaskus. Wir wurden auf höchster Ebene empfangen, hatten eine ganze Reihe von Treffen mit regionalen Amtsträgern, trafen uns in zahlreichen Städten – Tartus, Latakia, Aleppo und anderen – in riesigen Sälen mit Tausenden von Teilnehmern mit der Öffentlichkeit, hielten eine Veranstaltung in einem riesigen Saal in Damaskus ab usw. Wir reisten mehrmals mit dem Flugzeug zwischen den Städten des Landes hin und her, obwohl der Luftraum amerikanischen Sanktionen unterlag. Alles wurde von der syrischen Regierung organisiert. Und wieder nahmen wir an verschiedenen Fernsehsendungen teil, an Gesprächen mit Menschen aus ländlichen Gegenden, mit dem Militär und mit Vertretern der christlichen Gemeinschaft. Der Höhepunkt dieser Veranstaltungsreihe war das Treffen mit dem Präsidenten der Republik, Bashar al-Assad.

Das Gespräch dauerte über zwei Stunden, und der syrische Staatschef hinterließ bei uns den Eindruck eines kultivierten Intellektuellen und eines herausragenden Politikers. Obwohl sich das Land mitten im Krieg befand, blieb Assad völlig gelassen. Der offizielle Fotograf machte zwar zahlreiche Aufnahmen, doch nach diesem Treffen wurde keine offizielle Erklärung abgegeben. Uns war es aus Sicherheitsgründen untersagt, Fotos zu machen. Dugin rief Daria jeden Tag an. Er machte sich Sorgen um sie. Das war ganz natürlich. Ich beruhigte ihn und versicherte ihm, daß ich mich um sie kümmern würde. Was danach folgte, ist allgemein bekannt. Das Putin-Regime, das von zionistischen Netzwerken versklavt ist, verriet Syrien und machte damit den Weg frei für Israel und die Türkei, dieses Land zu zerreißen. Die Völkermorde und unaussprechlichen Gräueltaten erschütterten die ganze Welt. Doch keiner meiner französischen Freunde zeigte auch nur die geringste kritische Geste gegenüber der Kreml-Regierung und lobte weiterhin den falschen Retter Putin.

Der Werdegang von Arno Develay – ein Thema, auf das wir noch zurückkommen werden – ist faszinierend. Vor einigen Jahren, im Jahr 2024, kam er als internationaler Jurist und politischer Berater nach Moskau, um als Wahlbeobachter bei der Präsidentschaftswahl zu fungieren. Was folgte, war eine zutiefst unehrenhafte und zynische Wahlfarce, die – zum fünften Mal – zum Sieg desselben Putin führte. Dennoch war unser Rechtsexperte begeistert davon, zu beobachten, wie fair und demokratisch diese Wahlen angeblich waren. Von diesem Zeitpunkt an ließ sich Arno Develay dauerhaft in Moskau nieder, schloss sich den zahlreichen Reihen der Kreml-Propagandisten an und trat regelmäßig bei „Russia Today“ sowohl auf Englisch als auch auf Französisch auf. Einmal bot er mir sogar an, mich bei den großen Moskauer Fernsehsendern zu promoten. Ich sagte ihm, das sei unmöglich, da meine Ansichten von der offiziellen Linie des Regimes abwichen. Als er vorschlug, ich solle mich darauf beschränken, den Westen zu kritisieren, antwortete ich, daß eine solche Haltung für mich inakzeptabel sei.

Wer ist Arno Develay letztendlich? Ein Abenteurer, der sein Leben nach eigenem Vergnügen gestalten will? Ein Agent eines Geheimdienstes, der zunächst französische Dissidentenkreise infiltrierte, bevor er in die russische Hauptstadt zog? Ich weiß es nicht. Doch die Rolle eines Söldners im Dienste eines kriminellen, antinationalen Regimes ist kaum schmeichelhaft. Ein kurzer Blick ins Internet zeigt, wie wohl er sich in der Gesellschaft anderer „illustrer“ französischer Dissidenten fühlt – Persönlichkeiten, die in ihrer durchaus berechtigten Kritik am kollektiven Westen so tugendhaft sind, gleichzeitig aber in ihrer Verehrung der heutigen russischen Kolonialverwaltung so unterwürfig.

23. März 2019. Lille, Frankreich. Eine vom Ortsverband des Vereins „Égalité et Réconciliation“ organisierte Konferenz, an der ich gemeinsam mit Robert Steuckers teilnahm. Antony Bonamy, der Herausgeber von „Culture & Racines“, reiste mit mir aus Paris an. Ich kann weder die vollständige Videoversion noch den Text meiner eigenen Rede veröffentlichen, da meine Website (www.flux.md) und mein persönlicher Blog im Jahr 2022 auf offiziellen Befehl des Direktors des moldauischen Geheimdienstes und Sicherheitsdienstes mit der Begründung gesperrt wurden, sie wichen von der „politischen Korrektheit“ ab. Ich habe nun einen Beitrag auf der „E&R“-Website gefunden, der nur die Audioversion und die Rede von Robert Steuckers enthält; vermutlich war für meine Rede kein Speicherplatz mehr vorhanden: 
http://www.ekouter.net/moldavie-la-virgule-euro-russe-avec-robert-steuckers-et-iurie-rosca-pour-e-r-a-lille-4940. Allerdings habe ich meine Rede auf YouTube gefunden, ebenfalls von „E&R“ veröffentlicht: https://www.youtube.com/watch?v=4YUaeciMSG8.

(Fortsetzung folgt)


PROFESSOR DUGINS AVATARE (8)

„Soft Power“ à la russe und vom Kreml-Kraken kontrollierte Dissidenz 

20.–21. September 2019. Jahrestagung im Rahmen des Chisinau-Forums. Thema: „Jenseits des unipolaren Moments: Perspektiven für eine sich abzeichnende multipolare Welt“.

Zu den Teilnehmern gehörten Marion Sigaut, Lucien Cerise, Youssef Hindi, Pierre-Antoine Plaquevent, Arno Develay, Antony Bonamy (Frankreich), Gilles-Emmanuel Jacquet (Schweiz), Irnerio Seminatore (Belgien), Daria Dugin, Sofia Metelkina (Rußland), David Shahnazaryan (Armenien), Marvin Atudorei, Paul Ghițiu, Ovidiu Hurduzeu, Clement Sava (Rumänien), Alexander Markovics (Österreich), Konrad Rękas (Großbritannien) usw.

21. September 2019. Im Rahmen der Veranstaltung wird die rumänische Ausgabe von drei Büchern der französischen Autoren Lucien Cerise, Pierre-Antoine Plaquevent und Youssef Hindi vorgestellt.

24. Januar 2020. Bukarest. Präsentation von Lucien Cerises Buch – „Neuro-Piraterie. Reflexionen über Social Engineering“ – unter Beteiligung des Autors. Ich habe Lucien königlich empfangen. Herzhafte Mahlzeiten, Ausflüge, Autofahrten. Die Veranstaltung selbst war ein Erfolg. Obwohl die unsichtbaren Netzwerke des Deep State alles in ihrer Macht Stehende taten, um sie zu vereiteln. Und die Mainstream-Presse tat ihre Pflicht, indem sie mich verunglimpfte, was seit vielen Jahren zur Pflicht geworden ist. Sehen Sie sich unten die Videoaufzeichnung dieser Veranstaltung an: https://www.youtube.com/watch?v=_9VczDUUCf8.

Im Zusammenhang mit der Organisation der Buchvorstellung von Lucien Cerise ist eine bezeichnende Situation zu erwähnen. Solche Situationen habe ich mit meinen Freunden in Rumänien schon mehrmals erlebt. Zu den wenigen Personen, die die Veranstaltung vorbereitet hatten, gehörten meine damaligen Freunde Ovidiu Hurduzeu und Paul Ghițiu. Da wir uns beide schon seit mehreren Jahren kannten, beide an der Ausgabe 2019 des Chișinău-Forums teilgenommen hatten und sie schon bei mir zu Gast gewesen waren und ich bei ihnen, schien es mir, als wären wir Freunde fürs Leben. Doch am Tag der Veranstaltung fehlten beide bei der Anwesenheitskontrolle. Sie waren einfach verschwunden. Als hätte eine unsichtbare Hand sie mir entrissen. Mein Eindruck war, daß die Drahtzieher aus den Geheimdiensten, die den globalistischen Kommandozentralen angehören, am Werk waren. Bei unserer Rückkehr in die Republik Moldau hielt uns die Grenzpolizei misstrauisch mehrere Stunden lang fest. Vor mir war niemand, und ich hatte meine Pässe am Kontrollpunkt vorgelegt, doch der Beamte hinter dem Fenster telefonierte immer noch mit jemandem. Irgendwann stieg ich aus dem Auto und fragte ihn, was los sei. Der Beamte erhob seine Stimme, befahl mir, wieder ins Auto zu steigen, und schlug das Fenster zu. Bald sollte ich verstehen, was vor sich ging.

29. Februar 2020. Chișinău. Buchvorstellung von „Soros und die offene Gesellschaft. Die Metapolitik des Globalismus“ von Pierre-Antoine Plaquevent. Siehe: https://moldova-suverana.md/article/eveniment-editorial-de-exceptie-deconspirarea-mafiei-soros_30652. Es war die letzte öffentliche Veranstaltung, die ich bis zum Ausbruch der vorgetäuschten Covid-19-Pandemie organisiert habe.

5. März 2020. Bukarest. Buchvorstellung meines Buches „Das nationale Interesse als Modus Vivendi“. Und wieder Stigmatisierung in der Mainstream-Presse, Versuche, die Veranstaltung zu vereiteln, Einschüchterung einiger Personen, die ich gebeten hatte, über dieses Buch zu sprechen (https://www.youtube.com/watch?v=WSVFeJZl89Y). Es war meine letzte Einreise nach Rumänien vor dem mir 2021 auferlegten Einreiseverbot. Am 14. August 2021 erfuhr ich, daß ich in Rumänien, wo ich schon hunderte Male gewesen war, zur persona non grata geworden war. Ich gehe davon aus, daß die Strafe verhängt wurde, nachdem das von den mit westlichen Machtzentren verbundenen Geheimdiensten kontrollierte System meine öffentlichen Auftritte als „politisch inkorrekt“ eingestuft hatte.

11. März 2020. Die WHO erklärt Covid-19 offiziell zur Pandemie.

Alle drakonischen und freiheitsfeindlichen Maßnahmen werden im Rahmen der globalistischen Strategie verhängt, die auf Entvölkerung, genetische Manipulation und die Errichtung einer technokratischen und transhumanistischen Tyrannei abzielt. Alle, aber wirklich alle Intellektuellen in unserem riesigen internationalen Anti-System-Netzwerk sind in einen erbitterten Kampf gegen die biologische und technologische Kriegsführung der dämonischen Kräfte hinter dieser gewaltigen Operation verwickelt. Die berüchtigte und verdächtige Ausnahme bildet Professor Aleksander Dugin und sein Team von Eurasianisten. Dugin verfaßt verschiedene Artikel und gibt Interviews zu den anspruchsvollsten philosophischen Themen, vermeidet es jedoch, diese riesige und finstere Farce, die darauf abzielt, die gesamte Menschheit zu vernichten, zu entlarven. Schlimmer noch: Einmal taucht er auf seinen Social-Media-Konten mit einer Maske im Gesicht auf, die zudem mit dem offiziellen Wappen Russlands, dem doppelköpfigen Adler, verziert ist. Da er jedoch schwerer zu erreichen war – meine Kommunikation lief meist über Daria und Dugins Assistentin Sofia Metelkina –, wandte ich mich sofort an Daria. Zu meiner großen Überraschung stellte ich fest, daß auch sie auf ihrem Telegram-Konto ein Foto von sich mit Maske gepostet hatte.

Ich fragte sie, was geschehen sei und warum sie Teil dieser makabren Maskerade seien. Doch Daria antwortete mir mit besorgter Stimme, daß diese Pandemie kein Scherz sei und daß viele ihrer Freunde bereits gestorben seien und andere schwer erkrankt seien. Da wurde mir klar, daß Dugin und sein Umfeld zu bewußten oder unbewußten Gefangenen des vorherrschenden Diskurses geworden waren, der auch Rußland erfaßt hatte. Die offizielle Propaganda hatte einen totalen psychologischen Krieg entfesselt und Panik und Angst in der kollektiven Psyche geschürt. Die Staatsverwaltung hatte alle globalistischen Richtlinien, die über die WHO diktiert wurden, eifrig umgesetzt. Und Präsident Putin war einige Male in der Öffentlichkeit aufgetreten; genau wie andere Staatschefs aus westlichen Ländern war er wiederholt auf allen Fernsehsendern zu sehen und demonstrierte durch das Vortäuschen von Impfungen sein Bekenntnis zu einer genozidalen Politik.

Schlimmer noch: Putin geriet in die undankbare Rolle eines Werbeträgers für den Impfstoff „Sputnik V“ und drängte die Bevölkerung dazu, sich massenhaft impfen zu lassen. Alle Beschäftigten des öffentlichen Dienstes, Lehrer, medizinisches Personal, Militärangehörige, Studenten usw. wurden zu Impfungen gezwungen. Die gesamte Operation zur genetischen Manipulation wurde unter der Leitung einer finsteren Gestalt namens Alexander Gintsburg durchgeführt, dem Leiter des Gamaleya-Forschungszentrums, den Putin für besondere Verdienste beim Massenmord an seinen eigenen Bürgern mit den höchsten staatlichen Auszeichnungen ehrte. Wir gehen nicht näher auf die Nationalität dieses tapferen Helden des russischen Volkes ein, der – rein zufällig – demselben Stamm angehört wie alle Führungskräfte der großen Pharmaunternehmen.

Gerade in dieser äußerst schwierigen Zeit wurde mir voll und ganz bewußt, daß alle Länder der Welt von ein und demselben Machtzentrum aus gesteuert werden und daß Multipolarität und die BRICS-Staaten als Alternative zum Westen nichts anderes sind als riesige Strategien zur Manipulation der Massen in den Ländern des globalen Südens. Die wenigen afrikanischen Staatschefs, die sich der offiziellen WHO-Linie widersetzten, wurden im Zeitraum 2020–2021 beseitigt.
Natürlich habe ich eine Vielzahl von Artikeln geschrieben und eine Reihe von Videos veröffentlicht, in denen ich das kriminelle Regime in Moskau scharf kritisiert habe.
Die schockierende Wirkung der vorgetäuschten Covid-19-Pandemie hatte den Vorteil, daß sie viele Menschen auf der ganzen Welt zur Realität erweckte. In dieser Zeit habe ich öffentlich Folgendes erklärt:

“Die Lehre aus der Sonderoperation ‚Covid-19‘ läß sich auch so formulieren: DAS ENDE DER KLASSISCHEN GEOPOLITIK.”

Und doch: Was geschah mit Dugin während dieser für das russische Volk – wie auch für alle anderen Völker der Welt – tragischen Zeit? Warum schwieg er? Warum engagierte er sich nicht im Kampf um die Wahrheit? Aus Naivität? Aus Angst? Aus bestimmten Verpflichtungen gegenüber dem „Deep State“?

Die freiheitsfeindlichen Maßnahmen, die unter dem Vorwand der vorgetäuschten Pandemie verhängt wurden, aber auch die Vielzahl von Problemen im Zusammenhang mit strafrechtlichen Verfolgungen hinderten mich daran, die jährlichen Treffen des Chisinau-Forums zu organisieren. So gingen die Jahre 2020, 2021 und 2022 in dieser Hinsicht verloren. Doch nach einer Weile kehrte ich mit voller Kraft zurück.

(Fortsetzung folgt)

PROFESSOR DUGINS AVATARE (9)

„Soft Power“ à la russe und vom Kreml-Kraken kontrollierte Dissidenz


24. Februar 2022. Der Beginn der russischen Militärintervention in der Ukraine.

In unserem antiglobalistischen und konservativen Lager verurteilten alle den von den Amerikanern inszenierten Staatsstreich von 2014 in Kiew. Genauso wie wir die Terrorisierung der russischsprachigen Bevölkerung in der Ostukraine durch das Kiewer Regime verurteilten. Viele von uns akzeptierten den Beitritt der Krim zu Rußland. Doch wir konnten nicht mehr nachvollziehen, warum die Donbass-Region im Stich gelassen wurde, nachdem Moskau die Referenden über den Beitritt der Regionen Donezk und Luhansk zu Rußland inszeniert hatte, und die Bevölkerung dort acht Jahre lang sich selbst überlassen wurde.
Einige von uns, darunter auch ich (aus einer glaubwürdigen Quelle in Moskau, einem Professor und Soziologen), glauben, daß alle Anführer des „russischen Frühlings“ nicht vom Kiewer Regime, sondern auf Geheiß des Kremls getötet wurden. Wladislaw Surkow weiß, warum. Zu ihnen gehören Alexej Mosgowo, Arsen Pawlow („Motorola“), Michail Tolsach („Givi“), Pawel Dremow („Batia“), Jewgeni Ischtschenko („Malasch“) und andere. Sie waren zu charismatisch und zu unabhängig gegenüber dem Polizeiregime in Moskau. Und Mozgovoy gab eine Reihe von Interviews und hinterließ ein Tagebuch, in dem er gestand, daß dieses Massaker von den Israelis inszeniert wird, um möglichst viele Opfer zu provozieren. Die Kernaussagen dieses Helden: „Während wir, Brüder im Blut und im Glauben, uns gegenseitig umbringen, sprechen unsere Befehlshaber auf beiden Seiten der Front Hebräisch. Ich bin froh, daß die Welt bereits begriffen hat, daß die Macht in Kiew von den Zionisten kontrolliert wird. Aber es tut mir leid, daß bisher nur sehr wenige erkannt haben, daß auch in Moskau die Macht in den Händen der Zionisten liegt.“

Ich habe die seltsamen Verhandlungen in Minsk am 5. September 2014 und am 12. Februar 2015 nicht verstanden und nicht begrüßt.

Nachdem es den russischen Militäreinheiten gelungen war, bis vor die Tore Kiews vorzudringen, und sie bereit waren, die Hauptstadt der Ukraine schnell und ohne größere Verluste zu erobern, gab Putin den Befehl zum Rückzug. So verwandelte sich ein bevorstehender Sieg aufgrund des Verrats des Oberbefehlshabers in eine Niederlage. Die Regionen Kiew, Tschernigow, Sumy, Charkiw und anschließend Cherson wurden aufgegeben, ebenso wie die strategische Festung, die Stadt Cherson. Der Grund: der Verrat des Oberkommandos. Es gibt keine rationale Erklärung für die Entscheidung der Kreml-Behörden vom 30. September 2022, vier Regionen in den östlichen Gebieten der Ukraine der Russischen Föderation anzuschließen, die nicht (keine einzige davon!) unter der vollständigen Kontrolle der russischen Behörden stehen. Es handelt sich um die Regionen Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson.

Unzählige Male wurden Kriegsgefangene, die zu den grausamsten Killertruppen gehörten, auf Betreiben von Schlüsselfiguren dieses Krieges freigelassen, wie beispielsweise dem jüdischen Oligarchen Roman Abramowitsch, der zwischen London und Moskau hin- und herpendelt, wann immer der Rothschild-Clan eine kapitulierende Botschaft für Putin hat.

Auch die zweifelhaften und wiederholten Verhandlungen in Istanbul zwischen der russischen und der ukrainischen Seite, bei denen der Chefunterhändler Roman Abramowitsch stets anwesend war, konnte ich nicht nachvollziehen. Ebenso seltsam sind die russisch-amerikanischen Verhandlungen, insbesondere wenn sie von zwei prominenten Mitgliedern der fundamentalistischen jüdischen Sekte Chabad Lubawitsch geleitet werden: Steve Witkoff und Jared Kusher (auf US-Seite) sowie einem weiteren Anhänger derselben Sekte auf russischer Seite, Kirill Dimitriev.

Nicht weniger seltsam ist die Ernennung von Sergej Kirijenko (Israitel), der Nummer 2 in der Präsidialverwaltung und Putins potenziellem Nachfolger, zum Verantwortlichen für die „befreiten Gebiete“.

Wir verstehen nicht, warum russische Generäle und patriotische Aktivisten am laufenden Band getötet werden, ohne daß Moskau symmetrische Maßnahmen ergreift. Weder die mangelnde Mobilisierung von Wirtschaft und Gesellschaft für die Bedürfnisse des Krieges noch die Tatsache, daß immer mehr strategische Betriebe und Wohngebäude tief im russischen Hinterland brennen, lassen sich mit normaler Logik erklären.

Die Fragen ließen sich fortsetzen. Tatsache ist, daß das Moskauer Regime während viereinhalb Jahren Krieg seine völlige Unfähigkeit unter Beweis gestellt hat, mit dieser Situation fertig zu werden. Oder besser gesagt: Es handelt sich um Verrat an der Spitze.Doch die Propagandisten der internationalistischen Clique, die sich um Dugin als Fahnenträger eines unbesiegbaren und großen Russlands geschart haben, schämen sich nicht, weiterhin feige und heuchlerisch ein Regime zu preisen, das sein eigenes Land zerstört.

20. August 2022. Die Ermordung von Daria Dugin.

Am Morgen des Sonntags, dem 20. August 2022, als ich von der Heiligen Liturgie zurückkehrte, fand ich meine Frau und andere Verwandte mit Tränen in den Augen vor. Ich hatte die schreckliche Nachricht erfahren, daß Daria am Vorabend getötet worden war. Ich ging in meine Bibliothek und nahm nacheinander zwei Videos auf, eines auf Russisch und eines auf Rumänisch. Dann verfasste ich einen Text auf Französisch und Englisch. All diese Materialien sind auf meinem Telegram-Kanal zu finden: https://t.me/iurierosca. Ich präsentiere Ihnen hier die Texte auf Englisch und Französisch, die ich in diesen tragischen Momenten verfaßt habe: https://telegra.ph/To-Kill-Dugin-The-massacre-of-innocents-and-the-geopolitics-of-anti-Russian-terrorism-08-21; https://telegra.ph/Tuez-Douguine-Le-massacre-dinnocents-et-la-g%C3%A9opolitique-du-terrorisme-anti-russe-08-21 .
Ich habe diese Unterlagen an mehrere Personen aus dem Umfeld von Professor Dugin geschickt, darunter Valery Korovin, Leonid Savin, Sofia Metelkina und wahrscheinlich auch an Fabrice Sorlin. Aber soweit ich mich erinnere, hat mir niemand geantwortet, weder damals noch später.    
Natürlich könnte es sein, daß alle unter Schock standen. Aber ich kann mich nicht daran erinnern, daß diese Texte auf der Hauptwebsite dieser Gruppe https://www.geopolitika.ru/ veröffentlicht wurden. Wenn ich mich recht erinnere, hatte ich mich in den Machtkreisen Moskaus offenbar so unbeliebt gemacht, daß es selbst in einem so tragischen Moment sinnvoller erschien, jegliche Verbindung zu meinem Namen zu vermeiden. Selbst mein Beileid wurde nicht mehr angenommen.

Fast ein Jahr später, im Mai 2023, nach den Osterfeiertagen, bemerkte ich, daß sich Natalia Melentyieva bei Telegram angemeldet hatte, und beschloß, ihr zwei einminütige Videonachrichten zu schicken, in denen ich mich nach ihrem Befinden erkundigen und ihr noch einmal mein Beileid aussprechen wollte. Übrigens war es Daria gewesen, die mir beigebracht hatte, wie man einminütige Videonachrichten verschickt. Doch Natalia, zu der ich seit mehreren Jahren ein herzliches Verhältnis hatte, sah beide Nachrichten, antwortete jedoch nicht. Vielleicht war mein Fehler, daß ich ihr zuvor eine Reihe meiner Texte und Videos geschickt hatte, in denen ich das Putin-Regime kritisierte. Ich kann also nur vermuten. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder gefiel der Dame meine kritische Haltung nicht, oder elementare Vorsicht veranlasste sie dazu, jeglichen Kontakt mit jemandem zu vermeiden, der es wagt, das Kreml-Regime zu entlarven. (Fortsetzung folgt)


PROFESSOR DUGINS AVATARE (10)

„Soft Power“ à la russe und vom Kreml-Kraken kontrollierte Dissidenz

29. April 2023. Globale Konferenz zur Multipolarität.

An diesem Tag organisierte die Eurasianistische Bewegung in Zusammenarbeit mit dem Moskauer Außenministerium eine groß angelegte, ganztägige Veranstaltung, an der eine beeindruckende Anzahl von Referenten teilnahm. Siehe den Link: https://www.geopolitika.ru/en/news/global-conference-multipolarity-invitation-viewers. Ich war zutiefst überrascht, als mich jemand aus dem Team von Professor Dugin (ich glaube, es war Leonid Savin) kontaktierte und mich bat, bei diesem internationalen Treffen zu sprechen. Wahrscheinlich in dem Bestreben, Vertreter möglichst vieler Länder unter den Rednern zu haben, zeigten die Organisatoren einen Mangel an ideologischer Wachsamkeit und luden jemanden ein, der bereits aus seinen multipolaristischen Träumereien erwacht war.
Mir wurde mitgeteilt, daß ich höchstens 5–6 Minuten Zeit hätte. Ich nahm die Einladung gerne an und bereitete meinen Text in vier Sprachen vor: Rumänisch, Russisch, Französisch und Englisch. Die Veranstaltung wurde live auf der Plattform VK übertragen. Die Hauptredner waren Sergej Lawrow, Außenminister, Maria Sacharowa, Sprecherin des Außenministeriums, und Alexander Dugin, Anführer der eurasischen Bewegung. Ihre Reden sowie die einer Reihe eher exzentrischer Persönlichkeiten aus verschiedenen Ländern der Welt konzentrierten sich darauf, den Siegeszug der Multipolarität zu verherrlichen, der sich trotz der Machenschaften des amerikanischen Imperialismus weltweit durchsetzen würde. Der optimistische Ton der Redner erinnerte mich an die Sowjetzeit, an Parteikundgebungen und Reden über die strahlende Zukunft.

Doch nun war ich an der Reihe. Ich wußte, daß ich mit einer dissonanten Note auftrat, aber ich mußte meine Worte so wählen, daß ich nicht Gefahr lief, unterbrochen zu werden, ohne meinen Beitrag zu Ende bringen zu können. Im Folgenden gebe ich den vollständigen Text der damaligen Rede wieder:

„DER GROSSE RESET UND DAS ENDE DER KLASSISCHEN GEOPOLITIK

Anmerkungen zur Internationalen Konferenz über Multipolarität.

Iurie Roșca, Republik Moldau.

Liebe Freunde, in den letzten Jahren, genauer gesagt seit Februar–März 2020, begann ich mich zu fragen, ob wir nicht voreilig behauptet hatten, daß der ‚unipolare Moment‘ der Vergangenheit angehöre und der Triumph der Multipolarität im Gange sei.

Der erste Alarmruf, der mich aufhorchen ließ, war die Covid-19-Plandemie. Die Tatsache, daß alle Länder absolut einheitlich reagierten und die von der WHO diktierte offizielle Darstellung übernahmen, ist der Beweis für einen allgemeinen Gehorsam. Das eigentliche Ziel dieser Operation ist die Entvölkerung. Gleichzeitig führte der kontrollierte Zusammenbruch der Weltwirtschaft durch Lockdowns zur größten Vermögensumverteilung von der Mittelschicht hin zur weltweiten Oligarchie.

Die alternativen Medien berichteten von nur fünf Fällen, in denen hochrangige Würdenträger sich gegen die vorgetäuschte Pandemie stellten: vier afrikanische Staatschefs und der Präsident von Haiti. Und alle fünf starben plötzlich. Hier sind diese Fälle:

Pierre Nkurunziza, Präsident der Republik Burundi, 8. Juni 2020, Herzinfarkt;

Ambrose Mandvulo Dlamini, Premierminister von Eswatini (Swasiland), 13. Dezember 2020 Diabetes, Covid-19;

Hamed Bakayoko, Premierminister der Elfenbeinküste, 11. März 2021, Krebs;

John Magufuli, Präsident von Tansania, 17. März 2021, Herzversagen;

Jovenel Moïse, Präsident von Haiti, am 7. Juli 2021 von einer Gruppe von Söldnern ermordet.

 Die Staats- und Regierungschefs aller anderen Länder verhielten sich etwas vernünftiger als die fünf oben genannten. Sie zogen es vor, ihr eigenes Leben zu retten, auch wenn dies das Massaker an ihrem eigenen Volk bedeutete. Und die WHO hat ihre volle Entscheidungsfähigkeit unter Beweis gestellt und sich als Instrument der Weltregierung präsentiert.

Im Sommer 2020 veröffentlichte der Präsident des WEF, Klaus Schwab, das Buch ‚Covid-19: The Great Reset‘. Dieses Buch liefert den Schlüssel zum Verständnis der Rolle, die die Covid-19-PLandemie als historischer Beschleuniger spielt, deren Aufgabe es ist, die Errichtung der Neuen Weltordnung zu beschleunigen.

Der zweite wichtige Faktor, der sich in den letzten Jahren weltweit ausgebreitet hat, ist die 5G-Technologie. Wir haben es hier mit einer weiteren Massenvernichtungswaffe zu tun, die zugleich der totalen Kontrolle dient, einschließlich der vollständigen Kontrolle von Geist und Verhalten. Und wieder einmal sind alle Länder gleichermaßen auf dasselbe Weltprojekt ausgerichtet. Dystopien präsentieren sich heute als sich selbst erfüllende Prophezeiungen oder als vorausschauende Programmierung.

Der dritte Faktor, der die gemeinsame Agenda aller Länder bestimmt, ist die Durchsetzung des Modells einer bargeldlosen Gesellschaft. CBDC steht kurz vor der flächendeckenden Einführung. Das Ende der menschlichen Freiheit ist also unsere gemeinsame, sehr nahe Zukunft.

Der vierte Faktor ist die Durchsetzung elektronischer Dokumente. All dies wird zunächst über spezielle Apps auf Mobiltelefonen umgesetzt und in naher Zukunft über Chips, die in den menschlichen Körper implantiert werden.

Der fünfte Faktor: Smart Cities, Smart Things, Smart Bodies. Die Technolatrie ist zur Obsession der ganzen Welt geworden. So sind wir heute hilflose Zeugen der totalen Digitalisierung der Welt. Das Ende der Privatsphäre und die Errichtung eines weltweiten digitalen GULAGs sind nur noch einen Schritt entfernt.

Der sechste Faktor, der durch die UNO durchgesetzt wird, ist der Mythos des Klimawandels oder der Schwindel der ‚globalen Erwärmung‘. Es ist ein weiteres gemeinsames Element, das die Welt nach derselben Matrix umgestaltet.

Heute erscheinen Begriffe wie „erweiterter Mensch“ und „erweiterte Realität“ nicht mehr als etwas Albtraumhaftes. Auch hier verschwinden alle konzeptionellen Unterschiede, und die Länder konkurrieren nur noch um die schnellstmögliche Einbindung in die „neue Normalität“.

Und da alle Länder der Welt dieselbe gemeinsame Agenda umsetzen, habe ich die neue internationale Realität ‚DAS ENDE DER KLASSISCHEN GEOPOLITIK‘ genannt. Mit anderen Worten: Es ist offensichtlich, daß es nur ein einziges weltweites Machtzentrum gibt, das allen Ländern ein einheitliches Zukunftsmodell aufzwingt.

Über die horizontalen Konflikte zwischen verschiedenen Ländern hinaus ist eine einzige vertikale Machtstruktur deutlich erkennbar. Es scheint, als würden diese Konflikte tatsächlich von den Architekten der Neuen Weltordnung geschürt, um die Illusion grundlegender Widersprüche zu erzeugen.

Die Phänomene, die die ganze Welt erfaßt haben, tragen zwei sich ergänzende Namen: TECHNOKRATIE und TRANSHUMANISMUS. Es ist eine Welt der luziferischen Diktatur, die das Ende des Menschen als göttliche Schöpfung anstrebt. Die Agenda der globalistischen Krake lässt sich auf nur zwei Prioritäten reduzieren: BEVÖLKERUNGSREDUZIERUNG und KONTROLLE.

Und der überall auferlegte Gesamtplan, der mit enormer Geschwindigkeit umgesetzt wird, trägt einen wohlbekannten Namen: UN-AGENDA 21 oder AGENDA 2030 für NACHHALTIGE ENTWICKLUNG. Und da es EINE GEMEINSAME AGENDA für alle Länder der Welt gibt, bleibt die Multipolarität vorerst nur eine wünschenswerte Perspektive.“

Offensichtlich zeigte das Präsidium Anzeichen von Ungeduld; Leonid Savin und Aleksandr Bovdunov drängten mich, meine Rede zu beenden. Was ich auch tat. Ich bestehe auf dem Titel dieser Rede:

DER GROSSE RESET UND DAS ENDE DER KLASSISCHEN GEOPOLITIK.

Wenn ich mich recht erinnere, war es tatsächlich das letzte Mal, daß Fabrice Sorlin, der für die französische Version des Portals katehon.com verantwortlich ist, das vom Oligarchen Konstantin Malofeev finanziert wird, einen meiner Texte veröffentlichte:
https://katehon.com/fr/article/le-grand-reset-et-la-fin-de-la-geopolitique-classique.

Und da die Veranstaltung online übertragen wurde und die Teilnehmer über den Chat kommunizieren konnten, wurde ich von mehreren Personen aus verschiedenen Ländern kontaktiert, die mir zu meiner Position gratulierten. Der Konferenzverlauf setzte sich im gleichen monotonen Tempo fort, und in der Zwischenzeit baute ich mein internationales Netzwerk aus und identifizierte Intellektuelle, die ähnliche Ansätze in Bezug auf globale Realitäten vertraten. Innerhalb weniger Stunden hatte ich Übersetzungen meines Textes ins Deutsche, Spanische, Portugiesische und Italienische erhalten. Innerhalb weniger Stunden hatte ich den Kern der zukünftigen Teilnehmer des Chisinau-Forums gebildet, befreit vom Dogma der Multipolarität.

Meine Erklärung vom 29. April 2023 markierte den öffentlichen Austritt aus der multipolaren Sekte, die Abkehr von der prokrustischen Vision der Geopolitik. Wer sich das Videomaterial und die Texte zu dieser Veranstaltung ansehen möchte, kann meinen Telegram-Account https://t.me/iurierosca aufrufen und nach dem Datum 29. April 2023 suchen.

(Fortsetzung folgt)

PROFESSOR DUGINS AVATARE (11)

„Soft Power“ à la russe und vom Kreml-Kraken kontrollierte Dissidenz

4. Mai 2023. Mein Artikel, in dem ich meine Meinungsverschiedenheit mit Pierre Hillard zum Ausdruck brachte.

Ich persönlich hatte nur ein einziges Mal die Ehre, Pierre Hillard zu treffen. Ich glaube, das war 2018 oder vielleicht 2019. Derjenige, der dieses Treffen für mich in einem Café im Zentrum von Paris organisierte, war Antony Bonamy, der den Verlag „Culture& Racines“ leitete und die Werke dieses Autors veröffentlichte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits einige seiner Bücher gelesen. Daraufhin erklärte ich mich bereit, seinen Band „Chronicles of Globalism“ ins Rumänische zu übersetzen und zu veröffentlichen. Ich erhielt das Manuskript in einer aktualisierten und um neue Texte ergänzten Fassung. Antony schlug jedoch vor, zunächst das Buch „Soros and the Open Society“ von Pierre-Antoine Plaquevent zu veröffentlichen, was wir auch taten. Und später gelang es mir nicht mehr, mich wieder mit dem Manuskript von Pierre Hillard zu befassen.

In der Zwischenzeit kaufte ich weiterhin alle Bücher dieses Autors und verfolgte seine Reden auf Konferenzen und in Sendungen. Ich wußte, daß er zusammen mit Alain Soral, Pierre-Antoine Plaquevent und den anderen zum Kreis der französischen Dissidenten gehörte. Ich besuchte mehrere Konferenzen unter der Schirmherrschaft von „Égalité et Réconciliation“. Deshalb betrachtete ich sie alle als Mitglieder desselben Kreises von Intellektuellen, die sich dem System widersetzen.

Als Youssef Hindi mich daher bat, einen kurzen Artikel über Dugin zu schreiben – als Antwort auf Pierre Hillards Stellungnahme, in der dieser ihn als Anhänger okkulter Praktiken darstellte –, tat ich dies, ohne zu ahnen, daß es sich in Wirklichkeit um eine weitaus heftigere Polemik handelte als um ein kleines Missverständnis unter Freunden. Tatsächlich hatte ich Dugin mehr als einmal dabei beobachtet, wie er vor den Mahlzeiten sein Gebet sprach; ich kannte seine Frau Natalia sowie seine Tochter Daria, die ebenfalls der orthodoxen christlichen Tradition folgte. So wurde am 4. Mai 2023 mein Artikel auf der Website Strategika.fr veröffentlicht:

https://strategika.fr/2023/05/04/polemique-autour-dalexandre-douguine-iurie-rosca-repond-a-pierre-hillard/.

Doch im August 2023 entdeckte ich ein Video aus dem Jahr 1995, das mich erschütterte. Ich sah Aleksandr Dugin auf der Bühne in einer makabren und blasphemischen Darbietung, wie er einen Text des berühmten Satanisten Aleister Crowley vorlas. Ich traute meinen Augen nicht. Ich hatte noch nie etwas Schockierenderes, Ekelhafteres, Monströseres gesehen. Die offene Verhöhnung unseres Erlösers Jesus Christus, dieses Kreuz, das sich wie in einem Zirkus drehte und das Opfer Gottes des Sohnes für die Menschheit parodierte, die Nachahmung des Geschlechtsverkehrs zwischen Männern (während Dugin die Anrufung Satans vortrug, schlich sich jemand von hinten an ihn heran und täuschte Geschlechtsverkehr mit ihm vor) – all dies begleitet von schrillen Lauten und chaotischen Bewegungen von Figuren, die von einer magischen Trance erfaßt waren.

Tief bewegt von dem, was ich sah, versuchte ich mich daran zu erinnern, was ich 1995 getan hatte. Unter anderem versammelte ich Menschen bei Massenkundgebungen, auf Konferenzen und Kongressen, bei Sommeruniversitäten, Seminaren oder Tagungen, wo ich das Vaterunser über das Mikrofon vortrug. Ich veröffentlichte Artikel, die sich auf unsere orthodox-christliche Tradition konzentrierten. Ich verteilte Gebetsbücher. Unser gesamtes politisches und kulturelles Handeln war stets auf die Tradition des östlichen Christentums ausgerichtet.

Hier ist die Videoaufzeichnung dieses dämonischen Spektakels:

Nachdem ich mir dieses schockierende Video angesehen hatte, nahm ich Kontakt zu Youssef Hindi auf. Ich konnte mich von meinem Schockzustand nicht erholen. Ich glaube, ich habe ihm den Link zu dieser okkulten Theateraufführung geschickt. Doch ich war zutiefst erstaunt über die Gelassenheit, mit der Youssef reagierte. Er erzählte mir, daß sich dieser Vorfall genau vor dreißig Jahren ereignet habe und daß sich ein Mensch im Laufe seines Lebens verändere. Ich stimmte dem zu, merkte jedoch an, daß ich, obwohl ich über zehn Bücher von Dugin sowie eine Vielzahl von Artikeln gelesen und mehrere seiner Interviews und Reden gesehen hatte, nie bemerkt hatte, daß er seine jugendlichen Irrwege bereute.

Außerdem fiel mir ein, daß Dugin stets stolz auf seine Zusammenarbeit mit dem Avantgarde-Musiker Sergej Kuryokhin zurückblickt, der tatsächlich eine der schrecklichsten Ausprägungen der Pop-Subkultur verkörperte – ein Extrem, das den traditionellen Werten, für die Dugin in den letzten Jahrzehnten eingetreten ist, völlig entgegensteht. Ich habe im Internet etwas über diesen exzentrischen Künstler gefunden, der perfekt in das vom Tavistock-Institut initiierte Social Engineering passt, das jede Spur von Normalität und authentischer Kunst zerstört:

„Pop-Mekhanika-Projekt – Pop-Mekhanika wurde 1984 gegründet und war ein experimentelles Musikensemble sowie eine Theaterperformance, die mit den Konventionen der traditionellen Musik brach. Stil: Eine Mischung aus Jazz, klassischer Musik, Avantgarde, Rock und elektronischer Musik. Die Aufführungen waren ein organisiertes Chaos, an dem oft Dutzende von Musikern, Schauspielern, Tänzern, Tieren und Requisiten auf der Bühne beteiligt waren.“

Es sei angemerkt, daß Dugin diesen englischen Begriff, den er immer wieder verwendet, wenn es um „Kunst“ im Stil von Sergej Kuryokhin geht, gründlich beherrscht: Performance. Tatsächlich handelt es sich um eine höllische, schrille und verheerende Klangkakophonie, begleitet von chaotischen Bewegungen der Figuren, als wären sie direkt aus der Hölle gekommen – was mich perfekt an jene erinnert, die ich 2016 in der Schweiz bei der Eröffnung des längsten und tiefsten Tunnels der Welt voller Staunen beobachtet habe. Siehe die Links:

https://www.youtube.com/watch?v=Y-Tf0-tuRJ8, https://www.youtube.com/watch?v=r-EvDNbPKuY&list=PLA4cDTnVuwpJvN6gqiL6cBGZwN86-TBgy&index=2.

Während der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele habe ich dieselbenwiederkehrenden satanischen Szenen gesehen.

Bis heute kann ich Youssef Hindis mehr als gemäßigte Reaktion auf dieses Video aus dem Jahr 1995 nicht nachvollziehen. Infolge dieses Vorfalls wurde mir jedoch bewußt, wie schwerwiegend mein Fehler war, als ich mich bereit erklärte, jene wenigen polemischen Zeilen über Pierre Hillards Haltung gegenüber Dugin zu schreiben.

In der Zwischenzeit habe ich auch Pierre Hillards Bücher „Die Konstanten der russischen Geopolitik und Mystik: Von den Romanows bis Wladimir Putin“ (erschienen am 30. Juni 2023) und „Das Lubawitsch-Imperium verstehen“ (erschienen am 5. September 2024) gelesen. Ich fühlte mich diesem Autor gegenüber schuldig. Und am 24. Januar 2025 schickte ich ihm die folgende E-Mail: „Sehr geehrter Herr Pierre Hillard, ich schreibe Ihnen diese Nachricht, um mein Bedauern darüber auszudrücken, daß ich vor einigen Jahren einen Beitrag über Dugin verfaßt habe, der Ihren Ansichten widersprach. Mir ist nun klar geworden, daß ich Unrecht hatte. Als Beweis sende ich Ihnen meinen neuesten Artikel: https://arcaluinoe.info/fr/blog/2025-01-22-n1hfgger. Ich fühlte mich geehrt, als Lucien Cerise, der fanatische Anhänger Putins, mich vor einem Jahr neben Ihnen und Nicolas Bonnal erwähnte.Ich habe gerade Ihr Buch über ‚geopolitische Konstanten‘ zu Ende gelesen. Nun werde ich ‚Understanding the Lubavitch Empire‘ lesen. Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Arbeit. Möge der Erlöser Jesus Christus Sie beschützen. Iurie Rosca“

Herr Hillard hat jedoch weder auf diese Nachricht noch auf frühere Nachrichten geantwortet. Vielleicht, weil er mir übel nahm, daß ich sein Buch nicht auf Rumänisch veröffentlicht habe, vielleicht, weil er sehr beschäftigt ist. Um jedoch meine Haltung gegenüber diesem angesehenen Autor deutlich zu machen, erlaube ich mir, eine E-Mail zu veröffentlichen, die ich ihm am 25. August 2021 geschickt habe: „Sehr geehrter Herr Hillard, ich bin Iurie Roșca aus Moldawien. Wir haben uns vor einigen Jahren in Paris durch unseren Freund Antony kennengelernt. Ich hatte vor, Ihr Buch ins Rumänische zu übersetzen und zu veröffentlichen, auch wenn mir dies bisher noch nicht gelungen ist. Ich schreibe Ihnen, um meine Bewunderung für Ihr Werk zum Ausdruck zu bringen – sowohl für Ihre Bücher als auch für Ihre öffentlichen Vorträge. Besonders beeindruckt haben mich vier Dinge: Ihre Gelehrsamkeit, Ihr Gerechtigkeitssinn, Ihr Mut und vor allem der tiefe Geist eines wahren Christen. Sie haben ein brillantes Verständnis dafür, worum es in diesem geistlichen Kampf geht, und – im Gegensatz zu den meisten unserer gemeinsamen Freunde – tappen Sie nicht in die Falle des Republikanismus oder des liberalen Paradigmas. Das System auf der Grundlage einer atheistischen, national-demokratischen Plattform in Frage zu stellen, ist ein äußerst anfälliger Ansatz, der letztendlich zum Scheitern verurteilt ist. Mit anderen Worten: Im Gegensatz zu anderen beschränken Sie sich nicht auf den Bereich der Immanenz, sondern erheben sich zu einer spirituellen Deutung und Mystik der Kausalität und des Sinns der Geschichte – selbst in dieser unglücklichen Ära des „Great Reset“. Ich bin praktizierender orthodoxer Christ und bekräftige meinen Glauben in allem, was ich als Journalist und Persönlichkeit des öffentlichen Lebens tue. Dennoch kann ich nicht umhin, die tadellose Kleidung eines echten Katholiken zu bewundern. Ich würde mich sehr freuen, von Zeit zu Zeit Gedanken auszutauschen – ich, ein Christ aus dem byzantinischen Osten, und Sie, ein katholischer Christ aus dem Westen. Bitte entschuldigen Sie die Länge dieser Nachricht.
Gott segne Sie!“

(Fortsetzung folgt)

PROFESSOR DUGINS AVATARE (12)

„Soft Power“ à la russe und vom Kreml-Kraken kontrollierte Dissidenz


9.–10. September 2023. Chisinau-Forum, 4. Auflage „Die UN-Agenda 21 und der ‚Great Reset‘: Der Niedergang vom Liberalismus zur Technokratie und zum Transhumanismus“

Die Organisation sah wie folgt aus: Ein Teil der Redner wird persönlich in Chisinau eintreffen, ein anderer Teil wird seine Reden im Videoformat einsenden, damit sie zusammen mit den anderen Beiträgen online übertragen werden können. In der Zwischenzeit war es mir gelungen, eine Reihe neuer Kontakte zu knüpfen, wodurch ich auf über dreißig Redner kommen konnte.

Ich erinnere hier an die Liste der Redner:

Garry Robson (Polen), Peter Töpfer (Deutschland), Julian Rose (Polen), Iain Davis (Großbritannien), Dennis Kingsley (Großbritannien), Alexander Thompson (Niederlande), Lorenzo Maria Pacini (Italien), Justino Carneiro und Alexandre Guerreiro (Portugal), Makia Freeman (USA), Jille-Emmanuel Jacquet und Pater Dimitri Mottier (Schweiz), Vlad-Mihal Agache und Calistrat Marvin Atudorei (Rumänien), Carlos Mamani (Peru), Dragana Trifković (Serbien), Vadim Shegalov, Gregory Davis (USA), Alexander Michael Markovics (Österreich), Hrvoje Morić (Mexiko), Angelos Carageorgos (Griechenland), Scott Howard (USA), Israel Lira (Peru), Enrique Refoyo (Spanien), Lucas Leiroz und Raphael Machado (Brasilien), Blaž Kavčič (Slowenien), Iacob Nordangård (Schweden), Lucien Cerise, Pierre-Antoine Plaquevent, Youssef Hindi und Laurent James (Frankreich), Arno Develay (Frankreich, ansässig in Moskau).

Die übliche französische Delegation konnte – anders als in den vergangenen Jahren – nicht wie geplant nach Chișinău reisen. Der Herausgeber Antony Bonamy von „Culture&Racines“, der erfahren hatte, daß das französische Team auf die Teilnahme verzichtet hatte, bekundete seine Solidarität mit ihnen. Immerhin war er in seiner Naivität aufrichtig. Dennoch entschied ich mich, sie das Wort ergreifen zu lassen. Ihr multipolaristischer Diskurs ging jedoch inmitten der weitaus fundierteren Beiträge vieler anderer Redner unter. Auch die Herren aus Lateinamerika wirkten eher monoton und ritten stets auf demselben multipolaristischen Dogma herum.

Die Veranstaltung im Jahr 2023 war ein voller Erfolg – und das ganz ohne Sponsoren oder politischen bzw. sonstigen Schutz. Wie wir es von Beginn der Tätigkeit unserer internationalen Gruppe an festgelegt hatten, trug jeder Teilnehmer sämtliche Kosten selbst: Flugtickets, Unterkunft und Verpflegung. Es gab nur wenige Ausnahmen; einigen Teilnehmern ermöglichte ich die Teilnahme durch finanzielle Unterstützung aus eigener Tasche. Während der Vorbereitungen auf das Forum kontaktierte mich ein Herr aus den Niederlanden – ein bedeutender Autor und Dissident namens Alexander Wolfheze. Er wirkte wie ein absolut vertrauenswürdiger Gentleman, und ich stellte zudem fest, daß er ein beachtliches akademisches Werk vorzuweisen hatte. Er schlug vor, ein Interview für die Multimedia-Plattform Arktos.com zu führen. Ich gab dieses Interview auf Englisch. Allerdings hat jemand die Videoinhalte gelöscht: https://arktos.com/2023/05/10/iurie-rosca-interregnum-70/. Eine Audioversion jenes Gesprächs war den Zensoren allerdings entgangen: https://www.deezer.com/sv/episode/506840087.

Alexander Wolfheze rief mich mehrmals an und erkundigte sich immer wieder nach meinen Differenzen mit Professor Dugin und der von diesem vertretenen Weltanschauung. Ich erklärte ihm ausführlich, worum es dabei ging. Daraufhin äußerte er den Wunsch, an unserem Forum teilzunehmen, wies jedoch darauf hin, daß seine finanzielle Lage äußerst prekär sei. Ich zweifelte nicht daran; ich wußte von ihm, daß er in seinem Heimatland verfolgt wurde und nach einer Zuflucht in Serbien oder Ungarn suchte. Auch meine eigene finanzielle Situation war nicht gerade rosig, doch ich bemühte mich und kaufte ihm die Flugtickets für Hin- und Rückflug. Doch an dem Tag, an dem er eintreffen sollte, meldeten sich meine Mitarbeiter, die die Gäste am Flughafen in Empfang nahmen, bei mir und teilten mir mit, daß diese Person nicht angekommen sei. Ich versuchte mehrfach hartnäckig, ihn anzurufen, doch sein Telefon war ausgeschaltet. Erst einige Tage später – die Veranstaltung war bereits vorüber – rief mich Alexander Wolfheze an und berichtete Folgendes: Er sei ein oder zwei Tage lang von Sicherheitsdiensten oder womöglich der niederländischen Polizei festgehalten und sein Telefon beschlagnahmt worden; deshalb habe er mich nicht über die Geschehnisse informieren können. Der Mann wirkte sehr verstört und bat mich, mit niemandem über diesen Vorfall zu sprechen. Nun stelle ich fest, daß unsere gesamte Korrespondenz – sowohl per E-Mail als auch über die App Telegram – gelöscht worden war.

Eine weitere Person aus demselben Umfeld der Plattform Arktos.com – jemand, der zunächst versucht hatte, Kontakt zu mir aufzunehmen und mich interviewt hatte, dann aber spurlos verschwand – ist Constantin von Hoffmeister. Es hatte den Anschein, daß Menschen wie er, die es wagten, sich mit mir in Verbindung zu setzen, dazu gedrängt worden, jegliche Beziehungen zu mir abzubrechen. Es konnte nicht anders sein. Ich war von der allgemeinen Linie der von Moskau koordinierten Multipolaristen abgewichen.

Es gibt noch eine weitere amüsante Episode aus derselben Zeit: Ich erhielt einen Anruf von Arno Develay, der sich bereits in Moskau niedergelassen hatte. Er war sehr darauf bedacht, eine ganze Reihe von Rednern aus verschiedenen Ländern vorzuschlagen. Mir war sofort klar, welche Art von Rednern man mir da anbieten würde. Die Strategen in Moskau sahen, daß das internationale Projekt „Chișinău Forum“ trotz der Versuche, seine Aktivitäten zu unterbinden, fortbestand; daher beschlossen sie, möglichst viele ihrer Schachfiguren unter die Teilnehmer zu schleusen, um den allgemeinen Ton anzugeben. Ich ließ mich auf dieses Spiel ein. Übrigens finden sich auf der oben genannten Teilnehmerliste viele Personen, die der Moskauer Befehlszentrale hörig sind, doch wir verwehrten ihnen den Zugang zu unserem Podium nicht. Das Forum scheute sich nicht vor abweichenden Meinungen; es weiß, wie man ihnen begegnet und die Wahrheit von der Lüge unterscheidet.

Es war äußerst interessant zu beobachten, wie sich die Redner aus dem multipolaren Lager präsentierten. Einige, geübter in der Kunst der Heuchelei und Doppelzüngigkeit, versuchten, auf das eigentliche Thema einzugehen – die globalistische Strategie der Errichtung einer technokratischen und transhumanistischen Tyrannei. Andere, etwas naiver, sangen nach besten Kräften Loblieder auf den Siegeszug der Multipolarität im globalen Maßstab. Für sie war die strahlende Zukunft greifbare Realität. Die leuchtende Utopie, von der sie sich hatten fesseln lassen, hat sich inzwischen als albtraumhafte Dystopie entpuppt. Die vollständige Aufzeichnung der Veranstaltung finden Sie hier: https://arcaluinoe.info/ro/chisinau-forum/2023/ ; https://arcaluinoe.info/ro/etichete/chisinau-forum-2023/

(Fortsetzung folgt)

PROFESSOR DUGINS AVATARE (13)

„Soft Power“ à la russe und vom Kreml-Kraken kontrollierte Dissidenz

25.–26. Mai 2024.  5. Treffen des Chișinău-Forums: „UNBEGRENZTE KRIEGFÜHRUNG: Ein ganzheitlicher Ansatz zum Great Reset“.

Um eine neue, erfolgreiche internationale Veranstaltung zu organisieren, benötigte ich international größtmögliche Sichtbarkeit. Natürlich ging es darum, in den sozialen Medien und auf den Profilen meiner Freunde aus verschiedenen Ländern präsent zu sein. Unser metapolitischer Kampf gegen die „Neue Weltordnung“ durfte nicht im begrifflichen Sumpf des Kremls steckenbleiben, der inzwischen sein wahres Gesicht als Komplize des satanistischen Globalismus offenbart hatte.

Um die Aufmerksamkeit von systemkritischen Aktivisten aus verschiedenen Ländern zu gewinnen, verfaßte und übersetzte ich einen programmatischen Text – eine Art Manifest –, den ich Anfang 2024 veröffentlichte und massiv verbreitete. Hier ist der Link zu diesem Artikel: https://arcaluinoe.info/en/blog/2024-01-14-466g3tft/.

Zu meiner großen Freude erhielt ich eine Vielzahl positiver Reaktionen und Anfragen zur Teilnahme an der angekündigten Veranstaltung. Im Zusammenhang mit der Organisation dieses Events möchte ich folgende Geschichte erzählen: Nachdem ich jeglichen Kontakt zu Dugins Team in Moskau abgebrochen hatte, begann ich, nach neuen Kontakten zu Menschen in Rußland zu suchen, die auf derselben Wellenlänge lagen und dieselben Werte teilten. Eines Tages erhielt ich eine E-Mail von einer Frau, die ursprünglich aus Rußland stammte und sich vor einigen Jahren in den USA niedergelassen hatte. Sie hatte etliche meiner Artikel gelesen und mehrere englischsprachige Sendungen mit meiner Beteiligung gesehen. Sie war sehr begeistert von meinen Analysen und bot mir – als sie erfuhr, daß ich unter der Schirmherrschaft des Chișinău-Forums ein neues internationales Treffen vorbereitete – an, mich mit einigen sehr bekannten Persönlichkeiten in Moskau in Verbindung zu setzen, die während der „Fake-Pandemie“ zu den schärfsten Kritikern gehört hatten. Und so geschah es auch.

Sie stellte mir zwei Frauen vor – die eine eine sehr bekannte Fernsehjournalistin, die andere eine prominente Persönlichkeit im Bereich der Menschenrechte – sowie einen Herrn, einen promovierten Wissenschaftler und Professor, der ursprünglich Militärarzt gewesen war. Die beiden Damen erklärten sich gerne bereit, an der Veranstaltung teilzunehmen, die ich gerade vorbereitete. Der besagte Herr rief mich an, beglückwünschte mich zu meiner Arbeit und versicherte mir, daß er definitiv nach Chișinău kommen würde. Eine der Frauen schickte mir sogar ihre Rede als Videoaufnahme. Beide Frauen beherrschten Englisch – die Arbeitssprache unserer Treffen – hervorragend. Doch kurz darauf zogen sie ihre Teilnahme zurück. Der Grund? Sie hatten herausgefunden, daß ich ein entschiedener Kritiker des Putin-Regimes bin. Zudem wurden sie höchstwahrscheinlich von Geheimdiensten dazu gedrängt, die Zusammenarbeit mit mir aufzugeben. Und in Rußland ist ein direkter Konflikt mit dem Regime durchaus gefährlich.

Hier ist die Liste der Teilnehmer, von denen einige persönlich anwesend waren, während andere ihre Reden vorab als Videoaufnahme übermittelten:

Garry Robson (Polen), Dr. Rima Laibow (USA), Hrvoje Morić (Mexiko), Radovan Dluhý (Slowakei), Scott Schara (USA), Gearóid Ó Colmáin (Irland), Tom Kawczynski (USA), Prof. Olle Johansson (Schweden), Angelos Karageorgos (Griechenland), Dennis Kingsley (Vereinigtes Königreich), Rick Thomas (Kanada), Justino Carneiro (Portugal), Liviu Florea (Rumänien), Tessa Lena (USA), Dr. Viktor Kopecky (Tschechische Republik), Prof. Federico Nazar (USA), Piki Verschaueren (Belgien), Alexander Thomson (Niederlande), Makia Freeman und Dr. Meryl Nass (USA), James Delingpole (Vereinigtes Königreich), Sylvain Durain und Paul Cudenec (Frankreich), Blaž Kavčič (Slowenien), Calistrat Marvin Atudorei (Rumänien), Dr. Daniel Bobinski und John Klyczek (USA), Julian Rose (Polen), Dr. Ana-Maria Mihalcea (USA), Mees Baaijen (Costa Rica), Alex Newman (USA), Daniel Estulin (Mexiko).

Hier finden Sie die vollständige Aufzeichnung: https://arcaluinoe.info/ro/chisinau-forum/2024/.

Übrigens habe ich anlässlich des Treffens 2024 ein Buch mit einer Auswahl meiner Artikel in drei Sprachen – Englisch, Französisch und Deutsch – herausgegeben. Titel: *Menschheit 2.0: Entvölkert und erweitert*. Sie finden es als PDF-Datei auf derselben Seite meines Blogs.

(Fortsetzung folgt)

PROFESSOR DUGINS AVATARE (14)

„Soft Power“ à la russe und vom Kreml-Kraken kontrollierte Dissidenz

2. August 2024. Das Gericht von Chișinău verurteilte mich zu sechs Jahren Haft.

Das bereits im März 2017 von dem kriminellen Regime in Chișinău, welches die Macht im Staat usurpiert hatte, gegen mich eingeleitete Strafverfahren nahm seinen vorgezeichneten Lauf. Im Laufe der Jahre hatte ich aufgehört zu zählen, wie oft verschiedene Regierungen versucht hatten, mich durch die Instrumentalisierung von Strafakten zu vernichten. Für mich war das nichts Neues. Diesmal drehte sich die fingierte Geschichte in der Akte um das Delikt der Einflussnahme. Keine Zeugen, keine Beweise, lediglich die Strafanzeige eines Betrügers. Doch diesmal überflügelte das aus Söldnern des kriminellen Soros-Netzwerks bestehende Marionettenregime in Chișinău alle seine Vorgänger. So übertraf Richterin Ana Cucerescu am 2. August 2024 sogar die Erwartungen der Staatsanwälte. Während diese in ihrem Plädoyer eine Haftstrafe von VIER Jahren gefordert hatten, verhängte die großzügige Richterin SECHS Jahre Gefängnis. Meine Quellen sollten recht behalten: Als Gegenleistung für dieses Urteil war der jungen und ehrgeizigen Richterin eine rasche Beförderung zur Richterin am Obersten Gerichtshof versprochen worden – was auch tatsächlich geschah. Und Livia Mitrofan, die das Amt der Interimspräsidentin des Gerichts von Chișinău innehatte und die Akte rechtswidrig an die besagte Richterin zur Vollstreckung weitergeleitet hatte, wurde für diese „Leistung“ sowie für weitere Dienste zugunsten der Regierung Mitglied im Obersten Rat der Magistratur.

Die von Pierre-Antoine Plaquevent koordinierte Website veröffentlichte meine Erklärung noch am selben Tag, dem 2. August 2024:

https://strategika.fr/2024/08/09/aujourdhui-jai-ete-condamne-a-six-ans-de-prison/.

In den Tagen nach meiner Verurteilung führte ich einen intensiven und freundschaftlichen Austausch per Telegram mit Pierre-Antoine und Youssef, denen ich für ihre Unterstützung dankte. Pierre-Antoine erzählte mir, daß wir auch eine gemeinsame Radiosendung zu dritt machen würden – dazu kam es jedoch nie. (Ich hoffe, sie löschen nicht den Schriftwechsel, den wir über die Jahre hinweg geführt haben, auch wenn sich unsere Wege getrennt haben.) Tatsächlich hat diese Seite im Laufe der Zeit mehrere meiner Artikel veröffentlicht: https://strategika.fr/?s=iurie+ro%C8%99ca.  Ich habe auch einen der drei kritischen Artikel zu den BRICS-Staaten wiedergefunden: https://strategika.fr/?s=iurie+ro%C8%99ca+2025+ condamne. Dazu gehört ein Text, den ich auf Bitten meines damaligen Freundes Youssef Hindi verfaßt habe und auf den ich weiter unten noch eingehen werde.

25. September 2025. Das Berufungsgericht von Chișinău bestätigt das Urteil, doch die sechsjährige Haftstrafe wird auf vier Jahre Freiheitsentzug reduziert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, aber vollstreckbar. Um der Inhaftierung zu entgehen, hatte ich das Land zwei Tage zuvor verlassen. Ich wußte, was mich im Gefängnis erwarten würde. Während in den Leitmedien der Republik Moldau und Rumäniens großer Jubel herrscht, verhalten sich die von meinen ehemaligen Freunden in Rußland und Frankreich betreuten Medien auffällig ruhig.

Wenn ich mich recht erinnere, haben sich meine Freunde in Paris diesmal weniger für meine Verteidigung eingesetzt. Ich betone: Ich schätze den intellektuellen Beitrag französischer Autoren innerhalb der Dissidentenbewegung, und es war mir eine Ehre, zur Verbreitung ihrer Werke in Moldau und Rumänien beizutragen. Ihre einseitige, verzerrte Sichtweise auf die internationalen Realitäten kann ich allerdings nicht akzeptieren. Wer nicht sieht, was heute in Rußland geschieht – und schlimmer noch: wer zum Sprachrohr des offiziellen Narrativs der „Kreml-Synagoge“ wird –, der gibt seine eigene intellektuelle Unabhängigkeit zugunsten nicht deklarierter Gefälligkeiten auf.

Während das tyrannische Regime in Rußland das Land in eine immer größere Katastrophe stürzt, ist auch meine Kritik am Kreml zunehmend schärfer geworden. Der verheerende Krieg in der Ukraine, die Ermordung und Inhaftierung politischer Gegner, die Unterdrückung der Presse- und Versammlungsfreiheit, die systematische Wahlfälschung und die Durchsetzung der satanischen „Agenda 2030“ – all dies bildete die Grundlage dafür, die oligarchische und xenokratische Diktatur in Rußland zu entlarven.

Den Propagandisten und Vertretern der „kontrollierten Opposition“ wie Pepe Escobar, Scott Ritter, Colonel Douglas Macgregor und Jeffrey Sachs – sowie ihren französischsprachigen Kollegen – schlage ich ein einfaches Gedankenexperiment vor: Wie erklären sie sich die Tatsache, daß in Rußland – im Gegensatz zu westlichen, lateinamerikanischen oder muslimischen Ländern, in denen seit Jahren massive Protestkundgebungen gegen den Terrorstaat Israel stattfinden – keinerlei ziviler Protest dieser Art zu beobachten ist? Liegt es etwa daran, daß Putin und seine Clique Werkzeuge des internationalen Zionismus sind? Denken Sie einmal darüber nach – sofern Sie dazu in der Lage sind und es auch dürfen.

(Fortsetzung folgt)

PROFESSOR DUGINS AVATARE (15)

„Soft Power“ à la russe und vom Kreml-Kraken kontrollierte Dissidenz

Einige allgemeine Überlegungen zur Außenwirkung der scharfen Kritik der „Dugin-Konstellation“ an der internationalen Lage und, implizit, an der Russlands.

Die Kritik Dugins und seiner intellektuellen Mitstreiter am westlichen plutokratischen System ist zweifellos berechtigt. Gerade dieser fundierte und multidisziplinäre systemische Ansatz, der den Westen als Ganzes anprangerte und seine historischen und spirituellen Ursprünge aufzeigte, brachte mich Dugin und seinen Anhängern/Mitarbeitern aus europäischen Ländern näher. Doch seit einiger Zeit ist mir bewußt, daß das absolute Übel sich wie eine tödliche Seuche über die ganze Welt ausgebreitet hat. Verkörpert wird es durch die Zivilisation des Geldes, den politischen und wirtschaftlichen Liberalismus.

Die Globalisierung hat alle Länder gleichermaßen und ohne Ausnahme getroffen, auch wenn der Niedergang des westlichen Raums deutlich fortgeschrittener ist. Daher verdient die „Dugin-Schule“ Anerkennung für ihre Kritik am Westen, aber gleichzeitig auch Kritik für ihre falschen Lösungsansätze. Das Putin-Regime, die „Multipolarität“ oder die BRICS als alternative geopolitische Projekte zu den von den westlichen Machtzentren propagierten darzustellen, bedeutet, die Wahrheit schwer zu verfälschen. Und egal, wie sehr diese Elite des Kremls sich in Gelehrsamkeit und Propagandatechniken auszeichnet, ihre Lügen treten immer eklatanter zutage. Eine Erklärung für die übermäßige Leichtgläubigkeit und den grenzenlosen Enthusiasmus von Dugins ideologischen Gefolgsleuten in den Ländern der Welt ist die kategorische Ablehnung des amerikanischen und/oder eurozentrischen Hegemonialismus. Die Ablehnung der verwerflichen Strategien der Weltkolonisierung durch die westlichen Eliten treibt sie direkt in die Arme der Moskauer Machtzentren. Die Strategie der falschen Dichotomien funktioniert perfekt: Die Einteilung der geopolitischen Akteure in zwei Lager, die „Bösen im Westen“ und die „Guten im Osten“, hat sich, so primitiv sie auch sein mag, als äußerst effektiv erwiesen.

Hier könnten wir das von Lucien Cerise in seinem Buch „Neuro-Piraten“ vorgeschlagene Leseraster anwenden. Es basiert auf Karpmans Dreieck (oder Drama-Dreieck), einem Modell der Transaktionsanalyse, entwickelt vom Psychotherapeuten Stephen Karpman. Dieses beschreibt dysfunktionale Beziehungsdynamiken, die auf Manipulation beruhen. In dieser Formel erscheint die Opferrolle den vom westlichen Establishment unterdrückten Völkern in der Rolle des Verfolgers (Aggressors) zugeschrieben, während Putin (sowie Xi und den BRICS-Staaten) die Rolle des Retters zukommt. Ich greife außerdem auf ein von Lucien Cerise im selben Buch sehr erfolgreich vorgestelltes Schema zurück.

Es handelt sich um eine klassische Form der horizontalen Manipulation, die subtil angewendet wird (der Begriff stammt von ihm). Diese Strategie funktioniert folgendermaßen: Jemand an der Spitze des Dreiecks manipuliert die beiden Basiswinkel. In unserem Fall geht es um das kontinuierliche Schüren von Konflikten zwischen Staaten an der Spitze der Weltmachtpyramide. Diese Macht manifestiert sich in einem weitverzweigten Netzwerk von Organisationen, von Freimaurerlogen und anderen Geheimbünden bis hin zu internationalen Organisationen, die ihre Pläne umsetzen: UN, IWF, Weltbank, WTO, Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, WHO, UNESCO, UNICEF usw. Um ihre finstere Agenda durchsetzen zu können, ohne heftige Proteste zu provozieren, greifen sie auf die Verhängung eines permanenten Ausnahmezustands zurück, die sogenannte Schockdoktrin oder Spannungsstrategie.

Diese Manipulationstechnik dient der Unterdrückung globalisierungskritischer Opposition. Die wichtigste Aufgabe der Drahtzieher an der Spitze dieses Netzwerks ist es, unsichtbar zu bleiben, wie Lucien Cerise aufzeigt. Beispiele für die Umsetzung dieser Strategie sind der Ukraine-Krieg, der Krieg der USA und Israels gegen den Iran, die Rivalitäten zwischen Indien und Pakistan usw. Solange die Drahtzieher anonym bleiben, können die Konfliktparteien den wahren Feind nicht erkennen.

Auf der Ebene globaler Machtausübung ist die UN die wichtigste Plattform zur Durchsetzung der Neuen Weltordnung. Durch die von dieser Organisation durchgesetzten Strategien werden alle globalistisch-satanischen Vorgehensweisen gefördert. Sie werden überall gleichermaßen umgesetzt, auch in Putins Rußland, in China und in den übrigen BRICS-Staaten. Darüber hinaus wird dieselbe Taktik, die öffentliche Aufmerksamkeit von der raschen und äußerst effizienten Umsetzung der gemeinsamen Agenda in allen Ländern der Welt abzulenken, auf nationaler Ebene angewendet, insbesondere bei Vorhandensein einer demokratischen Fassade. Horizontale Rivalitäten, politisch-wahlpolitische Kriege und ein permanenter Bürgerkrieg zwischen den jeweiligen Lagern halten sie ständig mit Abrechnungen beschäftigt und verhindern, daß sie erkennen, daß in Wirklichkeit – unabhängig davon, wer an der Macht ist – überall dieselben Strategien verfolgt werden, entwickelt von einigen privaten supranationalen Organisationen.

Um also zu unserem Helden Alexander Dugin und dem riesigen Netzwerk des Widerstands zurückzukehren, das der Kreml unter seinem Deckmantel kontrolliert, sollte Folgendes gesagt werden: Es sei angemerkt: Wir werfen ihm und seinen Anhängern nicht mangelnde Gelehrsamkeit oder das Fehlen beachtlicher Arbeiten vor, sondern einen Mangel an moralischer Integrität und Mut. Natürlich liegt es in der Natur des Menschen, Fehler zu machen. Doch nur ein ehrlicher Mensch, der sich nicht von Doppelzüngigkeit oder verborgenen Interessen leiten lässt, kann seinen Fehler eingestehen.

Im konkreten Fall Dugins ist der Mangel an Mut womöglich die ehrenhafteste Entschuldigung. Auch wenn es sich dabei nicht um eine Tugend, sondern um eine menschliche Schwäche handelt, hat ein Intellektueller im heutigen Rußland – wo politische Attentate seit mehr als einem Vierteljahrhundert zur Normalität gehören – allen Grund, solche Risiken in Betracht zu ziehen. Dies gilt insbesondere angesichts des tragischen Attentats auf seine Tochter Daria. Wenn die Dinge so liegen, ist das seine Entscheidung. Sie bedeutet, daß ihm das Leben kostbarer ist als Wahrheit und Gerechtigkeit. Vor einigen Jahren hatte ich in der App Telegram eine Gruppe namens „Chisinau Forum“ gegründet, in die ich alle aufnahm, die an unseren Treffen in der moldauischen Hauptstadt teilgenommen hatten. Doch irgendwann stieß mich die Haltung der mit Moskau sympathisierenden französischen Mitglieder so sehr ab, daß ich die Gruppe kurzerhand auflöste. Einmal warf mir Pierre-Antoine Plaquevent sogar vor, vom ursprünglichen Zweck unserer Gruppe abzuweichen. Ich entgegnete, daß ich lediglich beschriebe, was ich sähe; sollte das Moskauer Regime sein böses Wesen offenbaren, würde ich es weiterhin kritisieren. Ich bin dem Kreml zu nichts verpflichtet. Auch übe ich nicht freiwillig Selbstzensur. Ich gebe mich nicht mit der „Prokrustes-Version“ des vorherrschenden Diskurses zufrieden. Ich lehne jede Form von Gesinnungskontrolle ab, dulde keine halben Sachen und glaube nicht an Halbwahrheiten.

Daß sich etliche (ehemalige) Freunde aus verschiedenen Ländern, die dem multipolaren Lager treu geblieben sind, von mir distanziert haben, lässt sich womöglich so erklären: Nach Jahren begrifflicher Verwirrung sowie langer Recherche und Reflexion gelang mir ein bedeutender Paradigmenwechsel, durch den ich mich aus der multipolaren Falle befreite. Doch leider sind viele aus jenem Lager, dem ich einst angehörte, unter der Last ihrer eigenen Mittelmäßigkeit im Sumpf der Multipolarität versunken und haben sich so eine bequeme psychologische und soziale Nische bewahrt. Dies liegt daran, daß es vielen so scheint, als würden das Aufgeben der eigenen Illusionen und Wahnvorstellungen – und insbesondere das öffentliche Eingeständnis dessen – ihr Ansehen beschädigen und ihr Gefühl der eigenen Wichtigkeit beeinträchtigen. Um sie jedoch zu ermutigen, sich nicht für das Erkennen eigener Irrtümer zu schämen, möchte ich auf zwei klassische Beispiele aus der russischen Kultur verweisen. Der große Dostojewski war ein utopischer Liberaler. Doch das durchlittene Leid öffnete seinen Geist für die höchsten Gipfel des traditionellen orthodoxen Denkens und für die Treue zum russischen monarchischen Staat. Lew Tichomirow war lange Zeit ein radikaler Revolutionär und an dem Komplott beteiligt, das das Attentat auf Zar Alexander II. zum Ziel hatte; doch nach Jahren des Nachdenkens und der politischen Agitation verfasste er die berühmte Schrift „Warum ich kein Revolutionär mehr bin“. Im Jahr 1905 veröffentlichte er zudem das Grundlagenwerk „Der monarchische Staat“ – die wohl gründlichste Studie, die je in russischer Sprache zu diesem Thema verfaßt wurde. (Fortsetzung folgt)

PROFESSOR DUGINS AVATARE (16)

„Soft Power“ à la russe und vom Kreml-Kraken kontrollierte Dissidenz

Über die in Moskau ansässige Gruppe französischer Dissidenten.

1. Xavier Moreau. Laut Wikipedia ließ er sich im Jahr 2000 in Rußland nieder und ist als Geschäftsmann sowie politischer Kommentator tätig. Tatsächlich muß man sich der politischen Macht unterordnen, um im Rußland Putins geschäftlich erfolgreich zu sein. Diese Rolle füllt er hervorragend aus. Er gründete seine eigene Website: https://stratpol.com. Zu Beginn der russischen Militärintervention in der Ukraine verfolgte ich einige seiner Videokommentare. Ich gebe zu: In den ersten Kriegstagen hoffte ich – wie so viele andere in unserem Lager –, daß sich Putin unter dem Druck patriotischer Kräfte und des Militärs von den globalistischen Machtzentren lösen würde. Doch sehr bald wurde deutlich, daß bei diesem Krieg ganz andere Interessen auf dem Spiel stehen als die von offizieller Seite verkündeten. Deshalb hörte ich auf, mir Moreaus Sendungen anzusehen. Ich wollte mich nicht mit allzu viel giftiger Propaganda belasten, die in den undurchsichtigen Büros der Moskauer Machtzentrale vorgefertigt wurde.

In Xavier Moreaus Darstellung dauert der Siegeszug der russischen Armee in der Ukraine nun schon viereinhalb Jahre an, und eine Erfolgsmeldung jagt die nächste. Zudem inszeniert dieser geschäftsmäßige Propagandist – oder, wenn man so will, dieser Geschäftsmann der Propaganda – mit großem Geschick Putins Genialität als eine für Rußland und die gesamte Menschheit vorherbestimmte Heilsgestalt. Xavier Moreau scheint eine Vertrauensperson des „Deep State“ zu sein; er spielt die erste Geige in jenem riesigen Orchester, das französische Dissidentenkreise infiltriert und prominente Intellektuelle für die Propagandamaschinerie des Putin-Regimes rekrutiert. Soweit ich das beurteilen kann, weiß sich der ehemalige französische Armeeoffizier auch in Zivil auf dem gastfreundlichen Boden Russlands bestens zu behaupten. Ich bin ihm nur ein einziges Mal begegnet – in Paris, bei einer Konferenz, die er moderierte. Jemand stellte mich ihm vor; er musterte mich von oben herab und reichte mir zwar die Hand, doch für jemanden wie mich wollte er keine Zeit verschwenden. Ich schickte ihm mehrere Nachrichten über Telegram, erhielt jedoch nie eine Antwort.

Xavier Moreau ist regelmäßig in den Sendungen regimenaher Fernseh- und Radiosender wie Russia Today, Kanal 1, Sputnik usw. zu sehen. Kürzlich sah ich ein Video auf seinen Social-Media-Kanälen, in dem er damit prahlte, sich im Fernsehstudio aufzuhalten, um an einer Sendung von „dem russischen Journalisten Wladimir Solowjow – dem von den französischen Mainstream-Medien meistgehassten Journalisten“ – teilzunehmen. Innerhalb weniger Sekunden brachte er es fertig, gleich zwei Lügen zu verbreiten.

Die erste Lüge: Dieser Journalist ist nicht Russe, sondern stammt „aus Rußland“. Er ist bekennender jüdischer Kabbalist und Mitglied der jüdisch-satanistischen Sekte Chabad-Lubawitsch. Der eigentliche Nachname dieses Einflussagenten zionistischer Kreise – eines großen Provokateurs – lautet Shapiro. Dieser Satanist verfaßte zwei blasphemische, zutiefst antichristliche Bücher mit den Titeln „Das Evangelium nach Solowjow“ und „Die Apokalypse nach Wladimir“, zusammengefaßt unter dem Obertitel „Die Chroniken der Wiederkunft“. Siehe Links: https://www.livelib.ru/book/1000826406-evangelie-ot-soloveva-vladimir-solovevhttps://www.livelib.ru/book/1000856231-apokalipsis-ot-vladimira-vladimir-solovev.

Oder hier ein weiteres Buch zur Indoktrination der Massen, das einen bekannten russischen Aphorismus aufgreift: „Wir sind Russen, Gott ist mit uns!“ Eine größere Verhöhnung dieses Volkes ist kaum vorstellbar: https://www.livelib.ru/book/1000643914-my-russkie-s-nami-bog-vladimir-solovev 

Die zweite Lüge: Wladimir Solowjow wird nicht nur von den französischen Mainstream-Medien verabscheut, sondern auch von der überwiegenden Mehrheit der Russen. Doch niemand vermag diesem arroganten Provokateur, der äußerst geschickt darin ist, höchst schädliche Manipulationsstrategien zu nutzen, den Mund zu verbieten. Er gehört beispielsweise zu einer ganzen Reihe von Vertretern einer ethnischen Mafia, die einen russisch-patriotischen Diskurs simulieren und die Behörden dazu aufrufen, Atomwaffen gegen die Ukraine und sogar gegen Europa einzusetzen.

Weiß Xavier Moreau all das? Natürlich. Doch der Mann ist im Dienst, wie ein Militärangehöriger. Er dient den Interessen der herrschenden Mafia, um persönlichen Nutzen daraus zu ziehen.

2. Fabrice Sorlin. Ein rechter politischer Aktivist, der als brillanter Verteidiger der traditionellen Familie hervorgetreten ist – und implizit als radikaler Gegner jener Politik der „Sodomisierung“ der Völker und der Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen, die von Globalisten vorangetrieben wird. Er war ein prominentes Mitglied des französischen Front National. Er stammt aus einer großen Familie traditionalistischer Katholiken. Er selbst ist Vater von zehn Kindern. Er zählt zu den führenden Mitgliedern des World Congress of Families.

Ich bin ihm mehrfach begegnet und habe ihn auf dem Podium sprechen hören. Ich habe lange Gespräche mit ihm geführt und kenne seine Eltern. Er ist ein Mann, der authentische Werte tief verinnerlicht hat; er besitzt die Berufung eines Kämpfers und ein ausgeprägtes moralisches Empfinden. Da er jedoch vom französischen Staat – der mit kabbalistischen Kreisen verbandelt ist – verfolgt wurde, sah sich Fabrice gezwungen, in Moskau Zuflucht zu suchen. Und da er unter dem Einfluß Dugins als Ideologe tätig ist und vom Oligarchen Konstantin Malofejew bezahlt wird, bleibt ihm keine andere Wahl. Er setzt sich mit aller Kraft für wahrhaft grundlegende Werte ein, doch gleichzeitig ist er gezwungen, sich den Vorgaben der offiziellen Propaganda anzupassen. Wobei ich nicht ausschließe, daß er von den okkulten Machtzentren im Westen so angewidert ist, daß er gar nicht merkt, daß er sich in den Netzen eines nicht minder finsteren russischen Machtapparats wiederfindet. Wie Sie wissen, nennt man ein solches Syndrom „Wunschdenken“ – die Verwechslung von Wünschen mit der Realität, oder anders gesagt, eine fortwährende Selbsttäuschung, die jegliche Reue betäubt.

3. Arno (Arnaud) Develay. Ein französischer Anwalt, der in den Vereinigten Staaten studiert hat. Wir haben bereits über ihn gesprochen. Seit seiner Übersiedlung nach Rußland bezeichnet er sich auch als „politischer Kommentator“ und sogar als „politischer Berater“. Er kam im März 2024 als „internationaler Beobachter“ zur finsteren Farce der sogenannten Wiederwahl des ewigen Präsidenten dieses Landes nach Rußland.

Arno ist offensichtlich ein sehr intelligenter Mann und verstand daher vollkommen, daß in Rußland unter einem tyrannischen Regime von auch nur annähernd freien Wahlen keine Rede sein kann. Dennoch nahm er diese unehrenhafte Rolle an und log mit großer Leichtigkeit, die Machthaber hätten alle rechtlichen Verfahren eingehalten. Sein Auftauchen in Moskau weckte zunächst Mißtrauen. Die Geheimdienste versuchten herauszufinden, ob dieser Mann im Auftrag seiner „westlichen Partner“ unterwegs war, mit anderen Absichten als den von ihm behaupteten. Mir wurde dies klar, als ich von einer Assistentin von Professor Dugin kontaktiert wurde. Offensichtlich ging das besondere Interesse an Arno nicht von ihr aus. Ich wurde gebeten, ihn zu charakterisieren. Ich sagte ihr, daß ich nach jahrelangem Kontakt mit ihm einen schlechten Eindruck von ihm gewonnen hatte. Ich vermutete, daß er, falls er kein verdeckter Agent eines westlichen Geheimdienstes war, mit Sicherheit ein Profiteur war, dem an Geld und einem bequemen Leben gelegen war. Obwohl er um die fünfzig Jahre alt war, war er meines Wissens nicht verheiratet und hatte daher keine familiären Verpflichtungen.

Ich erkannte, daß Arno jeglichen politischen und moralischen Idealen fernstand. Ich schlug  meiner Gesprächspartnerin, die sich als Mitglied des Dugin-Teams ausgab, mehrere Methoden zur Überprüfung Arnos vor. Unter anderem sollte man ihm einen Polygraphentest anbieten. Ich wußte, worum es ging, da ich mich in der Vergangenheit als Abgeordneter und stellvertretender Parlamentspräsident mit dem „Gesetz über Polygraphentests“ befaßt hatte. In dieser Zeit hatte ich die gesamte internationale Praxis auf diesem Gebiet studiert und mein Wissen über die Funktionsweise dieser Technologien vertieft. Ich weiß nicht, welchen Überprüfungen Arno in Moskau unterzogen wurde. Was ich aber mit Sicherheit weiß und was offensichtlich ist, ist, daß er die beschämende Position eines Kreml-Propagandisten bereitwillig annahm. Ich gehe davon aus, daß er für seine Dienste als Söldner sehr großzügig entlohnt wird. Wir müßten zu naiv sein, um die absurde Vorstellung zu akzeptieren, Arno würde ehrenamtlich für Russia Today, Sputnik und andere Plattformen arbeiten, um Desinformation zu verbreiten und die öffentliche Meinung zum Vorteil der herrschenden Clique zu manipulieren.

Eine solche Rolle kann daher ohne Übertreibung als die eines Söldners bezeichnet werden. Oder wir verwenden den Begriff „Presse-Prostituierter“ [im Englischen: “Presstitute“).

Das Internet erinnert uns daran, daß sich der Begriff „Presse-Prostituierter“ aus „Presse“ und „Prostituierter“ zusammensetzt und unethische oder voreingenommene Journalisten und Kommentatoren beschreibt. Der Begriff wird dem amerikanischen Analysten Gerald Celente zugeschrieben. Weite Verbreitung fand er jedoch erst durch das berühmte Buch des deutschen Journalisten Udo Ulfkotte. Der ehemalige Chefredakteur der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ veröffentlichte sein Buch Gekaufte Journalisten“, in dem er Journalisten der etablierten Presse beschuldigte, Bestechungsgelder von Geheimdiensten und Konzernen anzunehmen, um bestimmte geopolitische Narrative zu fördern. Er gab zu, daß er und andere europäische Medienschaffende von der CIA und dem Bundesnachrichtendienst (BND) bestochen wurden, um prowestliche und pro-NATO-Propaganda zu verfassen. 2017 bezahlte er dies mit seinem Leben, indem er einen Herzinfarkt erlitt.

Das große Problem mit ehemaligen Freunden wie Arno ist folgendes: Sie halten es für eine niederträchtige Tat, die Ehre an westliche Geheimdienste zu verkaufen, während es für sie ein Akt höchster Seelenedelmut und patriotischer Tapferkeit ist, dasselbe gegenüber dem „tiefen Staat“ in Rußland zu tun. Ich habe es schon einmal gesagt und wiederhole es hier: Solche Leute sehen die Realität nur halbherzig, hören nur halbherzig und denken nur halbherzig. So ist es bequemer – und lukrativer.

4. Alain Soral. Jahrzehntelang war Alain Soral die Speerspitze der französischen Dissidentenbewegung. Er war die lauteste Stimme bei der Entlarvung zionistischer Netzwerke in Frankreich. Als Soziologe und Autor hat er eine beeindruckende Anzahl wertvoller Bücher veröffentlicht. Über den Verlag KontreKulture (siehe https://kontrekulture.com/) hat er zahlreiche herausragende Bücher anderer Autoren herausgegeben. Ich habe mir seine Vorträge zum Thema angehört. Ich mochte seine leicht rüpelhafte, stets sarkastische Art zu sprechen. Auch schätzte ich die Tatsache, daß er Boxer ist – genau wie ich es in meiner Jugend war. Sein Mut, sich jahrzehntelang offen dem System entgegenzustellen, verdient höchste Anerkennung. Wir trafen uns mehrmals: zunächst in Moskau bei einer von RT organisierten Veranstaltung, später in Paris. Wir standen telefonisch und per E-Mail in Kontakt. Er begegnete mir freundlich und sehr offen. Ich veröffentlichte ein Buch, das ursprünglich in seinem Verlag erschienen war. Ich habe seine marxistischen oder kommunistischen Ansichten nie geteilt, doch verstand ich, daß es in Frankreich vor einigen Jahrzehnten bedeutete, die Marktgesellschaft, die Zivilisation des Geldes und die Plutokratie in all ihren Erscheinungsformen herauszufordern, wenn man Marxist war. Als alter Antikommunist, orthodoxer Nationalist und Monarchist empfand ich seine Offenheit für andere Sichtweisen als Beweis für eine besondere Intelligenz. Ich habe mich nie seiner Sichtweise auf das Putin-Regime angeschlossen. Seine Videoserie, in der er Putin pries, wirkte auf mich völlig unglaubwürdig.

Alain Soral erwies sich damit als Opfer jenes „Retter-Syndroms“, das Putin als Symbol für die Befreiung Europas und der Welt von der Herrschaft kabbalistisch-talmudischer Netzwerke stilisierte. Eine seltsame und naive Perspektive, die leider für eine besorgniserregend große Zahl von Intellektuellen weltweit charakteristisch ist. Soral hat nicht begriffen, daß auch Putins Rußland unter der totalen Kontrolle ebenjener globalistisch-satanischen Netzwerke steht. Nur greift man in diesem Land zu einer Nebelkerze, die man als „Anti-System-Diskurs und Verteidigung traditioneller Werte“ bezeichnet. Das Schema funktioniert tadellos: Falsche Dichotomien richten selbst in den gebildetsten Köpfen verheerende Schäden an. Und die satanische Agenda, der alle Länder unterworfen werden, setzt sich mit enormer Geschwindigkeit unter dem Deckmantel der Rivalität zwischen Ost und West durch. Ich erinnere mich noch sehr gut an den Moment, als er gezwungen war, in die Schweiz zu fliehen, um einer Inhaftierung in Frankreich zu entgehen. Inzwischen mußte er auch dieses Land verlassen und fand Zuflucht in Rußland. Ich mache ihm daraus keinen Vorwurf. Es wäre auch lächerlich, da ich selbst ins Ausland gehen mußte, um einer Gefängnisstrafe zu entgehen. Doch wenn ich ihn nun in der Rolle eines Propagandisten für ein Regime sehe, das ebenso pervers ist wie das französische, frage ich mich, ob er sich in dieser Position wirklich wohlfühlt. Oder vielleicht erbringt er weiterhin gewisse Dienste für das Regime – als Gegenleistung für das politische Asyl, auf das er in Rußland hofft.

Beim Blick auf meine in Moskau ansässigen französischen Freunde kam mir eine historische Parallele in den Sinn. Die Rolle, die ihnen der Kreml zugewiesen hat, gleicht jener, die das bolschewistische Regime in Sowjetrussland nach dem Umsturz von 1917 für prominente Intellektuelle vorgesehen hatte. John Reed, Romain Rolland und George Bernard Shaw wären hierfür nur einige Beispiele. Damals kamen in Rußland zig Millionen Menschen ums Leben, weitere zig Millionen wurden zur Vernichtungsarbeit in den Gulag geschickt, während westliche Schriftsteller in rosigen Farben jenes Potemkinsche Dorf schilderten, das den tyrannischen Charakter des Regimes kaschierte.

Heute sterben Hunderttausende von Soldaten und Zivilisten in einem Bruderkrieg in der Ukraine, mehr als fünfzehn Millionen Ukrainer sind auf der Flucht, beide Schwesterländer werden systematisch verwüstet, die russischen Gefängnisse sind voll von politischen Häftlingen, und die heutigen neuen Komintern-Anhänger preisen schamlos die Usurpatoren der politischen Macht in Rußland. Andernfalls könnten sie beschuldigt werden, das Spiel der Atlantiker mitzuspielen. Genau diese Art von kindischer Parteilichkeit macht sie zu Geiseln eines verlogenen und kriminellen Diskurses.

Sich von den eigenen Vorurteilen zu lösen, ist ein großer Luxus. Hier paßt das Sprichwort: Wer nicht vorwärts geht, bleibt zurück.

(Fortsetzung folgt)

PROFESSOR DUGINS AVATARE (17)

„Soft Power“ à la russe und vom Kreml-Kraken kontrollierte Dissidenz

Das Identitätsprofil der „Dugin-Konstellation“

Die in Dugins Werk synthetisierte Ideologie vereint einerseits europäisches konservatives Denken mit der Inspiration durch die Werke der ersten Welle der Eurasier wie Nikolai Trobetskoi, Pjotr Sawizki, Georgi Frolowski und Georgi Wernadski. Diese Konstellation von Intellektuellen aus der russischen Emigration leistete Großartiges, indem sie einerseits die eurozentrische Weltsicht in Frage stellte und andererseits aufzeigte, daß die kollektive Identität des russischen Volkes eng mit der während der tatarisch-mongolischen Herrschaft stattgefundenen Osmose verbunden ist. Der Kontinentalismus, vereint mit den Visionen Carl Schmitts und anderer europäischer Autoren, vervollständigt diese Weltsicht, die die Moderne als Ausdruck einer tiefgreifenden historischen Abweichung, eines gewaltigen zivilisatorischen Bruchs, ablehnt. Die Vorstellung vom ewigen Kampf zwischen Tellurokratie als Ausdruck der Landzivilisation und Thalassokratie als Ausdruck der Meereszivilisation ist zweifellos fundiert und verdient höchste Anerkennung. Erwähnt werden sollte hier auch Werner Sombart, der auf hervorragende Weise den zentralen Konflikt zwischen der vielseitigen und merkantilen Geldzivilisation, repräsentiert durch Großbritannien und die USA, einerseits und der kontinentalen Zivilisation, die auf vertikale, zeitlose Werte ausgerichtet und tief in der jahrtausendealten Tradition der Völker verwurzelt ist, beschrieben hat. Im Konflikt zwischen „Händlern“ und „Helden“ als Formen kollektiver Identität gebührt Letzteren Bewunderung.

Diese Artikelreihe beabsichtigt im Allgemeinen nicht, die philosophische und gesellschaftspolitische Vision von Professor Dugin im Detail zu analysieren. Sie kann je nach Standpunkt gelobt oder kritisiert werden. Dies wäre völlig angemessen gewesen, hätte Dugin sich im rein akademischen Rahmen bewegt und sich nicht in das heikle Terrain der Politik begeben. Da er sich jedoch trotz aller Beweise und patriotischem Verstandes für die Position der uneingeschränkten Unterstützung des Putin-Regimes entschieden hat, nimmt er die undankbare Rolle eines Förderers okkulter Interessen ein, die den nationalen Interessen Russlands diametral entgegenstehen, ganz zu schweigen vom Frieden und der Stabilität des gesamten Kontinents.

Ich persönlich weiß sehr genau, was Dugin über Putin und das Wesen dieses politischen Regimes denkt. Er hat es mir mehrfach anvertraut, aber ich werde ihn hier nicht zitieren, da es sich um private Gespräche handelt. Die scharfe und vollkommen berechtigte Kritik, die Dugin am Westen als einem ruchlosen Zivilisationsphänomen und einem dämonischen politischen Projekt übt, ist absolut stichhaltig. Ich stimme ihr voll und ganz zu. Ebenso wie all jene, die seinen „Lehren“ gefolgt sind. Doch Putin als Vorkämpfer gegen das liberale Monster und den Drachen der globalistischen Mammokratie darzustellen, beweist entweder das Fehlen eines umfassenden Verständnisses der großen Prozesse, die sich derzeit in der Welt vollziehen (angesichts seines intellektuellen Horizonts erscheint das eher unwahrscheinlich), oder eine zutiefst verwerfliche Heuchelei. Was man auch sagen mag, der Absturz von der Spitze der akademischen Welt zur beschämenden Rolle eines korrupten Propagandisten der Kreml-Fremdenherrschaft beweist ein Wesen, das sich nur schwer ehrenhaft beschreiben läßt. Was mag da auf dem Spiel stehen? Eine banale Todesangst? Das können wir nicht ausschließen, da wir den kriminellen Charakter des politischen Systems in Rußland kennen. Besonders nachdem so viele politische Gegner, Kommandeure des „Russischen Frühlings“ im Donbass und seine eigene Tochter unter höchst seltsamen Umständen getötet wurden. Es könnte aber genauso gut der unermessliche Stolz sein, sich als Teil der politischen Macht zu sehen, als Akteur der Öffentlichkeit, der maßgeblichen Einfluß auf die Ereignisse ausübt. Das sind Illusionen, gewiß. Aber wie schwer ist es doch, sie aufzugeben.

Daß Dugin mich aus seiner Sekte ausgeschlossen hat, überrascht mich überhaupt nicht. Die Logik ist einfach: Entweder man folgt der von oben gezogenen Linie, oder man ist sein Todfeind. Aber das habe ich erst in den letzten Jahren verstanden. Ich lasse seine Undankbarkeit für meine jahrelange Arbeit außer Acht, in der ich seine Bücher in eigener Kraft und auf eigene Kosten übersetzt und redigiert habe. Wobei ich zugebe, daß es nicht an Undankbarkeit liegt. Es könnte schlichtweg sein, daß seine Vorgesetzten im Kreml ihm befohlen haben, jeglichen Kontakt zu mir abzubrechen.

Ich komme zurück zu Dugins Weltanschauung. Wenn seine Kritik am Westen also durchaus lobenswert ist, so ist die von ihm vorgeschlagene Lösung falsch und gefährlich.

Ständig und bis zur Absurdität zu wiederholen, daß „der Zar gut und die Bojaren schlecht sind“, zeugt von schamloser Feigheit. Zu behaupten, Putin werde durch die „fünfte/sechste Kolonne“, repräsentiert durch die Liberalen, die er seit 25 Jahren an der Macht hält, daran gehindert, etwas Gutes für das Land zu tun, ist lächerlich. Die große Täuschung über Multipolarität/BRICS weiter zu verbreiten, insbesondere nach all dem, was unter der inszenierten Covid-19-Pandemie geschehen ist, und nach all den Maßnahmen zur Errichtung eines digitalen Gulags überall in der Welt (auch in Rußland!) ist erneut ein Ausdruck beschämender Doppelzüngigkeit.

Sich voll und ganz dem vorherrschenden Diskurs jener kabbalistischen Mafia zu verschreiben, die in Rußland die gesamte Macht kontrolliert, ist erniedrigend. Dies gilt insbesondere angesichts der Tatsache, daß sich derzeit Tausende russischer Patrioten offen zu Wort melden – ein Schritt, für den sie oft mit ihrem Leben oder ihrer Freiheit bezahlen.

Nicht anzuerkennen, daß Rußland durch seine militärische Intervention in der Ukraine in eine geopolitische Falle gelockt wurde, zeugt von völliger Unzulänglichkeit. Seit Jahren wird offen ausgesprochen, daß die Feinde Russlands diesen Krieg in der Ukraine als ein zweites Afghanistan konzipiert haben – mit dem Ziel, die Wirtschaft des Landes zu zerstören sowie soziales Chaos und den territorialen Zerfall herbeizuführen. Doch nur Dugin und die Soldaten seiner internationalistischen Armee simulieren weiterhin einen Siegeszug der russischen Armee und veröffentlichen Fotos, auf denen sie mit der Flagge der Volksrepublik Donezk posieren.

Im Laufe von Jahrzehnten ist es Dugin gelungen, eine regelrechte religiöse Sekte um sich zu scharen. In diesem fundamentalistischen Kult fungiert Putin als oberste Gottheit, während der Moskauer Magier Dugin selbst als Hohepriester auftritt. Er ist es, der die Glaubenssätze dieser neuheidnischen Religion geschaffen hat. Seine zahlreichen ideologischen Anhänger – wie etwa die bereits erwähnten, geradezu fanatischen Franzosen – bilden die Geistlichkeit dieser Sekte. Wer auch immer von den Dogmen dieses ideologischen Stammes abweicht, wird zum Ketzer erklärt, der den Feuertod verdient. Als Richter der Inquisition dieses Ordens fungieren komische Gestalten wie Lucien Cerise, denen es sowohl an Humor als auch an Realitätssinn völlig mangelt.

Der Zustand kognitiver Lähmung, den die neue Religion des Multipolarismus hervorruft, ist ein weiterer Beweis dafür, daß das Herdenverhalten selbst bei hochgebildeten Menschen ausgelöst werden kann, sofern es ihnen an echtem kritischen Urteilsvermögen und einem Mindestmaß an Demut mangelt. Der Stolz, mit den „Mächtigen der Stunde“ in Verbindung gebracht zu werden, hat über das Bedürfnis gesiegt, die eigene intellektuelle Unabhängigkeit und Analysefähigkeit zu bewahren.

Man könnte den psychologischen Zustand der Mitglieder dieses Kults folgendermaßen beschreiben: ein Zustand der Trance, der Faszination, der geistigen Blindheit, der Hypnose. Solche Phänomene wären ein lohnendes Untersuchungsobjekt für einen Religionshistoriker wie Mircea Eliade. Und doch hoffen wir, daß einige der Anhänger dieser undurchsichtigen und in sich geschlossenen sozialen Gruppe irgendwann aus ihrer Lethargie erwachen und einen Prozeß der Ernüchterung einleiten könnten. Ich hoffe zu ihrem eigenen Wohl und dem anderer, daß dies geschehen wird. Auf einen langen Zustand geistiger Berauschung sollte auch ein Erwachen folgen. Dies gilt jedoch nur für ehrliche und aufrichtige Menschen, die schlichtweg von hochkarätigen Manipulatoren getäuscht wurden. Für verdorbene, gierige und auf eigenen Vorteil bedachte Individuen ist ein solcher Prozeß nicht möglich.

Beim Nachdenken über den geistigen Zustand dieser Gruppe von Aktivisten, die für eine falsche Sache kämpfen und einer massiven ideologischen Blockade unterliegen, erinnerte ich mich an den Titel des berühmten, 1953 erschienenen Buches „Verführtes Denken“ von Czesław Miłosz. Der polnische Autor bezog sich dabei auf die kommunistische Ideologie. Doch ist die multipolare Ideologie weniger dogmatisch, weniger utopisch, weniger schädlich? Ich habe mehrere Bücher von Professor Dugin gelesen. Ich habe großen Respekt vor seinem umfangreichen und wertvollen wissenschaftlichen Werk. Doch wie bereits erwähnt, liegt seine Tragödie meiner Meinung nach darin, daß er sich in Machtspiele hat hineinziehen lassen, die ihn schwer diskreditiert haben – sowohl in den Augen des russischen Volkes, das ihn als Propagandisten der Macht wahrnimmt, als auch in den Augen einer wachsenden Zahl von Intellektuellen aus verschiedenen Ländern, die erkennen, daß Dugin vollkommen mit dem Putin-Regime verschmolzen ist und dieses bis zur Absurdität verherrlicht.

Seine zaghafte Kritik an namenlosen Bürokraten und die allegorische Sprache, mit der er seine Unzufriedenheit über die realen Probleme seines Landes zum Ausdruck bringt, erinnern mich an den Stil der kommunistischen Presse. Auch zu Zeiten der UdSSR war eine gemäßigte und eingeschränkte Kritik an Bürokraten, die von der Parteilinie abwichen, durchaus gestattet. Doch niemals durfte man die Nummer eins im Staat DIREKT kritisieren – sei es unter Stalin oder in der Ära Breschnew. Genau so verhält sich Dugin.

Fehler können jedem unterlaufen, doch Putin gilt stets als Symbol für Weisheit und Weitsicht, für Patriotismus und traditionelle Werte. Ab einem gewissen Punkt wirkt ein solches Narrativ geradezu abstoßend – ganz gleich, ob es aus lähmender Angst oder aus unehrenhafter Komplizenschaft heraus entstanden ist.