Ein Krieg bricht nicht aus, er wird gemacht. Vor dem ersten Schuß fallen die Beißhemmungen von Scham und Anstand.

Der Herbst zieht ein in Mitteleuropa. Die Blätter verfärben sich, die Temperaturen beginnen zu sinken, in Hochlagen der Alpen fällt der erste Schnee.
Die „Tagesschau“, Agentur für betreutes Denken, informiert uns, daß der September etwa 1.8 Grad zu warm gewesen sein soll, während mancherorts sensible Menschen bereits die Heizungen anwerfen und die dicken Pullover aus den Schränken ziehen. Morgens wird es später hell und dafür abends früher dunkel.
Und wie die Temperaturen fallen, fallen bei manchen Zeitgenossen zunehmend auch die Schamgrenzen.
In den vergangenen Tagen und Wochen haben die NATO-Propagandamedien einen herrlichen Zirkus veranstaltet, um die braven Michels so richtig in Angst und Schrecken zu versetzen. Diesmal ausnahmsweise nicht wegen der angeblich menschengemachten Klimakatastrophe inklusive, schmelzender Polkappen und kochender Ozeane (https://www.cnbc.com/2023/07/27/the-era-of-global-boiling-has-arrived-says-un-boss-antonio-guterres.html), sondern wegen der angeblichen russischen Provokationen. Sie wissen schon: DIESE russischen Provokationen.
Erinnern Sie sich noch, wie alles anfing? Lassen wir einmal die „Schattenflotte“ (https://anti-spiegel.ru/2025/planen-britische-geheimdienste-provokationen-gegen-russische-schiffe/) beiseite und gehen wir vom Wasser in die Luft: Da waren die (natürlich unzweifelhaft!) ‚russischen Drohnen‘, die über Polen auf friedliche Bauernhöfe oder – glücklicherweise abgeerntete – Felder gefallen waren. Der aufgewühlte Michel sah im BRD-Qualitätsfernsehen Bilder eines Feldes, auf dem irgendwer eine mit rotem Stoff bespannte blickdichte Absperrung aufgestellt hatte, hinter der eine jener bösen russischen Drohnen liegen sollte. Im Fernsehbericht, bei dem wiederholt diese Einstellung zu sehen gewesen ist, wurde auch die Drohne gezeigt: ein Standbild, eingeblendet für wenige Sekunden. Weder der Drohnentyp noch vorhandene Kennungen wurden in dem Beitrag genannt, denn solche Details benötigt der brave Michel nicht um zu wissen: die Russen waren es.
Wer denn auch sonst, möchte man fragen. Das weiß schließlich jeder, der brav sein tägliches Quantum Qualitätsfernsehen auf die Netzhaut knallt: die Russen sind aggressiv.
Kaum hatte sich der brave Michel nun von den Schockbildern aus Polen erholt, kamen schon die nächsten Einschläge, pardon: Aggressionen: da flogen russische Kampfjets angeblich minutenlang im estnischen Luftraum herum und verletzten die territoriale Integrität eines NATO-Mitgliedsstaates. Prompt ereiferten sich westliche Politiker wie der „CDU-Außenexperte“ Hardt mit der Forderung, diese Jets müßten abgeschossen werden (https://www.deutschlandfunk.de/cdu-politiker-hardt-russische-kampfflugzeuge-notfalls-abschiessen-100.html).
Was einen Berufspolitiker zum „Außenexperten“ macht, und ob die „Außenexpertise“ vom jeweiligen Parteibuch abhängig sein könnte, war bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu erfahren. Daß solche Maßnahmen nicht einmal in der Hochphase des Kalten Krieges erörtert, geschweige denn getroffen worden sind, sollte uns die qualitative Verschiebung seit 1990 verdeutlichen.
Welche Folgen ein solcher Abschuß haben könnte, erschließt sich jedem denkenden Menschen intuitiv: für Rußland wäre er der casus belli. Augenscheinlich schließt jedoch ein entsprechendes Parteibuch solche Fähigkeiten aus, außer, es handelt sich bei diesen Äußerungem um kalt kalkulierte Provokation im Wissen um die Konsequenzen – das wäre dann allerdings keine Dummheit sondern etwas anderes.
Unbelastet von Beweisen wird behauptet, Rußland habe den estnischen Luftraum über der Ostsee verletzt, während Moskau darauf beharrt, seine Flugzeuge hätten sich stets im internationalen Luftraum bewegt. Das Geschrei der Esten verwundert etwas, wenn man bereit ist, etwa 5 Minuten in eine eigene Recherche zu investieren. Ich demonstriere Ihnen gerne, wie.
- Zunächst schauen Sie sich an, wo dieses Estland überhaupt liegt; schon an dieser Frage werden nicht nur viele Journalisten und „Außenexperten“ scheitern. Man sieht: Estland liegt am „Finnischen Meerbusen“.
- Geben Sie bitte jetzt in ihre Suchmaschine ein: „Finnischer Meerbusen Luftraumregelung“.
- Lesen Sie den Artikel von Florian Warweg: „’Russische Luftraumverletzung‘ im Finnischen Meerbusen und ungeklärte völkerrechtliche Fragen“ vom 25.9. (https://www.nachdenkseiten.de/?p=139646).
Ich zitiere die für unsere Frage entscheidende Passage seines Artikels, für den ich Herrn Warweg auf diesem Wege herzlich danke:
„Hintergrund ist die besondere Geografie, die keine generelle Anwendung der sonst üblichen Zwölfmeilenregelung zulässt, da der Finnische Meerbusen an einigen Stellen nur rund 24 Seemeilen breit ist. In diesen Fällen würden sich die Zwölfmeilen-Hoheitszonen der drei Anrainerstaaten Finnland, Estland und Russland überschneiden und somit keinerlei Raum lassen für einen internationalen Korridor für Schiff- und Luftfahrt.
Daher wurde bereits seit Jahrzehnten völkerrechtskonform vereinbart, dass an diesen Stellen eine Dreimeilenzone gilt und außerhalb dieser drei Meilen ein internationaler Korridor für die Durchfahrt von Schiffen und Überflüge existiert. Dieser internationale Korridor ist für alle Anrainer extrem wichtig, da der Finnische Meerbusen den einzigen Zugang zu den Häfen von Sankt Petersburg (Russland), Tallinn (Estland) sowie Helsinki (Finnland) darstellt. Die Zwölf- bzw. Dreimeilenregelung gilt völkerrechtlich sowohl für die See- wie die Luftgrenzen.“
Kurz gesagt: Estlands Behauptung, die aggressiven Russen flögen in ihrem Luftraum herum, basiert entweder auf Unkenntnis oder einer, nun, sagen wir einmal: unglücklichen Interpretation der Luftraumregelung im betreffenden Gebiet.
Wieso die gesamte Qualitätsjournaille diesen einfach zu erforschenden Sachverhalt nicht selbst geprüft hat und stattdessen blindlings die durchschaubare Propaganda des NATO-Geschäftsmodells nachbetet, kann hier nur vermutet werden.
Es ist eine Tatsache, daß die derzeitige Situation sich nahezu perfekt in die von ebenjenen Esten bereits im vergangenen Jahr herausposaunten Pläne, den Seeweg durch den Finnischen Meerbusen für Rußland zu sperren (https://de.topwar.ru/251131-mid-rossii-blokada-finskogo-zaliva-budet-rascenivatsja-kak-narushenie-mezhdunarodnogo-morskogo-prava.html) einfügt, was Moskau als Verstoß gegen das internationale Seerecht ansieht.
Ebenso ist es eine Tatsache, daß seit Einrichtung des NATO-Kommandozentrums in meinem schönen Rostock die Pläne der friedliebenden NATO, die Ostsee vollumfänglich zu überwachen (warum wohl?) nicht nur Fahrt aufgenommen haben, sondern auch in den Qualitätsmedien breit kommuniziert worden sind – natürlich stets mit dem Hinweis, man reagiere auf den aggressiven Russen (https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/NATO-verstaerkt-Ueberwachung-der-Ostsee-Koordinierung-von-Rostock-aus,ostsee890.html).
Daß eine NATO-Installation auf dem Gebiet der früheren DDR eine Verletzung des „Zwei-Plus-Vier Vertrags“ zur sogenannten „Deutschen Einheit“ darstellt, und daß eine Vertragsverletzung selbigen Vertrag nichtig macht und möglicherweise den Status-quo ante wiederherstellt, sei hier nur am Rande erwähnt.
Nun ist Herr Warweg einer der letzten echten Journalisten hierzulande, was sich wiederkehrend anhand seiner präzisen Fragen bei der Bundespressekonferenz beweist. Zur angeblichen Luftraumverletzung befragte er auf der Bundespressekonferenz die dort anwesenden Regierungsvertreter, den Wortlaut hat er in seinem Artikel vollständig wiedergegeben (für leseschwache BRDler gibt es ein eingebettetes Video).
Herr Warweg kommentiert das Ganze meines Erachtens folgerichtig:
„Die skizzierte komplexe völker- und grenzrechtliche Lage im Finnischen Meerbusen und die Tatsache, dass die Bundesregierung sich nicht in der Lage zeigte, adäquat die Fragen nach Zwölf- oder Dreimeilenzone zu beantworten, zeigen noch mal eindrücklich, wie unverantwortlich ein Großteil von Medien und Politik hier mit voreiligen Verurteilungen und Abschussforderungen reagiert haben.“
Nun kann jedem einmal ein Mißgeschick passieren. Der Finnische Meerbusen ist klein und weit weg. Der Medienalltag ist von Hektik geprägt, jeder hechelt nach der sensationellen Schlagzeile. In einem solchen Umfeld kann es zu Fehlern kommen, das ist verständlich. Wenn hingegen stets und ausschließlich eine Seite zitiert und als glaubwürdig dargestellt, die andere Seite jedoch immer verteufelt und ihre Sachargumente ignoriert werden, dann handelt es sich eben nicht mehr um ausgewogene Berichterstattung. Dann handelt es sich um Propaganda:
„[…] die Grenzen zwischen dem, was möglicherweise war, nicht war und dem, was ist und nicht ist, werden von den Medien verwischt. Das ist der perfekte Nährboden für Propaganda.“ (https://www.nachdenkseiten.de/?p=139472)
Sie haben die „Nachdenkseiten“ bisher noch nicht abonniert? Das sollten Sie jetzt tun.
Nach den russischen Jets im Baltikum mußte die Show munter weitergehen, schließlich gilt es, den braven Michel in jenem dauerhaften Angstzustand (vgl.: Pandemie, Klimawandel, Terrorismus) zu halten, in den ihn die hysterisierenden Medien und die Politdarsteller erfolgreich versetzt haben.
Und so schweben nun seit einigen Tagen „mutmaßliche [sic!] Drohnen“ über Dänemark (https://www.tagesschau.de/ausland/europa/daenemark-aalborg-drohnen-100.html) und ganz schnell wurde bekannt, daß ein Schiff der russischen Marine, genau lesen: „in internationalen Gewässern“ in der Nähe der dänischen Küste gelegen haben soll (https://ekstrabladet.dk/krimi/afsloeret-midt-i-drone-kaos-putins-krigsskib-i-skjul-ved-langeland/10956645). Schließlich haben „Experten […] in den vergangenen Tagen vermutet, dass die Drohnen von einem Schiff aus gesteuert worden sein könnten – möglicherweise solchen, die zur sogenannten russischen Schattenflotte gezählt werden.“
Die internationalen Gewässer, Vermutungen der Experten, der Russe in der Ostsee und „mutmaßliche Drohnen“ – da weiß der konditionierte BRDler dank seiner Medien genau Bescheid!
Und damit es auch jenen, die bis dato noch nicht hinter die Fichte geführt worden sind, ganz eindeutig klar werden kann, hat es die dänische Regierung, also eine offizielle Stelle, unmißverständlich mitgeteilt: „Die dänische Regierung hatte in der Woche von einem ‚hybriden Angriff‘ gesprochen. Die Ermittler gehen von einem professionellen Akteur mit den nötigen Fähigkeiten aus, der damit Unruhe in dem NATO-Land stiften will.“ (https://www.tagesschau.de/ausland/europa/daenemark-drohnen-100.html)
Daß „Rußland“ gleich im darauffolgenden Satz erwähnt wird, ist bestimmt nur einer jener Zufälle.
Der BRD-Kanzler verstärkt die Botschaft: „Die Vermutung liegt nahe, dass die Drohnen von Russland kommen“ (https://rp-online.de/politik/deutschland/kanzler-merz-beim-staendehaus-treff-in-duesseldorf-nicht-im-krieg-auch-nicht-im-frieden_aid-135896829).
Natürlich sind das alles ausschließlich „russische Provokationen“, das weiß doch jedes Kind. Genauso wie jedes Kind 2020 gewußt hatte, daß auf den olivgrün gestrichenen LKW, die nachts ohne jede Kennung durch eine mediterran aussehende Stadt gefahren sind, die bedauernswerten Coronatoten von Bergamo gestapelt gewesen sind…
Geben Sie einmal „russische Provokationen“ in das Internet-Suchprogramm Ihrer Wahl ein, und lassen Sie das Ergebnis auf sich wirken. Achten Sie bitte dabei besonders auf die Sprache, die bekanntlich immer die Intention verrät.
Am 29. September beunruhigte uns „T-Online“ damit, daß die frechen Russen einfach nicht aufhören, die friedliche NATO zu provozieren: „Russische NATO-Provokationen – Es nimmt kein Ende“ (https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/krisen/id_100929252/russische-nato-provokationen-das-ist-in-den-vergangenen-woche-passiert.html). Der brave Michel, der doch nur seine Ruhe haben will, schrickt natürlich auf und stöhnt: ‚Nicht schon wieder‘. Und so steigt sein Empörungspegel über die aggressiven Russen, die BRD-Qualitätsmedien zwingen ihn mit tagtäglichen Schreckensnachrichten in den Nervenzusammenbruch. Zumal er ja bereits seit dem 11. September weiß, daß „Russische Drohnen […] wohl bis nach Frankreich“ (https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/krisen/id_100909180/polen-schiesst-russische-drohnen-ab-diese-geraete-wurden-gefunden.html) fliegen können. Das kleine, aber entscheidende Wörtchen „wohl“, das doch einen gewissen Potentialis andeutet, überliest der hysterisierte Medienkonsument, weshalb er dann in Gesprächen am Stammtisch (real oder virtuell) in der Gewißheit des Kenners über „Putins Provokation“ (ebd.) fachsimpeln kann.
Da muß doch etwas passieren, daß die Russen endlich aufhören!
Heute, am ersten Oktober, konnte sich der nicht der allgemeinen Massenverblödung anheimgefallene Verschwörungstheoretiker (m-w-d) davon überzeugen, daß pünktlich zum Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen wieder mächtig Wind gemacht wird, um die Hysterie am Kochen und den Blutdruck des braven Michels oben zu halten: Drohnenalarme wohin das Auge blickt, diesmal vor allem in Schleswig-Holstein, wo ganze Schwärme von nicht identifizierten Flugobjekten sensible Infrastruktur, darunter sogar ein Krankenhaus!, ausspioniert haben (https://www.welt.de/politik/deutschland/article68dcda7eeb7e531160b3f58c/alarm-in-schleswig-holstein-verdaechtige-drohnen-sollen-kraftwerk-und-thyssenkrupp-werft-ueberflogen-haben.html). Dank der Agentur für betreutes Denken wissen wir, daß „Drohnen die Gefahr von oben“ sind (https://www.tagesschau.de/ausland/europa/drohnen-faq-100.html) – zumal „Drohnen unbekannter Herkunft“, die „aus Moskau gesteuert“ gesteuert werden (https://www.tagesschau.de/ausland/europa/eu-vor-gipfel-kopenhagen-100.html).
Der Russe soll künftig keine Gelegenheit mehr haben, Krankenhäuser auszukundschaften: vereint macht sich die EU an die „Arbeiten am Projekt ‚Drohnenwall'“ (https://www.tagesschau.de/ausland/europa/eu-vor-gipfel-kopenhagen-100.html).
Das Projekt „ist eine gemeinsame Initiative Deutschlands, Polens, Finnlands und der baltischen Staaten mit dem Ziel, ein mehrschichtiges System zur Überwachung und automatisierten Abwehr von Drohnen entlang der Grenze zu Russland zu errichten. Das Projekt befindet sich derzeit in der Entwicklungs- und Auswahlphase der Prototypen.“ (https://anti-spiegel.ru/2025/der-eu-verteidigungskommissar-konnte-nicht-erklaeren-wie-das-projekt-drohnenmauer-funktioniert/)
Das Volksvermögen der EU-Bürger wird in militärische Projekte geleitet, dafür sorgen die Politmarionetten. Die Bundeswehr (https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2024/kw23-de-regierungsbefragung-1002264) und die Bevölkerung (https://www.focus.de/politik/ausland/broschueren-und-bunker-europas-zivilbevoelkerung-wird-kriegstuechtig-gemacht_id_260522210.html) werden „kriegstüchtig“gemacht, dafür sorgen die Politmarionetten mit den angeschlossenen Qualitätsmedien.
In der kommenden Woche wird das Kasperltheater im Reichstag die Vorlage zum Wehrdienstgesetz beraten. Scharfmacher haben sich auch schon postiert (https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/wadephul-wehrpflicht-100.html).
Daß wir uns am Ende an der ganzen Propaganda verschlucken, die eigenen Lügen glauben und in einem heißen Krieg mit der atomaren Supermacht Rußland verglühen, wäre durchaus im Sinne gewisser Kreise jenseits des Ärmelkanals und noch weiter westlich.
Die antideutsche BRD hetzt uns in den Krieg. Es liegt an uns, ob wir es so weit kommen lassen.
Stefan H. Heuer, M.A.
Historiker, geboren 1964, arbeitete als Dozent in der Erwachsenenbildung und u.a.
in der Personalentwicklung für ein US-amerikanisches Unternehmen in Deutschland.