…und dem aufmerksamen Beobachter einen Fingerzeig auf unheilige Allianzen

Nun also Berlin. Der umtriebige Chef des international vernetzten Familienunternehmens, das den Iran zurück unter den Daumen der Krone bringen will, der Privatier Reza Pahlavi, besucht die Hauptstadt der BRD und kritisiert flugs die BRD-Regierung dafür, daß sie nicht mehr unternimmt, um ihm den Thron, pardon, den Iranern die Freiheit zu bringen. Das angebliche Zögern der Bundesregierung nennt er eine „Schande“:
„Reza Pahlavi fordert bei seinem Besuch in Berlin einen Regimewechsel im Iran: Der Sohn des ehemaligen Schahs hält sich in Deutschland auf, um Unterstützung für seine weltweite Kampagne zum Sturz der iranischen Führung zu gewinnen. In einer Rede in der Hauptstadt bezeichnete er die Weigerung der deutschen Regierung, sich mit ihm zu treffen, als ‚eine Schande‘.“
(https://www.dw.com/en/reza-pahlavi-calls-for-regime-change-in-iran-on-berlin-visit/a-7690635).
Das entspricht seiner Linie: der Mann ist im Rentenalter und will noch herrschen – angeblich nur, um eine „Übergangsregierung“ (https://www.sueddeutsche.de/politik/reza-pahlavi-berlin-iran-opposition-li.3472199?reduced=true ) zu leiten. Nun, solche Übergangspräsidenten mit dem Segen des Westens kennen wir schon aus Syrien, wo seit Dezember 2024 der Kopfabschneider Al-Jolani dem syrischen Volk den Übergang von einer säkularen Nation zu einer salafistischen Folterkammer beschert, und auch der Komiker Selenski darf seit Mai 2024 ohne Wahlmandat das Amt des ukrainischen Präsidenten usurpieren, ohne von den die sogenannten „westlichen Werte“ stets im Munde führenden Vertretern der EU oder der USA gerügt zu werden. Knallharte Diktatoren wie Reza Pahlavis Vater, Jolani oder Selenski sind dem Westen immer lieb, wenn er sie in der eigenen Tasche hat.
Seit dem von den USA und England 1953 betriebenen Sturz des demokratisch gewählten iranischen Präsidenten Mossadegh und der Rückführung der von ihm nationalisierten Ölförderung in die treuen Hände der britisch-niederländischen und US-amerikanischen Ausbeuter sowie der Wiedereingesetzten des Shahs als Marionette der westlichen Ölkonzerne sind die Bande eng zwischen den USA und der royalen Familie.
Mossadegh war ein Patriot, der seinem Volk Freiheit und Wohlstand verschaffen wollte – das war sein Fehler. Die CIA übernahm und erledigte das Problem (https://www.cia.gov/readingroom/docs/the%20central%20intelligence%20%5B15369853%5D.pdf).
Mossadeghs Leistungen für den Iran darf man nicht unterschätzen:
„In einer Zeit, als die Politik im Iran von der Monarchie, dem Klerus und militärischen Interessen dominiert wurde, bot Mossadegh eine mutige Vision einer Regierungsführung, die auf Konstitutionalismus, Rechtsstaatlichkeit und dem Willen des Volkes basierte. Seine Amtszeit als Premierminister war zwar nur von kurzer Dauer, markierte aber eine bemerkenswerte Abkehr von der vorherrschenden autoritären Ordnung. Durch politische Maßnahmen wie die Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie bekräftigte Mossadegh nicht nur die wirtschaftliche Unabhängigkeit, sondern auch das grundlegende Selbstbestimmungsrecht der Nationen.“
Solcherlei Eigenwilligkeiten darf man sich nicht leisten, wenn die Versorgung der gierigen kapitalistischen Ungeheuer im Westen betroffen ist. Insofern ist der von außen durchgeführte Coup vor allem der schlagende Beweis, daß Demokratie nach westlichem Vorbild dann vom Westen nicht hingenommen wird, wenn sie ihm den quasi kostenlosen Zugang zu den Ressourcen anderer Länder erschwert.
Der Schah, die dienstbare Handpuppe der westlichen Ölkonzerne, wurde also wieder auf den Thron in Teheran gesetzt, und herrschte fortan, von 1953 bis zu seinem Sturz und der Flucht ins Exil, mit eiserner Faust; er ließ das Volk, das ihm egal war, büßen, daß er während der kurzen Periode der selbst errungenen Freiheit außer Landes hatte gehen müssen:
„Laut einem Bericht von Amnesty International aus dem Jahr 1976 schlug der gefürchtete Geheimdienst des Schahs (SAVAK) politische Gefangene häufig mit Stromkabeln, vergewaltigte sie und riss ihnen Finger- und Zehennägel aus, um falsche Geständnisse zu erzwingen. ‚Letztendlich war das Regime des Schahs eine brutale Diktatur und keine Demokratie‘ […]“
Das Öl floß außer Landes, die Gelder in die Taschen des Schahs, das unterdrückte Volk verarmte.
Ausbeutung und Unterwerfung unter fremde Herrscher, dafür steht der zweite Pahlavi. Der Dritte scheint es ihm gleichtun zu wollen, und seine Freunde scheinen die selben wie die seines Vaters zu sein:
„Seine Familie unterhielt seit dem Staatsstreich von 1953 Beziehungen zur CIA […]. Im Jahr 2006 richtete die Regierung von US-Präsident George W. Bush den Iran Democracy Fund ein und stellte 75 Millionen Dollar für die Unterstützung iranischer Oppositionsgruppen und für Propaganda gegen die Regierung bereit.“
(https://www.britannica.com/biography/Reza-Pahlavi)
Nicht nur von den USA erhofft er sich seine Inthronisierung. Auch mit dem Terrorstaat Israel, der Völkermord an den Palästinensern wie auch an der Bevölkerung des Libanon begeht, um „Großisrael“ zu erzwingen, einem Staat, in dem Christen und Muslime schikaniert werden, wenn man sie nicht gleich vertreibt und ihre Gotteshäuser zerstört, pflegt der Prinz engste Beziehungen. Dabei verweist er gern auf die engen Beziehungen, die sein Vater zu den bluttriefenden Schlächtern in Tel Aviv unterhalten hatte, und die er beizeiten erneuern möchte:
„Yasmine und ich haben uns sehr gefreut, @IsraeliPM und Sara @netanyahu zu treffen.
Wir haben unsere Wertschätzung für Israels anhaltende Unterstützung der demokratischen Bestrebungen des iranischen Volkes zum Ausdruck gebracht und betont, dass die Iraner als Nachkommen von Kyros dem Großen eine Regierung anstreben, die sein Vermächtnis der Toleranz gegenüber anderen Glaubensrichtungen und des Schutzes der Menschenrechte würdigt. Der Tag wird bald kommen, an dem die iranische Nation und Israel normale Beziehungen pflegen und einen für beide Seiten bereichernden und vorteilhaften kulturellen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Austausch pflegen.“
>> Bild 2: Ein Prinz übt sich in Unterwerfung <<
Anläßlich seines ersten Besuches bei seinen Freunden im Jahr 2023 schrieb Reza Pahlavi, er wolle „eine Botschaft der Freundschaft des iranischen Volkes überbringen“ (https://www.dw.com/de/iran-symbolische-reise-des-ex-kronprinzen-nach-israel/a-65368628. Daß das iranische Volk den Privatier aus den USA gar nicht autorisiert hatte, irritierte angesichts der schönen Bilder und warmen Worte niemanden im Westen. Und bereits zwei Jahre später haben die Iraner vorgeführt bekommen, was „Israels anhaltende Unterstützung der demokratischen Bestrebungen des iranischen Volkes” bedeutet: Mord, Terror, Vernichtung.
Als Israel und die USA den Iran angriffen, war der Prinz ganz begeistert. Die Ermordung iranischer Zivilisten und die Zerstörung der Infrastruktur nannte er eine „humanitäre Intervention“ (https://www.aljazeera.com/features/2025/7/3/son-of-former-shah-loses-credibility-after-justifying-israels-war-on-iran) und pries den Aggressor:
„Trump wird als der Staatschef in Erinnerung bleiben, der [dem iranischen Volk] in der entscheidenden Stunde zur Seite stand“
(https://www.jpost.com/middle-east/iran-news/article-888322).
„Humanitäre Interventionen“ des Westens haben eine spezifische Geschichte. Afghanistan, Irak, Syrien, Mali, Libyen, Somalia, Sudan sind Namen, die in dem Zusammenhang zu nennen sind. Nach dem Ermorden von Hunderttausenden, wenn nicht gar Millionen in den unglücklichen Ländern auf der Todesliste des bösen Imperiums steht der Iran bekanntlich an letzter Stelle (https://genius.com/General-wesley-clark-seven-countries-in-five-years-annotated). Daß es dabei immer um handfeste geostrategische Interessen des westlichen Hegemons sowie dessen Ressourcenhunger geht, kann nicht ernsthaft bestritten werden.
https://www.youtube.com/watch?v=-KkNAQIuGZY).
(“We’re going to take out seven countries in five years, starting with Iraq, and then Syria, Lebanon, Libya, Somalia, Sudan and, finishing off, Iran.“)
Der unermüdlich für den gewaltsamen Regimewechsel trommelnde Pahlavi unterstützt die Angriffe gegen das Land, welches er als seine Heimat bezeichnet, und gegen das Volk, das er zu repräsentieren ( https://www.dw.com/de/reza-pahlavi-in-berlin-vertreter-des-iranischen-volkes/a-76912377) die Chuzpe hat zu behaupten. Die von den USA in Minab zerfetzten iranischen Schulkinder nannte er „Kollateralschäden“ (https://www.jungewelt.de/artikel/521454.pahlavi-auf-berlin-besuch-t%C3%BCr%C3%B6ffner-f%C3%BCr-den-westen.html). Genau so bezeichnet die NATO ihre zivilen Opfer (https://nrdc-ita.nato.int/newsroom/insights/understanding-collateral-damage-in-everyday-life-from-military-operations).
Nun, das ist diejenige Sorte robuster moralischer Verdauung, die der Westen liebt. Denn die aufwändig medial aufpolierten Figuren plappern brav das Textbuch nach, unabhängig davon, wie hoch der Blutzoll ist, den das angeblich zu befreiende Volk entrichten muß. Für die Plappermäuler mit Herrschaftsambitionen lohnt es sich, den Massenmördern in Washington und Tel Aviv die Füße zu küssen.
Herr Pahlavi, der selbsternannte Führer der iranischen Opposition, glänzte in Berlin allerdings auch mit Wohlklang für westliche Ohren :
„Bemerkenswert war Pahlavis skizzierte ökonomische »Vision« für eine säkulare Übergangsregierung, die er anzuführen gedenkt. Ein »freier« Iran werde zu einem »Partner für die regionale wirtschaftliche Integration«, sagte er. Irans »Energiepotential« werde wieder »an die globalen Märkte angebunden« sein. Die Ölvorkommen würden so »europäischen Verbrauchern, den Nachbarn am Persischen Golf und dem iranischen Volk gleichermaßen zugutekommen«. Pahlavi sprach von der »größten ungenutzten Chance für regionalen Frieden seit einer Generation« und von »wirtschaftlichen Chancen im Wert von mehr als einer Billion Dollar für das kommende Jahrzehnt«. (https://www.jungewelt.de/artikel/521454.pahlavi-auf-berlin-besuch-t%C3%BCr%C3%B6ffner-f%C3%BCr-den-westen.html)
Sicher nur zufällig klingt das ganz ähnlich wie Trumps Immobilienentwicklungsprojekt für Gaza (https://syrianews.cc/a-truly-happy-future-some-questions-about-the-new-gaza/). Während dort erst einmal die lästigen Ureinwohner verscheucht oder ermordet werden, bevor das goldene Zeitalter anbrechen kann, würde mit dem mittels Sanktionen wirtschaftlich strangulierten Iran, so die feuchten Träume der westlichen Imperialisten, ein hochentwickeltes Land mit enormen Energieressourcen wie ein reifer Apfel in ihre räuberischen Hände fallen. Der Weg nach Teheran wird gerade asphaltiert, und für die vom Westen erwünschten Veränderungen hat der geschäftige Herr Pahlavi auch schon einen Plan (https://www.iranprosperityproject.com/downloads/Emergency_Phase_ENGLISH_20260323_0823.pdf). Den „Wohlstand“, den er darin verspricht, wird, das lassen die bisherigen westlichen Umstürze in Westasien und Afrika erahnen, weniger dem Volk als den Strippenziehern im Westen zufallen.
Der einfache westliche Mann von der Straße, geplagt von explodierenden Lebenshaltungskosten, hört hingegen von Öl, daß endlich wieder in die Tankstellen des Westens fließt. Das wird ihm ein ausreichender Grund sein, die geplante brutale Unterwerfung eines hochzivilisierten Volkes unter die ausbeuterische Fremdherrschaft der westlichen Plutokratien abzunicken. Dafür zahlt er gerne Steuern. Und auch die EU scheint auf ihrem heute stattfindenden Gipfel auf Zypern die Frage zu erörtern, wie man mit dem frecherweise unbotmäßigen Iran umgehen muß, um die eigenen imperialen Interessen zu vertreten (https://de.euronews.com/my-europe/2026/04/23/gipfel-zypern-eu-beistand-nato-ukraine-iran).
Um den illegalen und nur unter Zwang möglichen Regimewechsel äußerlich irgendwie angenehm, sozusagen „demokratisch“ erscheinen zu lassen, braucht es für die (bekanntlich wenig informierte und noch weniger interessierte) Mehrheit im Westen, die die Maßnahmen schließlich bezahlen soll, eine charismatische Figur. Einfache Menschen lesen keine Strategiepapiere. Und genau für diesen Zweck benötigt der Terrorwesten, der den Iran seit 1979 stranguliert, eine Schaufensterpuppe, die er nach taktischen Erwägungen ausstaffieren und präsentieren kann. Es erscheint möglich, daß Herr Pahlavi für diese Rolle aufgebaut wird. Dabei übersieht der Westen, daß dieser Herr eine dubios anmutende Rolle innerhalb der Oppositionsbewegungen der Exilrianer spielt:
„Pahlavis Bewegung entwickelte sich im Laufe der Jahre zu etwas weitaus Dunklerem und Gefährlicherem, insbesondere nachdem er sich 2023 praktisch aus einer Koalition zurückgezogen hatte, die von acht prominenten iranischen Oppositionellen an der Georgetown University gebildet worden war, und sich selbst zum alleinigen Führer der iranischen Opposition erklärt hatte. […] Um zu verstehen, wie extremistisch und zunehmend gewalttätig die Pahlavi-Bewegung geworden ist, braucht man nur den jüngsten Mord an dem kanadisch-iranischen Demokratieaktivisten Masood Masjoody in British Columbia zu betrachten.“
(https://zeteo.com/p/iran-reza-pahlavi-dangerous-movement).
Über den Mord berichteten kanadische Medien (https://www.theglobeandmail.com/canada/article-bc-mathematician-critical-of-iranian-regime-killed-by-people-known-to/), die der BRDler allerdings nicht liest. Deshalb ist er völlig unwissend über die Figuren, die die hiesigen Medien ihm auftragsgemäß aufhübschen.
Innerhalb der Oppositionsbewegungen ist Reza Pahlavi also umstritten, aber das schert den Westen nicht, wenn man dem steuerzahlenden Volk ein Aushängeschild präsentieren kann. Schließlich ist er das „einzige Oppositionsgesicht, das man kennt“ (https://www.tagesschau.de/video/video-1578220.html). Noch ist er nicht geeignet für ein Treffen mit den Regierunsgdarstellern der Plutokratie in Berlin, aber das könnte sich ändern. Schließlich hat Berlin Erfahrung darin, Marionetten hochzujazzen (https://syrianews.cc/genocidal-still-moderate-germany-supports-rebels-certain-reason/).
Und wenn dann endlich das iranische Öl in den Tanks der westlichen Autos schwappt, werden wir, die goldene Milliarde des Westens, den Iranern verzeihen, daß wir sie angegriffen, ihre Schulen bombardiert, ihre Kinder ermordet und sie schließlich unter die Herrschaft eines Herrn Pahlavi gezwungen haben.
Denn, nicht wahr, wir sind doch immer die Guten.
Stefan H. Heuer, M.A., geboren 1964, Historiker, hat als Dozent in der Erwachsenenbildung sowie in der Personalentwicklung u.a. eines international tätigen VS-amerikanischen Dienstleistungsunternehmens gearbeitet.