Stefan H. Heuer: Vom Wertewesten garantiert: Frauenrechte in Syrien (30. Juli 2025)

Frauenrechte in Syrien Jolani
Frauenrechte in Syrien Jolani

Dort, wo der Westen seine „regelbasierte Weltordnung“ durchsetzt, wie jüngst in Syrien, werden Minderheiten terrorisiert und ihrer grundlegendsten Rechte beraubt.

Die Hölle ist leer, und alle Teufel sind hier.“
W. Shakespeare, Der Sturm

Vielleicht erinnern Sie sich noch, als im vergangenen Dezember die damalige Außenministerin der VSA-Kolonie BRD, die Erfinderin der „feministischen Außenpolitik“, gewandet in engen Jeans und figurbetonender Bluse, in Damaskus aufgeschlagen war (https://multipolaristen.de/stefan-h-heuer-verpixelter-feminismus-in-damaskus-07-01-2025/).

Nach dem Sturz des vom Volk gewählten Präsidenten Bashar Al-Assad war die Dame Baerbock eiligst zu dem vom Westen unterstützten HTS-Boss Al-Jolani gereist, der sich selbst zum „Übergangspräsidenten“ ernannt hatte, um ihm die Sympathie und Unterstützung der Bundesregierung versichern – Freundschaftsgaben also, die das Regime der BRD seit Beginn des vom Westen inszenierten Terrorkriegs gegen Syrien großzügig an die mit vielen wohlklingenden Namen versehenen Zweige ein und der selben westlich inszenierten Terrorzelle, nämlich Al-Qaeda, verteilt hatte. Denn in der Tat hatte die BRD eine führende Rolle in dem Krieg gegen Syrien innegehabt (https://www.voltairenet.org/article190087.html).

Nun galt es also, die von Berlin freundlich unterstützten Kopfabschneider, Massenmörder und Frauenschänder nach ihrem Sieg in der richtigen Spur, also auf der Linie des Westens, zu halten. Als gute Feministin und Vorkämpferin der westlichen „regelbasierten Weltordnung“ sprach Frau Baerbock in diesem weihevollen Moment im Präsidentenpalast natürlich über Menschenrechte, die ja auch Frauenrechte sind, oder war es umgekehrt: Frauenrechte, die Menschenrechte sind? Nun, wie dem auch sei, die tapfere Dame aus Berlin legte jedenfalls den Schutz der Rechte der syrischen Frauen in die Hände von – einem Mann. Aber das ist zu verstehen, schließlich ist HTS eine islamistische Organisation, da gibt es keine Frauen in Führungspositionen, da gibt es überhaupt keine Frauen. Das hat die Patentfeministin Baerbock eingesehen, und wir gleich mit ihr. Also, besagtem Mann wurde der Schutz der Rechte der syrischen Frauen anvertraut, und keinem geringeren als dem vom selbsternannten „Übergangspräsidenten“ eingesetzten neuen „Justizminister“ (https://www.fr.de/politik/neues-rechtssystem-scharia-ordnung-assad-sturz-buergerkrieg-syrien-hts-regime-kuendigt-93465539.html). Und dieser war zuvor als Fachmann für Frauenrechte im von Erdogan und Putin eingerichteten HTS-Islamistenparadies Idlib bekannt geworden, wo er als „Schariarichter“ Frauen zum Tode verurteilt hatte (https://www.heute.at/s/videos-zeigen-syrischer-minister-liess-frauen-toeten-120081685).

Das sind genau die Spezialisten für Menschlichkeit, die unsere westlichen Führer lieben. Deswegen setzen sie sie ja auch ungefragt überall dort ein, wo sie den bisher herrschenden (vom Volk legitimierten) Regierungen – natürlich nur aus Gründen der Durchsetzung der Menschenrechte! – Legitimität absprechen. Wahrscheinlich deshalb ist Frau Baerbock kurz nach ihrem Debut ein weiteres Mal nach Damaskus gereist und hat die Wiedereröffnung der Botschaft der BRD mit der Drohung angekündigt, die Bundesregierung habe ein großes Interesse an einem „stabilen Syrien“

(https://apnews.com/article/syria-germany-damascus-embassy-reopened-baerbock-a15841ab2b64844fe0738cf962135921 ).

Damals hatte ich – die zugegeben eher rhetorische – Frage gestellt, wie diejenigen, die den Verschwörern geholfen haben, Syrien zu zerstören, nun kompetent und vertrauenswürdig sein sollen, um Syrien wieder zu einer „stabilen“ Lage zu verhelfen, und gemutmaßt, diese Frage werde wohl unbeantwortet bleiben (https://syrianews.cc/mission-accomplished-germany-back-to-syria/).

Nun war jedem Menschen, der auch nur ganz oberflächlich die wirklichen Ereignisse in Syrien während des vom Westen und seinen regionalen Helfern inszenierten vierzehnjährigen Terrorkrieges verfolgt hatte, vollkommen einsichtig, daß brutalste Kopfabschneider nicht allein dadurch über Nacht zu warmherzigen und hilfsbereiten Engeln mutieren, daß man sie in Businessanzüge steckt und ihnen den Bart stutzt. Aber selbst wer die Jahre seit 2011 im geistigen Koma verbracht hatte und erst unter dem Eindruck der kindlich plappernden und in einem sprachlich armen Englisch radebrechenden BRD-Außenministerin einen halbwegs befriedigenden Zustand geistiger Wachheit erlangt hatte, hatte bei vorhandenem guten Willen die drohenden Zeichen an der Wand sehen können.

Stellvertretend für die nach Al-Jolanis Sprung auf den damaszener Präsidentensssel einsetzende Verfolgung der ethnischen und religiösen Minderheiten sei hier ein von RT geführtes Gespräch mit einer syrischen Nonne über die Situation in ihrer Heimat aufgeführt:

6. Januar 2025: „Angesichts von Berichten über Drohungen und Angriffe auf religiöse Minderheiten breitet sich in Syrien die Angst vor einem erneuten konfessionellen Konflikt aus.
RT diskutierte die Lage mit der Oberin des Klosters St. Jakobus der Verstümmelte in Syrien, die erklärte, womit Christen nach dem Sturz der Assad-Regierung in dem von Islamisten regierten Land nun konfrontiert sind.“

(https://old.bitchute.com/video/TSTUESF450kP/).

Dessen ungeachtet durfte der „Außenminister“ der Al-Qaeda, pardon: HTS, pardon: „Übergangsregierung“, ein erfahrener Kämpfer, ganz offiziell zur EU nach Brüssel reisen und Schulterklopfen sowie Geldversprechen einsammeln (https://syrianews.cc/al-qaeda-goes-to-brussels/).

Im Frühjahr dann mußten die Menschen im Westen ganz heftig Augen und Ohren verschließen, um die weltöffentlich gewordene Verfolgung der Alawiten durch die vom Westen installierten HTS-Jihadisten nicht wahrnehmen zu müssen. Diesen Massakern der wertewestlich anerkannten damaszener Herrscher sind nach offiziellen Angaben mindestens 1.700 Menschen zum Opfer gefallen.

Und nun? Kaum haben sich die braven Bürger des Wertewestens wieder in ihrer häuslichen Behaglichkeit fernab aller von ihnen finanzierten und von ihren Regierungen im Auftrag gewisser Herrschaften inszenierten Kriege und Regimechanges eingerichtet, da können sie, wenn sie es denn wollen, von der neuesten Entwicklung Kenntnis nehmen:

Entführungen alawitischer Frauen in Syrien angeprangert

Beirut. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat die Entführungen von Frauen und Mädchen der religiösen Minderheit der Alawiten in Syrien angeprangert. Die Organisation erklärte am Montag, ihr lägen glaubhafte Berichte über die Entführung von 36 alawitischen Frauen und Mädchen innerhalb der vergangenen Monate vor. Amnesty habe selbst acht der 36 Fälle dokumentiert. Nur in zwei der acht Fälle seien die Opfer zu ihren Familien zurückgekehrt, hieß es weiter.

Die Gemeinschaft der Alawiten sei bereits durch frühere Massaker »am Boden zerstört« gewesen und nun »durch diese Welle von Entführungen zutiefst erschüttert« worden, erklärte Amnesty-Generalsekretärin Agnès Callamard. Frauen und Mädchen hätten Angst, allein das Haus zu verlassen, fügte sie hinzu.

Amnesty International rief die syrischen Behörden auf, dringend Maßnahmen zu ergreifen, um gegen »geschlechtsspezifische Gewalt« vorzugehen. Zudem müssten die Fälle von entführten und verschleppten alawitischen Frauen und Mädchen »unverzüglich, gründlich und unparteiisch« untersucht und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden, forderte die Menschenrechtsorganisation.

Die UN-Untersuchungskommission zu Syrien teilte im vergangenen Monat mit, die Verschleppung von mindestens sechs alawitischen Frauen dokumentiert zu haben. Die Kommission erklärte, sie habe zudem »glaubhafte Berichte« über weitere Entführungen erhalten.

Seit dem Sturz Präsident Baschar Al-Assads im Dezember hat die Sorge um die Rechte und die Sicherheit von Minderheiten in Syrien zugenommen. Die vom Al-Qaida-Ableger HTS gestellte Regierung in Damaskus ist dem Vorwurf ausgesetzt, Minderheiten wie Alawiten, Drusen oder Kurden nicht ausreichend zu schützen. Im März waren bei Massakern in den vorwiegend von Angehörigen der Alawiten bewohnten Regionen im Westen Syriens mehr als 1.700 Menschen getötet worden. (AFP/jW)

(https://www.jungewelt.de/artikel/505434.menschenrechte-entf%C3%BChrungen-alawitischer-frauen-in-syrien-angeprangert.html?sstr=syrien%7Cfrauen)

Nun ist es nicht so, daß Amnesty International (AI) den wahren Charakter der jetzigen Herrscher in Syrien nicht hatte kennen können. Amnesty International kannte und kennt den wahren Charakter der derzeitigen Herren in Damaskus (https://news.sky.com/story/who-is-syrian-rebel-leader-abu-mohammed-al-jolani-and-what-are-his-links-to-al-qaeda-13270212?email=439aa3dad180589b88279e53a5e2cbbce293fe9b&emaila=c2acf301a655ac8f64a327103e415bfb&emailb=47ec9ec0beb7480c44c21dff3a2a61545720482a7c741f10df015aa8c4c61806). Jeder geistig normal entwickelte Mensch vermag importierte terroristische Massenmörder von einer ihr Volk und Land verteidigenden Armee zu unterscheiden. Solange Syrien von einem legitimen und populären Präsidenten regiert wurde, hat AI mit Freude angebliche Menschenrechtsverletzungen durch den syrischen Staat angeprangert. Gegenüber den tatsächlich in Syrien an Zivilisten begangenen Verbrechen der westlich installierten Terrorbanden vom Stamme Al-Qaedas hätte man hingegen eher von Amnesie International reden müssen.

Damals hätten wir uns gewünscht, dass AI diese Einseitigkeit ablegt und sich mit den umfassenden und brutalen Verbrechen befasst, die von aus dem Westen importierten Terroristen begangen wurden. Diese sind dokumentiert: seit 2011 berichten Arabi Souri, Miri Wood, Afraa Dagher und Safaa Syria auf www.syrianews.cc über die teuflischen Verbrechen der vom Westen nach Syrien entsandten Terrorbanden, die in ihrem Ausmaß und ihrer Grausamkeit beispiellos sind.

Der Westen kann sich der traurigen Leistung rühmen, die Pforten der Hölle geöffnet und alle Teufel über Syrien gebracht zu haben.


Stefan H. Heuer, M.A.
Historiker, geboren 1964, arbeitete als Dozent in der Erwachsenenbildung und u.a.
in der Personalentwicklung eines US-amerikanischen Unternehmens in Deutschland.